Metin-Michael M. (34) steht unter Mordverdacht – für ihn gilt in der U-Haftanstalt die höchste Sicherheitsstufe. Der Schwerverbrecher soll im vergangenen Jahr Promi-Wirt Jochen Strecker (59) in dessen Wohnung erstochen haben. In dem Mordprozess wurde noch kein Urteil gesprochen.
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Jetzt ist der Hauptverdächtige auf der Flucht! Der zweite Ausbrecher (25) saß wegen Einbrüchen und Drogenhandels. „Es muss sich erstens um einen sehr klugen Plan und zweitens um sehr sportliche und begabte Täter handeln“, sagte Justizsenator Thomas Heilmann (CDU).
Eigentlich ist so eine Flucht unmöglich – oder man hat viel Glück und einen Insider-Tipp. Die beiden Männer waren in zwei verschiedenen Zellen im 1. Stock der Moabiter Strafvollzugsanstalt untergebracht. Die Gitterstäbe dort sind alt und lassen sich durchsägen. Genau das machten die Männer in der Nacht zum Montag – mit welchen Tatwerkzeugen ist noch nicht geklärt.
An Bettzeug und Handtüchern, die sie verknoteten, seilten sie sich fast zeitgleich aus ihren Fenstern ab in den Hof. Von dort aus sprinteten sie zur ersten Mauer - einem vier Meter hohen Backsteingebäude. Mit bloßen Händen kletterten sie daran hoch. Für den Justizsenator undenkbar, wie sie das schaffen konnten. Anschließend standen sie vor einem Gittertor, das aufgrund von Bauarbeiten noch nicht richtig gesichert war.
Galt seit fast 30 Jahren als einer der besten Partyveranstalter Berlins: Jochen Strecker.
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Die Pfalzburger Straße Dienstagnachmittag: Die Leiche des ermordeten Partykönigs Jochen Strecker wird von Gerichtsmedizinern abtransportiert
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Der Tatort in der Pfalzburger Straße
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Beamte der Spurensicherung vor Ort
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Thomas Heilmann: „Es gelang ihnen, das Tor aufzudrücken.“ Vermutlich hatten sie einen Insider-Tipp bekommen oder einfach nur viel Glück gehabt. Ohne diese Sicherheitslücke wäre die Flucht hier beendet gewesen. Beide Männer quetschten sich hindurch und lösten dabei um 5.35 Uhr den Alarm aus.
Doch weil die JVA-Mitarbeiter auf ihren Überwachungskameras niemanden sahen, gingen sie von einem Fehlalarm aus – niemand schaute genauer nach. Kaum die Mauer überwunden, mussten die Männer über einen ebenso hohen rasierklingenscharfen Nato-Zaun. Mit mehreren Jacken drückten sie den modernen Stacheldraht runter und krabbelten drüber.
Über das Vordach eines Eingangs gelangten sie an ihre letzte und einfachste Hürde: Die 2,50 Meter hohe gezackte Stahlumrandung des gesamten Geländes. Dort warfen sie ihren letzten Pulli drüber und flüchteten über Alt-Moabit in unbekannte Richtung. Nach dem Wecken um 7.35 Uhr fiel den JVA-Beamten auf, dass beide Zellen leer sind.
Etwas verspätet nahmen Montagmittag Spürhunde die Fährte auf, doch die verlor sich einige Hundert Meter weiter im Nirwana. Die Ratlosigkeit war spürbar: „So eine Flucht haben wir bisher nicht für möglich gehalten“, sagt Heilmann. Trotz allem macht der Justizsenator der Technik und dem Gefängnispersonal keine Vorwürfe.
Man sei bestens aufgestellt, hieß es. Auch in dem seltsamen Umstand, dass es zur Fluchtzeit einen Selbstmord in der Haftanstalt gab, sieht er keinen Zusammenhang. Dennoch gibt es Vermutungen, dass der tote Mann ebenfalls flüchten wollte, beziehungsweise in die Pläne involviert gewesen war.
Eine externe Untersuchungskommission soll dies jetzt klären. Konsequenzen gebe es vorerst nicht. Heilmann denkt weder an Rücktritt, noch an personelle Veränderungen. Dafür sollen neue Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden. Doch erst mal wird nach den beiden Ausbrechern bundesweit gefahndet.
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