Auch schon gehört?

Schreckliches Gejaule – welches Tier uns ab jetzt die Nächte versaut

Laute Schreie in Berliner Nächten sorgen für Verunsicherung. Wildtierexperten erklären, warum Jungfüchse derzeit besonders laut auf sich aufmerksam machen.

Foto von Autor/Autorin: Sharone Treskow
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Ein Berliner Wildtier hält aktuell alle wach. Es fühlt sich verlassen und allein.

Ein Berliner Wildtier hält aktuell alle wach. Es fühlt sich verlassen und allein.

© KI-Illustration

Steglitz wird aktuell heimgesucht: Nachts ist furchtbares Gejaule zu hören, ganz laut und hoch sind die Töne. Als wäre einem Tier ein furchtbares Leid widerfahren. Genauso fühlt es sich wohl auch an für die Übeltäter, die um diese Jahreszeit wieder einige Berliner in den grüneren Stadtteilen wachhalten. Die Rede ist hier von Jungfüchsen.

Jungfüchse werden von Eltern verstoßen

Und die haben, um es freundlich zu sagen, gerade eine schwere Zeit. Was nach Todeskampf klingt, ist in Wahrheit ein Familienkonflikt. Der Berliner Wildtierexperte Derk Ehlert stellt klar, dass das nächtliche Bellen harmlos ist und zur normalen Entwicklung der Tiere gehört – auch wenn es sich für Anwohner um zwei Uhr morgens nicht ganz so entwicklungspsychologisch anhört.

Wenn Sie nachts aktuell furchtbare Schreie hören, ist er vermutlich der Übeltäter: ein junger Rotfuchs (<em>Vulpes vulpes</em>) in Berlin

Wenn Sie nachts aktuell furchtbare Schreie hören, ist er vermutlich der Übeltäter: ein junger Rotfuchs (Vulpes vulpes) in Berlin

© Hohlfeld/Imago

„Seit etwa 14 Tagen ist ganz massiv ein ganz lautes, herzzerreißendes Bellen zu hören“, sagte Ehlert der dpa. Der Grund: Die im Frühjahr geborenen Jungfüchse werden abgenabelt. Die Eltern stellen den Küchendienst ein, ziehen sich zurück, und der Nachwuchs reagiert mit dem, was Teenager seit Jahrtausenden tun: Er beschwert sich lautstark, in der Hoffnung, dass doch noch mal einer mit Essen kommt.

Rund 4500 Füchse leben in Berlin. Auf dem Speiseplan stehen Mäuse, Ratten, Regenwürmer, Fallobst und der Abfall der Menschen.

Alle Heranwachsenden sind gleich

Bis September dürfen die Jungtiere laut Ehlert noch im Revier der Eltern bleiben, bekommen dort aber nichts mehr zu fressen. Das Fuchs-Äquivalent zum leeren Kühlschrank in der elterlichen Wohnung, in der man offiziell noch gemeldet ist. Das „Hotel Mama“ ist dann Geschichte. „Im Oktober werden sie geschlechtsreif und müssen sich eigene Reviere suchen“, so Ehlert.

Sobald Füchse geschlechtsreif sind, werden sie von ihren Müttern verstoßen.

Sobald Füchse geschlechtsreif sind, werden sie von ihren Müttern verstoßen.

© Thomas Koehler/Imago

Damit stehen sie vor demselben Problem wie jeder andere Berliner Ende zwanzig: „Ohne Schutz und außerhalb vertrauter Gebiete müssen sie sich ein eigenes Revier suchen“ und die guten Lagen sind längst vergeben. Immerhin gibt es beim Fuchs keine Schufa-Auskunft und keine Wohnungsbesichtigung mit 60 Mitbewerbern.

In ein paar Wochen dürfte der Umzug aber geschafft sein, und in Steglitz kehrt Ruhe ein – zumindest bis zur Paarungszeit im Winter.

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