Jürgen Zöllner im KURIER-Interview über Erwartungen und Sorgen mit der Schulreform

Senator: Schüler müssen Spaß an Leistung lernen

Sascha Langenbach
Lesezeit 2 Min

Berlin - Die Schulreform ist gestartet. KURIER-Reporter Sascha Langenbach fragte Senator Prof. Jürgen Zöllner (SPD), wie es nun an Berlins Schulen weitergehen wird.KURIER: Herr Zöllner, viel ist zu hören vom Ansturm auf Gymnasien. Haben Sie für die Integrierte Sekundarschule (ISS) zu wenig geworben?Zöllner: Ich habe für die ISS geworben. Aber ich muss nicht sagen, dass diese Form die bessere ist, weil sie anders ist. Die Sekundarschule bietet als Ganztagsschule mit flexibler Stundentafel und der Chance, nach 13 Jahren Abitur zu machen, große Möglichkeiten. Dass wir diese Reform binnen zwei Jahren zu so großer Akzeptanz geführt haben, hätten selbst Schulexperten aus anderen Regionen Deutschlands nicht für möglich gehalten.Sie sehen Berlin als Vorreiter für Deutschland?Ja. Alle Sekundarschulen kooperieren mit Partnern aus Wirtschaft oder Sport, wo wir frühzeitig die Rahmenbedingungen geschaffen haben. Bisher gibt es überhaupt keine Klagen. Die Ruhe, mit der diese Reform angenommen wird, hat mich auch etwas überrascht.An der Akzeptanz bei den Auswahlkriterien inklusive Lotterie an den Gymnasien müssen Sie aber arbeiten ...Lassen Sie uns bitte feststellen, dass die Unzufriedenheit mit dem alten System nach Wohnortnähe, BVG-Fahrplan und Scheinwohnsitzen groß war. Neues bringt nun mal Unsicherheit mit sich. Ich möchte darauf hinweisen, dass die Chance für den Einzelnen größer geworden ist, sich mit guten Leistungen gezielt auf ein bestimmtes Gymnasium oder eine bestimmte integrierte Sekundarschule vorzubereiten.Zur guten Schule gehören ausreichend Lehrer ...Da gibt es ein Problem, das aber mit der Reform nichts zu tun hat. Fachlehrer, etwa für Mathematik und Physik, fehlen auch in Süddeutschland. Wir werden künftig früher einstellen, bereits im März/April, die Finanzen dafür sind gesichert. Das ist bisher nicht so gut gelaufen. Künftig haben wir damit die Chance, gute Referendare zu erreichen und in Berlin zu halten.Was tun Sie dafür, dass die Schere zwischen guten und schwächeren Schülern nicht größer wird?Bei den Kindern nichtdeutscher Herkunft haben wir Verbesserungen erzielt. Sorge machen mir die Kinder aus bildungsfernen Familien. Wir merken durch Vergleichstests wie zum Beispiel Pisa, dass es dort Probleme gibt. Diese Kinder haben nie gelernt, dass es sich lohnt, in der Schule aufzupassen und sich anzustrengen - und dass Lernen Spaß machen kann! Um diese Kinder, die von der Lehrmittel-Zuzahlung befreit sind, müssen wir uns kümmern, vor allem durch Ganztagsangebote.------------------------------

Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com

Lesen Sie mehr zum Thema