Die beiden verband innige Vater-Sohn-Liebe, verstärkt durch Beruf, Politik und Kunst: Michael lernte bei seinem Vater das Handwerk des Druckers und Setzers, in Jürgen Müllers kleiner Druckerei am Tempelhofer Bayernring, die er bis zuletzt betrieben hatte.
Jürgen Müller, den sein Sohn oft in die geliebte Oper mitnahm, war Michael auch politischer Wegweiser: Er war zehn Jahre lang Bezirksverordneter in Tempelhof, leitete den Ortsverband der SPD, ließ den Halbwüchsigen Werbezettel der Partei verteilen.
Bei einem KURIER-Besuch 2014 in der Druckerei „Jürgen und Michael Müller“, die Michael als Wahlkreisbüro nutzte, erklärte der damalige Stadtentwicklungssenator das so: „Bis vor 500 Jahren konnten fast nur Kleriker lesen und schreiben. Mit dem Druck mit beweglichen Lettern gab es Arbeiter, die es konnten – und wer es konnte, war links.“
Da war es kein Wunder, dass er in die SPD eintrat: Bis auf die „CDU-Oma“ war die ganze Familie sozialdemokratisch. Michael übernahm Partei- und BVV-Posten vom Vater im Bezirk, aber er schaffte, was Müller senior nicht gelungen war: Er zog ins Abgeordnetenhaus ein, wurde vor einem Jahr zum Regierenden Bürgermeister gewählt. Auf der Tribüne, „stolz wie Bolle“: Jürgen Müller.
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