Tod mit 74

Michael Müller trauert um seinen Vater

Jürgen Müller und sein Sohn hatten ein inniges Verhältnis – auch politisch.

Gerhard Lehrke
Lesezeit 2 Min
Michael und Jürgen Müller vor einem guten Jahr in der  kleinen Druckerei, in der der Vater dem Sohn das Drucker- und Setzerhandwerk gelehrt hatte.

Michael und Jürgen Müller vor einem guten Jahr in der  kleinen Druckerei, in der der Vater dem Sohn das Drucker- und Setzerhandwerk gelehrt hatte.

© Stickforth

Die beiden verband innige Vater-Sohn-Liebe, verstärkt durch Beruf, Politik und  Kunst:  Michael lernte bei seinem Vater das Handwerk des Druckers und Setzers, in Jürgen Müllers kleiner Druckerei  am Tempelhofer Bayernring, die er bis zuletzt betrieben hatte.

Jürgen Müller, den sein Sohn oft in die geliebte Oper mitnahm, war   Michael auch politischer Wegweiser: Er war zehn Jahre lang Bezirksverordneter in Tempelhof, leitete den Ortsverband der SPD, ließ den Halbwüchsigen Werbezettel der Partei verteilen.

Bei einem KURIER-Besuch 2014 in der Druckerei „Jürgen und Michael Müller“, die Michael  als Wahlkreisbüro nutzte, erklärte der damalige Stadtentwicklungssenator das so: „Bis vor 500 Jahren konnten fast nur Kleriker lesen und schreiben. Mit dem Druck mit beweglichen Lettern gab es Arbeiter, die es konnten – und wer es konnte, war links.“

Da war es kein Wunder, dass er in die SPD eintrat: Bis auf die „CDU-Oma“ war die ganze Familie sozialdemokratisch. Michael übernahm Partei- und BVV-Posten vom Vater im Bezirk, aber er schaffte, was Müller senior nicht gelungen war: Er zog ins Abgeordnetenhaus ein, wurde vor einem Jahr zum  Regierenden Bürgermeister gewählt. Auf der Tribüne, „stolz wie Bolle“: Jürgen Müller.

Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com

Lesen Sie mehr zum Thema