Sexshop-Angebot

Berliner Mutter wehrt sich gegen Jobcenter

Behörde vermittelt Aufstockerin aus Prenzlauer Berg ungefragt an einen Erotikladen.

Philippe Debionne_richtig Eric Richard
Lesezeit 3 Min
Frigga Wendt wehrt sich gegen das Jobcenter.

Frigga Wendt wehrt sich gegen das Jobcenter.

© Eric Richard

„Als das Schreiben in meinem Briefkasten lag und ich es gelesen habe, habe ich meinen Augen nicht getraut“, sagt die Frau zum KURIER. „Ich habe ja schon so einiges erlebt mit dem Jobcenter, aber das hier hat echt eine neue Qualität. Nein, ich habe kein Interesse, für neun Euro die Stunde Dildos zu verkaufen! Erst recht nicht, wenn man mich mit der Androhung von Sanktionen dazu zwingen will!“

Das Schreiben mit der Sex-Aufforderung.

Das Schreiben mit der Sex-Aufforderung.

© Privat

Anstatt einer vom Jobcenter geforderten Bewerbung schreibt die 36-Jährige eine Absage an den Erotik-Laden in Kudamm-Nähe. Und liefert die inzwischen auch auf ihrer Internetseite veröffentlichte Begründung gleich mit dazu: „Nicht Ihre Dildos sind pervers, sondern der Zwang, der mich verpflichten soll, diese zu verkaufen. Und dafür mein eigenes Kind und meine Arbeit mit Kindern hinten an zu stellen. Sollte sich das Jobcenter nun nach meiner Bewerbung bei Ihnen erkundigen: Geben Sie ausschließlich ohne weitere Angaben zurück, dass ich die Stelle nicht annehmen werde!“

Dabei ist die 36-Jährige keine arbeitsscheue Langzeitarbeitslose, die schlichtweg faul ist. „Ich gehe in Schulen, Kindergärten und Lernwerkstätten, mache mit den Kindern dort technische Experimente und bringe ihnen so die Physik näher.“ Doch weil die Freiberuflerin damit nicht immer genug verdient, um sich und ihr Kind damit über Wasser zu halten, wird sie beim Jobcenter als Aufstockerin geführt. Was bedeutet, dass das Amt ihr den Betrag zuschießt, der fehlt, um das Existenzminimum zu erreichen. „Aber das gibt denen nicht das Recht, mich in einen Sex-Shop zu beordern!“ 

In diesem Sex-Shop in Kudamm-Nähe soll sich die Frau vorstellen.

In diesem Sex-Shop in Kudamm-Nähe soll sich die Frau vorstellen.

© Eric Richard

Moralisch mag Frigga Wendt recht haben – juristisch ist das Thema allerdings höchst umstritten. Nachdem die Berlinerin Sabine R. vor wenigen Tagen ebenfalls vom Jobcenter Pankow an einen Sex-Shop vermittelt werden sollte, schaltete sich die Vorsitzende der Linken, Katja Kipping (39) ein. Und wollte von der Bundesregierung wissen, ob einem Arbeitsangebot für einen Erotik-Handel wirklich Folge zu leisten sei.

„Der Unterbreitung von Vermittlungsvorschlägen im Handel und Vertreib erotischer Waren steht grundsätzlich nichts entgegen“, so die Antwort der Parlamentarischen Staatssekretärin Anette Kramme (49, SPD). „Zum Schutz der individuellen Persönlichkeitsrechte ist allerdings auch in diesen Fällen sensibel vorzugehen.“ Eine Strafe bei Ablehnung soll es nicht geben.

Trotzdem ist Frigga Wendt empört. Und hat sich so sehr über das schlüpfrige Job-Angebot aufgeregt, dass sie sich jetzt entschlossen hat, Strafanzeige gegen das Jobcenter Pankow zu stellen – wegen Nötigung.

Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com

Lesen Sie mehr zum Thema