Jetzt brennt auch Ägypten Das Regime von Husni Mubarak lässt scharf in die Menge schießen, sechs Tote

Blutige Unruhen

Ralph Durry
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Kairo - Tränengasschwaden vor dem berühmten Ägyptischen Museum, blutende Menschen und scharfe Schüsse: Mit großer Brutalität geht das Regime von Husni Mubarak gegen Demonstranten im Land am Nil vor - will so verhindern, das Schicksal des vom Volk gestürzten tunesischen Diktators Ben Ali teilen zu müssen.Zehntausende waren noch in der Nacht auf den Straßen, mindestens sechs Menschen starben bei den Straßenschlachten, gestern verbot das ägyptische Innenministerium alle Demos. Facebook und Twitter waren gestern in Ägypten blockiert.- Wogegen protestieren die Massen?Seit 30 Jahren regiert der Ex-Luftwaffenoffizier Husni Mubarak (82) das Land mit harter Hand. Auch Islamisten bekommen das zu spüren. Aber für eine kleine Oberschicht hat sich das rentiert - sie ist verbandelt mit Mubaraks regierender NDP-Partei. Aber Millionen Ägypter leben in bitterster Armut.- Ist die Lage vergleichbar mit Tunesien?"Ja und nein", sagt Stephan Roll, Ägypten-Experte der "Stiftung Wissenschaft und Politik" zum KURIER. "Die Ausgangslage ist vergleichbar, von der hohen Arbeitslosigkeit bis zum repressiven Regime. Das Land ist runtergewirtschaftet. Doch die Vernetzung der Demonstranten ist in Tunesien besser."- Wie reagiert das Regime?Im Unterdrücken der Opposition hat Kairo viel Erfahrung - auf den Straßen sind Tausende von Polizisten. Festnehmen dürfen sie unter dem seit 30 Jahren geltendem Kriegsrecht jeden. "Mubarak ist definitiv eine härtere Nuss als Ben Ali", so Roll.- Gibt es Alternativen zu Mubarak?Der Ex-Atomaufseher und Friedensnobelpreisträger Mohammed El Baradei könnte antreten. Roll: "Er gilt als nicht korrupt, genießt hohes Ansehen bei der Opposition, hat aber auch Kontakte zu den Eliten." Stärkste Oppositionskraft ist die offiziell verbotene Muslimbruderschaft - bei Ägyptens Armen wegen karitativer Arbeit beliebt. Eine Gefahr? "Das ist keine extremistische Strömung", so Roll. "Der Gewalt haben sie seit Jahren abgeschworen, sind heute eher mit der türkischen Regierungspartei AKP vergleichbar."- Ist Ägypten als Reiseland sicher?War es nie. Anschläge an touristischen Hotspots haben Ägypten immer wieder erschüttert, von Reisen in Wüstengebiete rät das Auswärtige Amt dringend ab. Doch in den Urlaubsorten am Roten Meer ist die Lage ruhig.- Was ist mit den Touristen?Eine Million Deutsche machen jährlich in Ägypten Urlaub. Und daran soll sich nach dem Willen von Regierung und Veranstaltern auch wenig ändern. Nur Tagesausflüge zu den Sehenswürdigkeiten Kairos wurden gestern gestoppt. TUI-Sprecherin Kathrin Spichala zum KURIER: "Wir beobachten die Situation, stehen in Kontakt mit den örtlichen Behörden." Rückholaktionen seien nicht geplant.------------------------------FACEBOOK UND TWITTER WAREN GESTERN BLOCKIERTDAS LAND IST WIE TUNESIEN RUNTERGEWIRTSCHAFTET

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