Japan hat eine Marke gerissen, die es in keiner Statistik zuvor gab: 107.677 Menschen im Land sind 100 Jahre oder älter, 7914 mehr als vor einem Jahr. In Deutschland waren es zuletzt rund 17.900. Der Abstand hat mit Fisch, Reis und Krankenversicherung zu tun – aber längst nicht nur.
Neun von zehn Rekordhaltern sind Frauen
Als das japanische Gesundheitsministerium 1963 zum ersten Mal nachzählte, kam es auf 153 Menschen über 100. 25 Jahre später waren es über 10.000. Seit 56 Jahren steigt die Zahl jedes Jahr, rund 88 Prozent der Hundertjährigen sind Frauen.
Die Lebenserwartung liegt bei japanischen Frauen bei etwa 87, bei Männern bei etwa 81 Jahren – Weltspitze.
Gesundheitsminister Kenichiro Ueno erklärte vor der Presse, man freue sich, dass viele Menschen „dank der Fortschritte in der Medizintechnik länger leben und aktiv bleiben“.
Er nennt damit einen Teil der Erklärung. Die Forschung nennt weitere: eine seit 1961 flächendeckende Krankenversicherung, eine kalorienärmere Küche, wenig Übergewicht. Laut dem OECD-Bericht „Gesundheit auf einen Blick 2025“ sind in Japan und Korea weniger als 40 Prozent der Bevölkerung ab 15 Jahren übergewichtig oder adipös.
In Japan leben immer mehr Hundertjährige (Archivbild).
© Lars Nicolaysen/dpa
Und Deutschland? Zum Jahresende 2024 lebten hier rund 17.900 Menschen ab 100 Jahren, ein Viertel mehr als 2011. 83,8 Prozent von ihnen sind Frauen. Die meisten wohnen in Nordrhein-Westfalen (3900), Bayern (2400) und Baden-Württemberg (2300).
Jedes Jahr 917.000 Menschen weniger
Japan altert aber nicht nur, es schrumpft. Die Bevölkerung fiel zu Jahresbeginn erstmals seit 42 Jahren unter 120 Millionen, binnen eines Jahres gingen 917.000 Menschen verloren. Die Kosten der sozialen Sicherung steigen Jahr für Jahr, und das in einem Land mit der höchsten Staatsverschuldung aller Industrieländer.
Deutschland steht am selben Punkt, nur ein paar Schritte früher. Ende 2025 lebten hier rund 83,5 Millionen Menschen, etwa 100.000 weniger als ein Jahr zuvor. Das Geburtendefizit lag im vierten Jahr in Folge über 300.000, die Nettozuwanderung sank um mindestens 40 Prozent – und glich das Defizit erstmals seit Jahren nicht mehr aus.
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