Die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare stößt in der Berliner Bevölkerung auf große Zustimmung. 73 Prozent befürworten einer aktuellen Umfrage zufolge die Homo-Ehe. Im Ost-Teil der Stadt fällt die Zustimmung mit 79 Prozent größer aus als im West-Teil mit 69 Prozent, so das Ergebnis der am Samstag veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der „Berliner Zeitung“.
Nur eine knappe Mehrheit von 55 Prozent meint demnach allerdings, Berlin solle sich auf Bundesebene besonders für die Gleichstellung einsetzen. Das Land hatte sich Mitte Juni bei einer Abstimmung im Bundesrat enthalten, weil die Berliner CDU erst ihre Mitglieder zum Thema befragen will.
Das Blatt berichtete zudem, dass CDU-Landeschef und Innensenator Frank Henkel bei einer zweiten Abstimmung in einem Fachausschuss der Länderkammer mit Nein votiert habe. Der Geschäftsführer des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg, Jörg Steinert, nannte das Vorgehen in einer Stellungnahme „unerträglich“. „Spätestens nach der Mitgliederbefragung muss die Regierungspartei CDU erklären, ob sie noch in der Lage ist, die Interessen der Berliner Bevölkerung zu vertreten“, sagte Steinert. Er forderte ein Ja Berlins im Bundesrat.
Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD) warf Henkel mangelnden Entscheidungswillen vor. „Herr Henkel hat sich nicht getraut, Hauptstadtpartei zu sein und Ja zu sagen“, sagte sie dem „Tagesspiegel“ (Samstag). Wenn die Basis der Christdemokraten weiter sein sollte als ihr Vorsitzender, werde dies für ihn problematisch. Und sollten die Mitglieder Nein zur Ehe für alle sagen, könne sich die CDU ganz als Hauptstadtpartei verabschieden, meinte Kolat.
Fast zwei Drittel der Berliner glauben der Umfrage zufolge, dass sich die CDU-Basis bis Mitte Juli gegen die rechtliche Gleichstellung von homosexuellen Partnerschaften aussprechen wird. Unter den befragten CDU-Anhängern waren 52 Prozent für die Liberalisierung. dpa
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