Die israelische Armee hat am Montag nach eigenen Angaben mehrere bewaffnete Verdächtige erschossen, die vom Nachbarland Libanon aus nach Israel vorgedrungen waren. Man suche nach weiteren Verdächtigen, teilte das Militär mit. Laut israelischen Medienberichten kam es zu mehreren Schusswechseln. Wie das israelische Fernsehen berichtete, seien Einwohner im Norden des Landes angewiesen worden, in den Schutzräumen zu bleiben.
Die mit dem Iran verbündete Schiitenorganisation Hisbollah dementierte eine Beteiligung an dem Vorfall - auf den Israel mit Beschuss von Zielen im Süden des Nachbarlandes Libanon reagierte.
Am Montag gab es im Norden Israels erneut Raketenalarm
Die Hisbollah hatte am Sonntag die Verantwortung für einen Raketenbeschuss aus dem Südosten Libanons auf israelisches Grenzgebiet übernommen.
Auch am Montag gab es im Norden Israels erneut Raketenalarm. Die israelische Armee teilte später mit, es seien zwei Mörsergranaten vom Libanon aus auf Israel abgefeuert worden. Eine davon sei aber auf libanesischem Gebiet eingeschlagen. Es gebe bisher keine Berichte über Verletzte.
Israels Armee reagiert weiter mit massiven Bombardierungen des Gazastreifens. Sie hat 300 000 Reservisten mobilisiert, um auf den Angriff von Hamas-Terroristen militärisch zu antworten. Die Anordnung deutet auf eine Bodenoffensive im Gazastreifen hin, einem dicht besiedelten Küstenstreifen am Mittelmeer. Es ist die größte Mobilisierung in der israelischen Geschichte in so kurzer Zeit, sagte ein Armeesprecher am Montag sagte.
Israels Armee hat die Bürger im Land angewiesen, sich mit ausreichend Nahrung, Wasser und Medikamenten einzudecken. Die Vorräte sollten mindestens 72 Stunden reichen, teilte das Militär mit - offensichtlich mit Blick auf eine drohende militärische Auseinandersetzungen mit der islamistischen Hamas, die den Gazastreifen beherrscht.
Großangriff der Hamas erfolgte 50 Jahre nach Beginn es Jom-Kippur-Krieges
Hamas-Terroristen hatten am Samstag, dem jüdischen Feiertag Simchat Tora (Freude der Tora), vom Gazastreifen aus überraschend massive Raketenangriffe gegen Israel gestartet. Gleichzeitig drangen bewaffnete Palästinenser über Land, See und Luft nach Israel vor und griffen Menschen in Orten in Grenznähe an. Sie erschossen dabei viele Männer, Frauen und Kinder und verschleppten etwa 150 Menschen als Geiseln in den Gazastreifen.
Der Großangriff der Hamas erfolgte 50 Jahre nach dem Beginn des Jom-Kippur Krieges, der vom 6. bis 25. Oktober 1973 von Ägypten, Syrien und anderen arabischen Staaten gegen Israel geführt wurde. In der DDR wurde er auch „Oktoberkrieg“ genannt.
Zahl der Toten in Israel auf 900 gestiegen
Die Zahl der Toten des Angriffs in Israel ist laut Medienberichten am Montag auf 900 gestiegen. Wie das Pressebüro der Regierung mitteilte, wurden rund 2600 Menschen verletzt.
Allein in einem völlig zerstörten Kibbutz nahe des Gazastreifens mit rund 1000 Einwohnern wurden am Montag mehr als 100 Leichen geborgen, wie Medien unter Berufung auf Rettungskräfte meldeten. Dort würden weitere Todesopfer befürchtet. Bei israelischen Luftangriffen als Reaktion auf den Großangriff wurden im Gazastreifen nach Angaben des dortigen Gesundheitsministeriums mindestens 687 Menschen getötet und mehr als 3800 verletzt.
Israel hatte am Montag die komplette Abriegelung des nur 40 Kilometer langen und sechs bis zwölf Kilometer breiten Gazastreifens angeordnet.
Israels Präsident Herzog: Seit dem Holocaust haben wir das nicht mehr erlebt
Nach Angaben von Israels Präsident Izchak Herzog wurden seit dem Holocaust nicht mehr so viele Juden an einem Tag getötet wie bei den Terrorattacken der Hamas am Samstag. „Seit dem Holocaust haben wir nicht mehr erlebt, wie jüdische Frauen und Kinder, Großeltern – sogar Holocaust-Überlebende – in Lastwagen gepfercht und in die Gefangenschaft gebracht wurden“, sagte er am Montagabend nach Angaben seines Sprechers.
Auch unschuldige Muslime und andere Gläubige hätten die Hamas-Anhänger gefoltert. Ganze Familien seien kaltblütig ermordet worden. „Wir werden mit voller Kraft und unerschütterlichem Engagement handeln, um diese Bedrohung für unser Volk zu beseitigen“, so der Präsident.
Netanjahu fordert Opposition auf, in Notstandsregierung einzutreten
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat die Opposition aufgefordert, ohne Vorbehalte in eine Notstandsregierung einzutreten. „Wir befinden uns in einem Einsatz für die Heimat, einem Krieg zur Sicherung unserer Existenz, einem Krieg, den wir gewinnen werden“, sagte er bei einer Ansprache im Fernsehen. Die Spaltungen unter den Israelis erklärte Netanjahu für beendet. „Wir sind alle vereint.“ Auch die Führung solle sich nun zusammentun und mit der Opposition eine Notstandsregierung bilden.
„Dieser Krieg wurde uns von einem verabscheuungswürdigen Feind aufgezwungen - von Bestien, die die Ermordung von Frauen, Kindern und Alten feiern.“ Die Bilder der Zerstörung in Gaza seien „nur der Anfang“, drohte Netanjahu. Hunderte Terroristen seien bereits „ausgelöscht“ worden.
Seit Jahresbeginn ist es in Israel zu massiven Protesten gegen einen Justizumbau gekommen, den Netanjahus rechts-religiöse Regierung vorantreibt. Der bittere Streit führte zur Spaltung der Gesellschaft. Einige Beobachter glauben, Israel sei durch die internen Streitigkeiten von der Gefahr, die von der Hamas ausging, abgelenkt gewesen.
Hat Israel Warnungen aus Ägypten ignoriert?
Netanjahu hatte zuvor Medienberichte dementiert, nach denen Ägypten Israel vor einem bevorstehenden Angriff aus dem Gazastreifen gewarnt hatte. Solche Berichte seien „absolut falsch“, teilte Netanjahus Büro am Montag mit.
Israelische Medien berichteten zuvor, der ägyptische Geheimdienstchef Abbas Kamel habe Netanjahu zehn Tage vor dem Terroranschlag gewarnt, dass „etwas Ungewöhnliches, eine schreckliche Operation“ im Bereich des Gazastreifens zu erwarten sei.
Netanjahus Büro teilte dagegen mit, seit der Regierungsbildung Ende 2022 habe er weder direkt noch indirekt mit Kamel gesprochen.
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