Islamist Magomed-Ali C.

Mein Nachbar, der Terrorist

Der Islamist wurde in Buch festgenommen. Hausbewohner fanden den Mann merkwürdig.

Jens Blankennagel
Lesezeit 4 Min
Blick auf das Haus, in dem Magomed-Ali C. in der dritten Etage wohnt. Im Viertel gibt es auch ein Wohnheim für Obdachlose und Flüchtlinge.

Blick auf das Haus, in dem Magomed-Ali C. in der dritten Etage wohnt. Im Viertel gibt es auch ein Wohnheim für Obdachlose und Flüchtlinge.

©  Berliner Zeitung/Paulus Ponizak

Magomed-Ali C. wurde am Donnerstag unter Bewachung in einem Hubschrauber von Karlsruhe nach Berlin zurückgeflogen. Von dort aus ging es für den Terrorverdächtigen in die U-Haftanstalt in Moabit. Der 31-jährige Russe soll mit einem französischen Komplizen eine „schwere staatsgefährdende Gewalttat sowie ein Explosionsverbrechen vorbereitet haben“. 

Das kleine Viertel, in dem am Mittwochmorgen der mutmaßliche Terrorist Magomed-Ali C. von schwer bewaffneten Sonderpolizisten festgenommen wurde, liegt in einem Wäldchen. Der Festgenommene wohnte im letzten der sechs Häuser gleich neben dem Klinikum Berlin-Buch. Die Häuser liegen am Stadtrand, zwei Kilometer entfernt vom S-Bahnhof Buch. Ruhig ist es dort, idyllisch, grün. Die Häuser sind typisch 90er-Jahre-saniert. Es ist sehr sauber, es gibt keine Graffiti.

Doch der allererste Satz, den ein Nachbar von Magomed-Ali C. sagt, macht klar, dass es einen großen Unterschied gibt zwischen dem ganz hübschen äußeren Eindruck des kleinen Viertels und den tatsächlichen Lebensverhältnissen. Als er hört, dass sein Nachbar festgenommen wurde, fragt er: „Welcher, der linke oder der rechte?“

Die Idylle des Viertels täuscht

Als Steven K. hört, um wen es sich handelt und dass der Mann wohl Sprengstoff für einen islamistisch motivierten Anschlag in diesem Wohnhaus gelagert haben soll, erschrickt er. „Ich kam mit dem Mann ganz gut klar, aber irgendwie war der auch komisch“, erzählt der 23-Jährige. „Vor ein paar Wochen hat meine Freundin für ihn ein Paket angenommen. Da war ein ausländischer Absender drauf und ich habe zu meiner Freundin gesagt: Da ist hoffentlich keine Bombe drin.“ Er habe einen Zettel in den Briefkasten von Magomed-Ali C. gesteckt, weil dieser das Paket lange nicht abholte. „Als zwei Wochen nichts passierte, wollte ich das Ding aus der Wohnung haben und habe es ihm vor die Tür gelegt.“

Steven K. hatte ein Paket für den mutmaßlichen Terroristen entgegengenommen, das der Nachbar aber wochenlang nicht abholte. Ihn ärgert, dass ständig die Polizei kommen muss.

Steven K. hatte ein Paket für den mutmaßlichen Terroristen entgegengenommen, das der Nachbar aber wochenlang nicht abholte. Ihn ärgert, dass ständig die Polizei kommen muss.

© Paulus Ponizak

K. wohnt seit drei Monaten in Buch. Anfangs habe er einen positiven Eindruck von dem Viertel gehabt. Aber dieser wurde rasch getrübt. „Hier passiert ständig etwas“, sagt er. Ständig müsse er betrunkenen Obdachlose aus dem benachbarten Heim vom Zaun des Kindergartens verscheuchen, ständig käme die Polizei. „Ich glaube, ich ziehe wieder aus.“

Nach einem Polizeieinsatz trug er die Haare kurz

Ein anderer Nachbar hat seine politische Meinung ganz klar per Aufkleber an der Tür gehängt: ein Eisernes Kreuz und ein Deutschland-Schriftzug in Fraktur, darunter der Satz: „Bitte flüchten Sie weiter! Es gibt hier nichts zu wohnen!“ Dazu ein durchgestrichener Merkel-Kopf.

Michael P. hat den Einsatz des SEK und der GSG9 vom Fenster aus gesehen. „Da waren überall Polizeiautos und Polizisten“, erzählt er. Der Festgenommene habe früher die Haare sehr lang getragen und einen langen Bart, seine Frau sei stets von Kopf bis Fuß verhüllt gewesen.

Magomed-Ali C. habe auch oft Zeit mit Nachbarn aus Pakistan verbracht. Aber dann sei vor einem Jahr die Polizei gekommen und habe seine Wohnung aufgebrochen. „Danach hatte er die Haare kurz und war glatt rasiert“, sagt er. „Aber ab da hat man ihn nur selten gesehen.“

„Ich weiß gar nicht, woher der Mann war“, sagt Anette Wunderlich. Sie erzählt, dass sie zwölf Jahre hier lebt, dass es immer mehr Ärger gebe, dass es laut sei, dass immer mehr Rumänen und andere Ausländer herzögen. „Die Miete kostet nur vier Euro warm“, sagt sie. „Ich wäre längst weg, aber wo soll ich in Berlin eine so billige Wohnung bekommen?“

Annette Wunderlich ärgert sich über den Lärm mancher Nachbarn und dass die Wohnungsbaugesellschaft nichts tut.

Annette Wunderlich ärgert sich über den Lärm mancher Nachbarn und dass die Wohnungsbaugesellschaft nichts tut.

© Paulus Ponizak

Mit den Flüchtlingen gibt es keine Probleme

Ein Spaziergänger mit Hund erzählt, dass das Wohngebiet früher zum Klinikum gehörte. „Das waren Schwesternwohnheime“, sagt er. Dann wurden die Häuser in den 90er-Jahren saniert. „Anfangs war es mit den Mietern ziemlich schlimm, dann wurde es besser, jetzt ist es wieder schlimm.“ Er selbst meide das Gebiet. Er selbst sei froh, dass er auf der anderen Seite der Straße wohne. „Bei uns sind nur vernünftige Leute“, sagt er und lacht. „Aber dort drüben kommt zwei, drei Mal die Woche die Polizei mit Blaulicht.“

Aber das Problem seien nicht die Flüchtlinge oder die Obdachlosen, sondern die jungen Leute. Die sind 18 oder 19 Jahre alt, haben ihre erste Wohnung und machen Party und tüchtig Lärm.

Mit den Flüchtlingen gebe es eigentlich gar keinen Ärger. „Proteste gab es nur, als das neue Wohnheim gebaut wurde, aber das ist zwei Kilometer entfernt.“

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