Irrer Prozess

Der Libyen-Coup

Wirtschaftskrimi um Gaddafi, Guttenberg, einen Berliner Filmemacher und 16 Mio. €

Gerhard Lehrke
Lesezeit 3 Min
Muammar al-Gaddafi fand 2011 ein trostloses Ende von der Hand Aufständischer. Da hatte er noch Schulden beim Berliner Filmemacher, für den sich Wirtschaftsminister Guttenberg vergeblich stark gemacht hatte.   

Muammar al-Gaddafi fand 2011 ein trostloses Ende von der Hand Aufständischer. Da hatte er noch Schulden beim Berliner Filmemacher, für den sich Wirtschaftsminister Guttenberg vergeblich stark gemacht hatte.   

© picture alliance / dpa

Spiegel TV hat darüber einen Bericht gemacht, den man kaum glauben mag: 2006 diente sich Filmemacher Maximilian V. bei einer Tagung afrikanischer Staatschefs in Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba bei Gaddafi an, einen Film („Bruder Oberst“) über dessen Leben zu drehen. Er bekommt sogar eine Audienz bei Gaddafi in Libyen, gibt Geld aus – aber die Libyer zahlen nicht. Am Ende soll V. mit einer Million Miesen dagestanden haben.

2009 schreibt deshalb der damalige Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) einen Brief an seinen libyschen Kollegen, was nichts hilft.

2011 schließlich geht das Projekt in Rauch auf: Umsturz in Libyen, Gaddafi wird umgebracht, und jetzt ist niemand mehr da, der für den Propaganda-Schinken des Berliners zahlen will. 

Maximilian V., dessen Filmfirma „raymaxfilm“ mit genau einem fertiggestellten Werk im Internet auftaucht und dessen Verbindungen nach Nordafrika noch rätselhaft sind, ist aber findig: Die Staatsanwaltschaft wirft ihm und einem Anwalt und Notar vor, im April 2011 beim Berliner Mahngericht eine mutmaßlich gefälschte Architektenrechnung vorgelegt zu haben.

Mit diesem Trick sollen sie ein Konto bei der Deutschen Bank Berlin, das dem Staatsfonds „Libyan African Portfolio“ (LAP) gehörte, um 16 Millionen Euro erleichtert haben. Ein Trick, dessentwegen sich V. und der Anwalt einer Betrugsanklage in Berlin gegenübersehen.

Dummerweise platzten bisher beide angesetzten Termine: 2013, weil die Richterin erkrankt war, 2015 wegen einer Rückenverletzung des Filmemachers. Die Krankmeldung schickte er aus Malta: Dort wohnt der Mann inzwischen, hatte sich mutmaßlich mit dem libyschen Geld ein 900 000-Euro-Appartement und ein schönes Boot gekauft. 

Versuche von Spiegel TV, den auf einem Lastenfahrrad mit zwei Kindern über eine Straße auf Malta sausenden Mann zu Antworten über die Vorgänge zu bewegen, scheiterten am Schweigen von Maximilian V.

Geld genug muss der Mann haben, auch wenn es den Verdacht gibt, dass ihm nicht mehr die ganzen 16 Millionen (minus Wohnung und Boot) zur Verfügung stehen: Im Frühjahr 2012 soll er sich mit dem früheren Stabschef Gaddafis in Paris getroffen haben – Bashir Saleh.

Etwa in dieser Zeit soll V. drei Millionen Euro und 46 Goldbarren im Wert von zwei Millionen Euro abgehoben haben, möglicherweise, um Saleh zu bezahlen, der ihm die Existenz des LAP-Kontos verraten haben könnte.

Vielleicht weiß ja Bernd Schmidbauer mehr: Der frühere Geheimdienstkoordinator im Bundeskanzleramt hatte Maximilian V. in Libyen getroffen. 

Ob das jemals rauskommt, hängt vom Beginn des Prozesses voraussichtlich im Herbst ab – falls sich nicht wieder jemand kurzfristig krank meldet... GL

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