Frédéric von Anhalt

Ein Prinz verneigt sich vor Berlin

Ihm gefällt die Hauptstadt so gut, dass er hierbleiben möchte.

Mike Wilms
Lesezeit 4 Min
Frédéric Prinz von Anhalt steht im Bademantel am Adlon-Fenster und begrüßt Berlin.

Frédéric Prinz von Anhalt steht im Bademantel am Adlon-Fenster und begrüßt Berlin.

© Markus Wächter

„An dieser Stadt ist gar nichts falsch“

Basecap, breites Lächeln, weiße Turnschuhe: Prinz Frédéric öffnet die Tür von Zimmer 212 und bittet in seine Suite mit Blick auf das Brandenburger Tor. „Hier, sehen Sie sich das mal an – toll!“, sagt er und zeigt aus dem Fenster.

„Man liest und hört ja so viel Schlechtes über Berlin, aber an dieser Stadt ist gar nichts falsch.“ Klingt nach einer nett gemeinten Begrüßung des Mannes, der erst als 36-Jähriger durch Adoption zum Adeligen wurde. Aber hat er Ahnung von Berlin? Was ist mit Kriminalität, Gewalt, Armut, hohen Mieten, schlechter Luft?

„Nein, die Luft ist super. Das fiel mir sofort auf“, versichert Prinz Frédéric. Er lässt sich in einen großen, braunen Ledersessel fallen. Zu Hause in Los Angeles, da sei ständig Smog. Wenn er von Bel Air auf die Stadt blicke, schaue er auf eine dunkelgelbe Wolke. „Aber in Berlin? Luft super, U-Bahnen pünktlich. Hier kriegste immer sofort ein Taxi, und es ist auch nicht gefährlich.“

Kein Tourist, sondern Macho

Prinz Frédéric unterbricht seinen Monolog und rollt den Ärmel seines Pullovers hoch. „Hier, sehen Sie die genähte Messer-Narbe? Ich bin im August am Strand von Santa Monica beim Joggen überfallen worden“, sagt er. Vier Männer hätten ihn zu Boden geschubst. Ehe er sich versah, habe eine Klinge in seinem linken Unterarm gesteckt. Nur herbeieilenden Passanten sei es zu verdanken, dass er seine Uhr retten konnte und dass die Räuber geflüchtet seien.

Der Prinz zeigt seine Stichwunde.

Der Prinz zeigt seine Stichwunde.

© Markus Wächter

„Nach Berlin habe ich dann zur Vorsicht gar keinen Schmuck mitgenommen“, sagt Prinz Frédéric. „Aber wissen Sie was? Ich war alleine zu Fuß am Alex, diesem angeblich so gefährlichen Platz. Ich sah ein, zwei Junkies. Aber was ist mir passiert? Nichts!“

Ob es für jemanden gefährlich wird, hänge aber auch davon ab, wie man sich in der Öffentlichkeit gibt. „Ich gehe ja nicht gemütlich durch die Gegend wie ein Tourist, sondern eher wie ein Macho“, sagt Prinz Frédéric und führt das gleich mal vor. „Breite Schultern! Das muss selbstbewusst wirken, ein wenig Angst machen und ausstrahlen: ,Okay, hier gibt“s was aufs Maul!“

Wohnung und eigenes Restaurant in Berlin?

Dazu sollte man vielleicht wissen, dass der Prinz nicht immer in besten Kreisen verkehrte, sondern unter dem Geburtsnamen Hans-Robert Lichtenberg einst mehrere Saunaclubs besaß. 1986 heiratete er die 26 Jahre ältere Schauspiel-Ikone Zsa Zsa Gabor und ging ganz nach Kalifornien.

„Mit meiner Frau habe ich übrigens vor über 20 Jahren hier im Adlon das Weihnachtfest gefeiert“, sagt er. Zur Erinnerung sei er jetzt als Witwer zurückgekehrt und habe sich entschieden: „Ich suche mir eine eigene Wohnung in Berlin, am liebsten zentral im Bezirk Mitte.“ Hamburg sei zwar auch wunderschön und in Köln gebe es den Karneval, aber in Berlin spiele sich alles ab.

„Wenn ich spät abends zum Brandenburger Tor rausgehe, rede ich mit Touristen aus New York oder Chicago“, sagt Prinz Frédéric. „Warum sind die bloß alle hier? Weil Berlin eine Top-Stadt ist!“ Die Geschäfte und Restaurants seien voller Menschen. Verarmt könne Berlin also auch nicht sein. Vielleicht eröffne er ja selbst noch ein Restaurant oder Café.

KURIER-Reporter Mike Wilms traf Prinz Frédéric im Hotel Adlon.

KURIER-Reporter Mike Wilms traf Prinz Frédéric im Hotel Adlon.

© Markus Wächter

„Nur bei der deutschen Bürokratie sehe ich Verbesserungsbedarf“, sagt Prinz Frédéric. Als er in ein Berliner Fitnessstudio gegangen sei, habe ihn die Angestellte als erstes für eine Dauer-Mitgliedschaft begeistern wollen, mit einem Formular gewunken und nach seinem Perso gefragt. „Warum so kompliziert? Ich will da einfach reingehen, ein paar Eisen stemmen und am Ende den Kassenbon bezahlen.“

Fitness sei ihm wichtig, sagt der Prinz und spannt den Bizeps an. Der KURIER-Reporter darf sogar mal fühlen. Das ist er also, der Oberarm, mit dem man sich sogar auf den Alex trauen kann.

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