KURIER: Herr Preetz, wie erleben Sie als Bundesliga-Manager so ein Spiel gegen einen Verein, der viel mehr Geld zur Verfügung hat?
Michael Preetz: Das ist doch nicht neu. Aber ich erinnere gerne daran, dass wir in den vergangenen Jahren den Bayern auch mal die Stirn bieten konnten. Die letzten zwei Heimspiele haben wir zwar nicht gewonnen, aber auch nicht verloren. Beim letzten Mal haben wir einen 0:2-Rückstand aufgeholt. Das schafft auch nicht jede Mannschaft. Alleine in München ist es uns in den letzten Jahren nicht gelungen, dort etwas Zählbares mitzunehmen. Aber anderen eben auch Teams nicht.
Würden Sie nicht gern auch mal so viele Millionen haben, um teure Stars zu holen?
Das Thema stellt sich momentan so nicht.
Zurück zum Spiel bei den Bayern. Wie könnte ein Überraschungserfolg klappen? Nur hinten reinstellen, geht meistens schief ...
Es wird wichtig sein, dass wir den Bayern keine Räume geben, dass die Ketten in Abwehr und Mittelfeld geschlossen sind. Und dann müssen wir versuchen, die wenigen Chancen, die sich für uns ergeben, zu nutzen. Das wird wie immer in München ein große Herausforderung.
Das klingt sehr realistisch. Wie schätzen Sie Herthas bisherige Saison ein?
Die Saison ist durchschnittlich. So wie es auch die aktuelle Bilanz mit 7 Siegen, 9 Unentschieden und 7 Niederlagen ausdrückt. Wir haben immer noch alle Möglichkeiten – in beide Richtungen. Beim 0:2 gegen Mainz haben wir es leider verpasst, ein deutliches Statement abzugeben: komfortabler Abstand nach unten und Blick nach oben. Diese Chance haben wir liegen lassen. Mainz war ein kollektiver Blackout. So etwas passiert. Sollte aber nicht allzu oft passieren.
Wie ärgerlich ist das?
Wir müssen dadurch jetzt leider noch immer in den Rückspiegel schauen. Deshalb ist es die erste Aufgabe, die nötigen Punkte einzufahren, um Sicherheit nach hinten zu haben.
Hertha wollte in der Rückrunde mal mehr Punkte holen ...
Richtig, aber in den nächsten Wochen geht es erst einmal darum, die nötigen Punkte zu sammeln. Wenn wir die Punkte zusammenhaben, die uns ein sicheres Gefühl vermitteln, dann können wir versuchen, noch so viel wie möglich zu erreichen.
Pal Dardai ist mit seinem Trainerteam über drei Jahre im Amt. Wie froh sind Sie?
Diese drei Jahre zeichnen vor allem aus, dass die Mannschaft sehr stabil gespielt hat. Sie hat sich in dieser Zeit stabilisiert, in der Liga etabliert und sie hat sich dabei stetig weiterentwickelt. Das kann man auch an den Platzierungen 7 und 6 der vergangenen beiden Jahre ablesen. Das ist eine große Leistung von Pal und seinem Trainerteam. Insbesondere wenn man sieht, wie schnell Erfolg und Misserfolg sich die Hand geben können, wenn man sich zum Beispiel den 1. FC Köln ansieht.
Hertha-Star Salomon Kalou kann sich mal wieder mit Franck Ribery messen.
© imago/Sven Simon
Wie gehen Sie mit der Unzufriedenheit einiger Fans um? Ist das nicht genug Wertschätzung?
Ich glaube schon, dass die Leute diese Entwicklung sehen und auch anerkennen, dass wir uns stabilisiert und in der Bundesliga etabliert haben. Auf der anderen Seite ist es so, dass die Leute sich natürlich wünschen, dass wir noch besser, noch erfolgreicher Fußball spielen. Das wünschen wir uns auch und daran arbeiten wir. Das ist ja gar keine Frage. Noch offensiver, attraktiver zu spielen, auf einem konstanten Niveau, das ist es, worum es auch uns geht. Aber das ist auch eine Herausforderung.
Ondrej Duda könnte dazu beitragen. Er hat das Potenzial. Aber er ist noch immer kein Stammspieler ...
Ondrej Duda hat leider bisher noch keinen Rhythmus. Und den braucht er. Verletzungen, Trainingszeiten, Spielzeiten, wieder Verletzungen. Das ist sein Problem in den vergangenen anderthalb Jahren. Es ist für ihn die große Herausforderung, körperlich in dieser Liga mitzuhalten. Er ist leider noch nicht da, wo wir ihn haben wollen. Er ist selbst darüber todunglücklich. Aber er arbeitet daran. Er ist ein herausragender Fußballspieler.
Der Zuschauerschnitt bei Hertha ist rückläufig. Wie gehen Sie damit um?
Damit kann keiner zufrieden sein. Das betrachten wir schon mit Sorge. Auch wenn es noch nicht dramatisch ist, so ist doch eine Entwicklung zu erkennen. Wir arbeiten alle gemeinsam daran, dass das Stadion wieder voller wird.
Apropos Stadion. Ende April soll es eine Entscheidung geben: neue, eigene Arena oder Umbau des Olympiastadions. Gibt es schon eine Tendenz?
Wir haben mit dem Senat Stillschweigen vereinbart, um ungestört die Gespräche weiter zu führen. Eines kann ich aber sagen: Ursprünglich wollten wir bis Ende diesen Jahres eine Entscheidung, in welche Richtung es geht. Die wird es jetzt schon Anfang Mai geben. Das ist schon mal ein positives Zeichen.
Das wird ein spannender Mai. Und wo steht Hertha da am Ende der Saison?
Ich muss mir hier und heute keine Gedanken um den 34. Spieltag machen. Wir stehen jetzt erst einmal vor den Aufgaben der nächsten Wochen.
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