Interview

Heiner Brand: „Ich bin doch nur noch Fan!“

Deutschlands Handball-Ikone mit Schnurrbart spricht über sein WM-Gefühl.

Carolin Paul
Lesezeit 3 Min
Bei der Heim-WM 2019 kann sich Brand  zurücklehnen und die Spiele des DHB genießen.

Bei der Heim-WM 2019 kann sich Brand  zurücklehnen und die Spiele des DHB genießen.

© imago/Sven Simon

KURIER: Wie schätzen Sie die Halbfinal-Teams ein?
Heiner Brand: Ich weiß natürlich, dass Dänemark spielerisch sehr stark ist und Norwegen auch. Die habe ich im Sommer in München gesehen, aber die sind sicherlich schlagbar. Man sollte genauso die Franzosen nicht außer Acht lassen. Auch wenn wir gegen die geführt und dann unentschieden gespielt haben, haben die hervorragende Individualisten. Für jede Mannschaft ist er allerdings unangenehm gegen unsere Abwehr zu spielen. Alles ist möglich.


Die Abwehr hat sich zum Prunkstück entwickelt ...
Sie ist in dieser Mannschaft klar dominierend. Vielleicht kann man im Angriff noch etwas zulegen und dann erhöhen sich die Chancen. Es müssen ein paar Überraschungseffekte mehr sein. Man sollte sich jetzt auf seine Stärken besinnen und so spielen wie bisher.


Der Ausfall von Martin Strobel hat die Mannschaft hart getroffen, oder?
Für Martin ist es sehr bitter und die Mannschaft war natürlich auch durch die Verletzung geschockt. Aber ich glaube im Angriff macht Fabi Wiede die Rolle sehr gut, Paul Drux kann es. Das wird sich schon kompensieren lassen.


Für Stefan Kretzschmar sind Sie ja noch immer der Bundestrainer. Mal darüber nachgedacht, wieder in das Geschehen einzugreifen?
Klar diskutieren wir schon mal unter Handballern nebenher gewisse Situationen. Aber da kribbelt nichts mehr. Das war aber von Anfang an so. In dem Augenblick, als ich zurückgetreten bin, war das Thema für mich erledigt. Ich habe auch nie wieder das Verlangen verspürt, auf der Bank zu sitzen.


Das heißt, Sie können die Spiele mit etwas Abstand verfolgen und mitfiebern?
Naja, ich betrachte das schon alles sehr fachlich. Ich habe zwar eine Distanz, bin aber durch meine Kommentatoren-Tätigkeit noch ganz nah am Spitzenhandball dran. Aber ansonsten bin ich eben einfacher Fan.


Genießen Sie die Atmosphäre bei dieser Heim-WM?
Das ist außergewöhnlich. 1978 gab es natürlich noch nicht diese Handball-Events. Da war auch Stimmung und die eigene Mannschaft wurde angefeuert. Doch das ist nicht vergleichbar mit 2007 oder mit jetzt. Das ist eben heutzutage alles auf Erlebnis und Begeisterung ausgelegt. Da sind die Einpeitscher am Mikrofon und dann geben die Spieler auch noch ihren Teil dazu.


Ihre „78er-Truppe ist noch immer eng verbunden. Jetzt war der Geburtstag von Jo Deckarm in der Kölner Arena ...
Ich denke, für ihn ist es sehr wichtig. Das weiß ich. Immer wenn er irgendwo gefeiert wird, wenn er in der Öffentlichkeit ganz oben steht, das tut ihm sehr gut von der Psyche her. Das merkt man immer wieder.

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