Mit einem Aufenthalt auf der ISS würde für Susanne Peters ein Traum wahr werden. „Einer, der mittlerweile zum Greifen nah ist“, wie sie sagt. Die 31-Jährige ist eine von sechs Finalistinnen der in Bremen ansässigen Privatinitiative „Die Astronautin“, die die erste deutsche Frau ins All schicken will. Beworben haben sich im vergangenen Jahr 408 Frauen.
Geprüft auf Herz und Hirn
„Als ich damals die Ausschreibung gelesen habe, dachte ich nur: Die beschreiben genau mich“, sagt Susanne Peters. Sie hat einen mathematisch-naturwissenschaftlichen Abschluss – genauer gesagt ein Diplom in Raumfahrttechnik, sie ist sportlich und kommunikativ. Das alles hat sie in einem kurzen Video über sich offenbar gut vermittelt – die Jury war überzeugt und hat sie zu Auswahltests an das Deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum geschickt.
In den vergangenen Monaten wurde die Potsdamerin auf Herz und Hirn geprüft. „Zum Beispiel Konzentrationsfähigkeit, dreidimensionales Vorstellungsvermögen und der Umgang mit Konflikten“, sagt Claudia Stern vom DLR-Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin.
Dazu kamen medizinische Untersuchungen wie Sehtests und Belastungs-EKG. Die Anforderungen an die Kandidatinnen seien aber nicht so hoch gewesen wie bei Astronauten, die mehrere Monate auf der ISS verbringen und auch Außeneinsätze absolvieren müssen. Doch es galten strenge internationale Maßstäbe.
Viel Sport, viel Wissen
„Als Astronautin ist eine Grundbegeisterung für Sport wichtig, auf der Raumstation muss man auch zwei Stunden täglich Übungen machen“, sagt Susanne Peters. Darauf ist sie bestens vorbereitet. Zweimal in der Woche geht sie zum Kampfsport Taekwondo. Sie versucht, pro Woche insgesamt 30 Kilometer zu laufen – und zusätzlich jeden Monat einen Halbmarathon, also etwa 21 Kilometer am Stück.
Die körperliche Fitness ist aber nur ein Teil der Vorbereitung für den Aufenthalt im All. „Astronauten müssen die ISS in- und auswendig kennen. Außerdem sind sie Arzt, Wissenschaftler und Techniker in einem“, erläutert Susanne Peters. Die Astronauten-Ausbildung der Europäischen Raumfahrtagentur (ESA) dauert zwei Jahre.
Astronautin als Forschungsgegenstand
Ob Susanne Peters diese Ausbildung machen darf und im Jahr 2020 zur ISS fliegt, entscheidet eine Jury am 19. April. Die Ausgewählte soll dann sogar selbst Gegenstand der Forschung werden. „Wir wollen drei Aspekte bei der Astronautin untersuchen“, sagt Claudia Stern vom DLR. „Änderungen im Hormonspiegel, in den Funktionen der Augen und der Persönlichkeit vor, während und nach der Mission.“ Es gebe bisher nur wenige Daten von Frauen im Weltall – ihr Anteil betrage in der Luftfahrt gerade einmal vier bis fünf Prozent.
Bislang waren elf deutsche Männer im All. Für Susanne Peters ist es nun die beste Chance, so schnell wie möglich die Schwerelosigkeit zu erleben. Denn der Weg ins All ging bislang klassischerweise über die ESA – und deren bislang letzte Ausschreibung für neue Astronauten erfolgte 2008. Wann die nächste kommt, ist offen.
Vorbild für andere
„Ich finde es erschreckend, dass wir im Jahr 2017 leben und bislang keine deutsche Frau im All war“, sagt Peters. Darum sei das aktuelle Projekt wichtig, um genau darauf aufmerksam zu machen. „Außerdem möchte ich ein Vorbild sein und zeigen, dass jeder erreichen kann, wofür ihr oder sein Herz schlägt“, erklärt die 31-Jährige. „Und ich fände es schön, andere Menschen für das Weltall zu begeistern.“
Für sie war der Sternhimmel schon als Kind faszinierend. „Meine Eltern haben mir sogar ein Teleskop geschenkt und sind mit mir einige Male ins Urania-Planetarium in Potsdam gegangen“, erzählt Peters. Den neuen Sternenpark im Westhavelland zu besuchen, habe sie leider bislang noch nicht geschafft. Denn derzeit lebt sie in München und forscht dort an der Universität der Bundeswehr an einer Methode, um Weltraumschrott, den die Menschen über die vergangenen Jahrzehnte dahinbefördert haben, wieder aus dem All zu entfernen. „Mir geht es vor allem um die großen Teile wie Raketenoberstufen“, sagt Peters. „Wenn die kollidieren, entstehen die schwer zu fassenden kleinen Teile.“ Ihre Doktorarbeit dazu soll in diesem Jahr fertig werden.
Fernweh im Studium
„Bereits in der 9. Klasse habe ich ein Praktikum am Geoforschungszentrum in Potsdam gemacht, in der 11. Klasse dann im Helmholtz-Zentrum in Wannsee“, sagt Peters. Für sie stand früh fest, dass sie Luft- und Raumfahrttechnik studieren will. Doch nach dem Abitur reiste und arbeitete sie zunächst ein Jahr in Australien.
2006 zog sie dann für ihr Studium nach Stuttgart. Aber auch während ihrer Studienzeit hat sie immer wieder in anderen Ländern gelebt und gearbeitet. Einen Monat lang war sie an der Lomonossow-Universität Moskau, ihre Diplomarbeit hat sie in Texas geschrieben, und nach ihrem Abschluss war sie neun Wochen im US-amerikanischen Ohio für ein Programm der International Space University.
Auch in ihrem jetzigen Job ist sie viel unterwegs. „Es ist wichtig, sich mit anderen Forschern auszutauschen“, sagt Peters. Deshalb fahre sie zu mindestens zwei Konferenzen pro Jahr – die sie schon nach China und Hawaii geführt haben. Natürlich fliegt sie gern. „Wenn ich im Flugzeug sitze, bin ich immer wieder fasziniert, dass das so funktioniert – obwohl ich ja die Technik dahinter kenne“, sagt Peters. „Menschen können mittlerweile so viel: tauchen, fliegen und ihren eigenen Planeten verlassen. Und im Weltall gibt es noch so viel zu erforschen.“
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