Kathi, Komet und Filinchen

Grüne Woche: KURIER geht den neuen Osten kosten

Viele Hersteller folgen dem Trend, setzen auf Bio-Produkte und Nachhaltigkeit

Mike Wilms
Lesezeit 4 Min
Neues aus Riesa: Beate Lehmann zeigt Fußball-Nudeln und Wok-Pasta für Asia-Gerichte.

Neues aus Riesa: Beate Lehmann zeigt Fußball-Nudeln und Wok-Pasta für Asia-Gerichte.

© camcop media / Andreas Klug

Der Trend geht im Jahr 2020 klar zu Bio-Lebensmitteln, gesunder Ernährung und Zutaten aus regionaler Herstellung. Einige Neuheiten erinnern deshalb nur vage an Vorgängerprodukte, die in der DDR in fast jedem Haushalt zu finden waren.

Der Trend auf der Grünen Woche geht zu „Regio“

Das Sortiment der altbewährten Kathi-Backmischungen etwa wurde zur Grünen Woche um die Produktreihe „Bewusst genießen“ erweitert. „Die neuen Sorten Dinkel-Schoko-Cookies, Dinkel-Streuselteig und Dinkel-Minikuchen sind zuckerreduziert“, sagt Bäckermeister Daniel Scheel (28). Er hat aus den neuen Kathi-Erzeugnissen zwei große Torten gezaubert – eine hat die Form der Zahl der 30.

Kai Lingstädt und Anita Kühn stellen neue Wurst-Sorten von Eberswalder vor.

Kai Lingstädt und Anita Kühn stellen neue Wurst-Sorten von Eberswalder vor.

© camcop media / Andreas Klug

„Der Grund dafür ist, dass wir in diesem Jahr zum 30. Mal auf der Grünen Woche ausstellen“, sagt Stand-Mitarbeiterin Johanna Breuer (30) . Sie betont, dass die Zutaten der Backmischungen – dem Trend zu „Regio“ entsprechend – auf Feldern in den neuen Bundesländern angebaut werden. Die KURIER-Reporter dürfen mal probieren. Und man muss sagen: Trotz des reduzierten Zuckeranteils schmeckt’s herrlich süß und voll nach Osten!

Ausschließlich aus Sachsen und Sachsen-Anhalt stammt der Hartweizen für die schon zu DDR-Zeiten beliebten Riesa-Nudeln. „Die Verbraucher achten immer mehr auf solche Besonderheiten“, sagt Gästebetreuerin Beate Lehmann (45) am Riesa-Stand in der Sachsenhalle. Das Unternehmen werde im Jahr 2020 noch stärker auf „die Bio-Schiene“ setzen und in naher Zukunft Dinkel-Nudeln auf den Markt bringen.

Am Kathi-Stand werden frische Waffeln für die Besucher der Grünen Woche gezaubert.

Am Kathi-Stand werden frische Waffeln für die Besucher der Grünen Woche gezaubert.

© camcop media / Andreas Klug

Auf der Grünen Woche greifen die Besucher bevorzugt zu den neuen Wok-Nudeln für asiatische Gerichte und zu Fußball-Nudeln in Form von Bällen, Pokalen und Turnschuhen. „Einkäufe verpacken wir natürlich umweltfreundlich in Mehrwegtaschen“, betont Beate Lehmann.

Leichte, gesunde Küche und regionale Produkte

Die neuen Wünsche der Verbraucher haben auch beim Unternehmen Wurzener, in der DDR bekannt für Erdnussflips, zu einem Umdenken geführt. Man setze jetzt verstärkt auf „Convenience-Produkte“, die gesund und trotzdem schnell in der Zubereitung seien, so Mitarbeiter Peter Irion (61). Neu im Angebot habe man etwa „Kuko“, einen Kurzkoch-Reismix in den Varianten Gerste, Dinkel und Weizen. Die Gerichte seien in zehn Minuten verzehrfertig und kämen zugleich dem Trend zu leichter, gesunder Küche entgegen.

KURIER-Reporter Mike Wilms probiert sich auf der Grünen Woche durch das Angebot.

KURIER-Reporter Mike Wilms probiert sich auf der Grünen Woche durch das Angebot.

© camcop media / Andreas Klug

Gewohnt deftig-würzig ist dagegen das Angebot am Stand mit der Eberswalder Wurst in der Brandenburghalle. In der Warenauslage gibt es Salami-Sorten aus der neuen Produktreihe „Schorfheider Unikate“ und luftgetrockneten Schinken mit Meersalz. „Auch wir setzen natürlich auf regionale, nachhaltige Herstellung“, sagt Marketing-Mitarbeiter Kai Lingstädt (44). Alle Neuheiten seien vom Prignitz-Schwein.

Stopp bei einem echten DDR-Klassiker

Früher zu DDR-Zeiten in Berlin nicht ganz so bekannt, aber einen Test-Schluck wert sind die Brausen von Menschel aus Sachsen. Geschäftsführer Stefan Kubitz (45) holt zuerst den Ost-Klassiker hervor: die Himbeer-Brause. Dann greift er zu Menschels neuester Kreation, dem Gurke-Zitrone-Mix.

Die KURIER-Reporter zischen sich testweise ein Fläschen – und es ist wirklich sehr erfrischend „gurkig“. Geschäftsführer Kubitz erklärt, dass die Limos ohne jegliche Süß- und Konservierungsstoffe auskommen. „Es bleibt deshalb der DDR-Geschmack erhalten“, sagt er. Die Brausen aus der kleinen Manufaktur gibt es in Berlin im „Loretta an der Spree“ neben der Mercedes-Benz-Arena und im Menschel-Internet-Shop.

Zu guter Letzt noch ein Stopp bei einem echten DDR-Klassiker – Filinchen! Das Ost-Knäckebrot präsentiert sich auf der Grünen Woche in vielen neuen Snack-Varianten. Die würzig-scharfen „Spicy Spikes“ gibt es jetzt in hippen Sorten wie Käse-Kurkuma, Pizza-Bärlauch und Röstzwiebel-Chili.

Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com