Ingeborg Syllm-Rapoport

Kinderärztin erhält nach 77 Jahren die Doktorwürde

Nazis hatten einst der Tochter einer Jüdin den Titel verwehrt

CORNELIA SCHMALENBACH
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Späte Wiedergutmachung: Ingeborg Rapoport erhielt am Dienstag (9. Juni) den Doktortitel.

Späte Wiedergutmachung: Ingeborg Rapoport erhielt am Dienstag (9. Juni) den Doktortitel.

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Nicht nur pro forma oder ehrenhalber. Nein, Ingeborg Rapoport hat hart dafür gearbeitet und sich in den letzten Monaten sehr gewissenhaft auf die mündliche Prüfung vorbereitet.

Der Dekan der Uniklinik Hamburg-Eppendorf reiste persönlich nach Pankow, wo die hochbetagte alte Dame heute lebt. Mit dabei zwei weitere Prüfer. Sie habe ordentlich feuchte Hände gehabt vor Aufregung, erzählte sie später. Dabei war sie zeitlebens selbst Wissenschaftlerin, lehrte und forschte an der Humboldt Uni zum Thema Neugeborenenheilkunde.

Ihr beruflicher Weg begann in Hamburg. Die Tochter eines Kaufmanns und einer Pianistin studierte von 1932 bis 1937 Medizin, schrieb eine Doktorarbeit zum Thema Diphtherie. Zugelassen zur mündlichen Prüfung wurde die junge Assistenzärztin aber nicht. Ihre Mutter war Jüdin und damit rückte der Titel Dr. med. in weite Ferne.

Die abgewiesene Frau ging in die USA, arbeitete dort weiter als Kinderärztin. Mit ihrem Mann, dem Arzt und Biochemiker Samuel Mitja Rapoport (erfand die Haltbarmachung von Blutkonserven) engagierte sie sich auch in der Kommunistischen Partei, was die Familie in Schwierigkeiten brachte. Anfang der 50er Jahren entschieden sie sich für einen Umzug nach Ostberlin.

77 Jahre nach der schriftlichen Doktorarbeit wollte Hamburg jetzt wieder gutmachen, was die Nazis verwehrten. Schwiegertochter und ein früherer Schüler halfen der fast blinden Frau, sich in ihrem Forschungsgebiet auf den neuesten Stand zu bringen. Ihr Wissen sei exzellent, urteilten die Prüfer. Die Note: Magna cum laude (mit großem Lob).

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