An der schwedischen Universität Linköping sorgt ein Pflichtkurs für Informatikstudenten für heftige Diskussionen. Auf dem Campus ist das Seminar nur unter einem Namen bekannt: „Duschkurs“.
Vorurteile werden zementiert
Tatsächlich heißt das Fach offiziell „Engineering Professionalism“ und soll angehenden Softwareentwicklern soziale Kompetenzen vermitteln. Doch viele Studierende finden den Kurs problematisch. Sie werfen der Universität vor, alte Vorurteile über Informatiker zu bedienen.
„Entlarvend und beleidigend“
Gegenüber dem schwedischen Sender TV4 Nyheterna kritisierte einer der Studenten mehrere Unterrichtsinhalte. Besonders aufgestoßen sei ihm ein Seminar, in dem besprochen wurde, wie man mit Kollegen umgehe, die unangenehm riechen oder Mundgeruch haben. Dabei sei unter anderem vorgeschlagen worden, der betroffenen Person ein Deodorant auf den Schreibtisch zu legen.
„Dann sollte man der Person ein Deo auf den Schreibtisch stellen. Ich denke, das wird eher zu weiteren Problemen für diejenigen führen, die nicht wissen, wie sie mit einer solchen Situation umgehen sollen“, sagte Albin gegenüber TV4 Nyheterna. Für den Studenten sind Teile des Kurses „unnötig“, „seltsam“ oder sogar beleidigend.
Studenten sehen Vorurteile bestätigt
Auch die Studentenvertreterin Hanna Rydberg sagt, der Kurs sei an der Hochschule berüchtigt. Kein Wunder, dass bei so einem verpflichtenden Kurs leicht der Eindruck entsteht, Informatikstudenten müssten erst soziale Umgangsformen lernen, während andere Studiengänge ohne ein solches Pflichtfach auskommen. Genau das stößt vielen sauer auf. Kritiker befürchten, dass damit das Klischee vom verschrobenen Nerd zementiert wird.
Das Bild vom verschrobenen Nerd trifft längst nicht auf alle Informatiker zu.
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Uni sieht Vorbereitung aufs Berufsleben
Die Universität Linköping hingegen verteidigt das Konzept, den Kurs gibt es bereits seit 2013. Laut Kursbeschreibung sollen Fähigkeiten vermittelt werden, die Arbeitgeber von Ingenieuren erwarten: Kommunikation, Zusammenarbeit und professionelles Auftreten. Der zuständige Prüfer weist zurück, dass es in dem Kurs nur um Themen wie Körpergeruch oder Mobbing gehe.
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