Radikal reduziert

Influencer verkaufte seine Wohnung und zog in einen Sechs-Meter-Camper – heute kommt er mit 300 Euro im Monat aus

Was kostet ein Leben auf vier Rädern wirklich? Ein Spanier hat nachgerechnet und spart heute an fast jeder Ecke.

Foto von Autor/Autorin: Sharone Treskow
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Jesus mit seinem Camper „India".

Jesus mit seinem Camper „India".

© Instagram/viaja.en.tribu

Jesus hat seine Eigentumswohnung verkauft und wohnt seither in einem sechs Meter langen Kastenwagen namens „India“, zusammen mit seinem Schäferhund Zeus. Zwischen 300 und 500 Euro im Monat kostet ihn das Leben inzwischen, alles zusammengerechnet. Der eigentliche Grund für den Auszug hat allerdings mit Geld überhaupt nichts zu tun.

Kein Hausgeld, keine Grundsteuer, kein Vorratsschrank

Einem spanischen Radiosender hat Jesus vorgerechnet, was von seinen früheren Fixkosten übrig geblieben ist, und die Antwort lautet: fast nichts. „Man gibt Geld für Lebensmittel und ein wenig Diesel aus, aber für sonst kaum etwas“, sagt er Cadena COPE.

In der Wohnung habe er „mindestens doppelt so hohe Ausgaben“ gehabt: Grundsteuer, Hausgeld für die Eigentümergemeinschaft, Strom und Wasser fallen im Camper schlicht weg. Selbst bei den Lebensmitteln spart er, ohne es geplant zu haben: Der Stauraum ist zu klein für Vorräte, also kauft er täglich frisch ein, und die Fertigprodukte fallen dabei ganz von allein aus dem Einkaufskorb.

Stauboxen für 100 Euro, Dachzelt für 1500

Den Innenausbau hat er in anderthalb Jahren komplett selbst gemacht. Man merkt der Einrichtungsliste an, wie konsequent er dabei gerechnet hat: Als Schränke dienen umgebaute Lkw-Transportboxen für rund 100 Euro, teuerster Einzelposten war ein gedämmtes Dachzelt für 1500 Euro. Den Strom liefern Solarpaneele, das Internet kommt über einen Starlink-Anschluss, die Toilette funktioniert ohne Wasser. Gegen die spanische Mittagssonne hängt ein Fächerrollo, angeschafft vor allem für Hund Zeus.

Billig wohnt nur, wer den Camper schon hat

Können wir Jesus nicht alle nachmachen? Dagegen sprechen die Anschaffungspreise. Ein Fahrzeug wie sein Fiat Ducato kostet heute an die 80.000 Euro und damit rund 30.000 mehr, als er selbst bezahlt hat.

Jesus lebt in einem Camper. Für uns Berliner wäre das nicht ganz so leicht.

Jesus lebt in einem Camper. Für uns Berliner wäre das nicht ganz so leicht.

© Instagram/viaja.en.tribu

Gebrauchte Camper liegen im fünfstelligen Bereich, neue meist zwischen 60.000 und 80.000 Euro, dazu jährlich 1500 bis 3500 Euro für Versicherung, Steuer, Wartung und Stellplatz.

In Berlin käme ein drittes Problem hinzu, denn dauerhaftes Wohnen im Wohnmobil auf öffentlicher Straße ist hier nicht vorgesehen – und was in Andalusien mit Solarstrom auskommt, braucht in Brandenburg ab November eine Heizung.

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