Anita und Horst Leben (beide 78 Jahre) wohnen seit 1962 in Frohnsdorf. Die Nacht verbrachten sie beim Schwager in Treuenbrietzen. „Wir haben Papiere, Medikamente und einige Fotos mitgenommen“, sagen sie. „Es war für uns eine sehr unruhige Nacht.“ Das Ehepaar macht sich große Sorgen um sein Haus. „Es kann doch so viel passieren, der Wind drehen. Alles ist so trocken!“
Emely (20) und Robert Kranz (19). „Wir hatten 30 Minuten Zeit, um unsere Sachen zu packen und das Haus zu verlassen.“
© Eric Richard
Die Evakuierten warten am Mittag vor der Stadthalle in Treuenbrietzen. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) überbringt ihnen die Nachricht, dass es den Feuerwehrleuten gelungen ist, die Flammen von den Orten fernzuhalten. Kein Haus wurde beschädigt. „Die Lage ist aber auch einen Tag nachdem das Feuer ausgebrochen ist, noch äußerst angespannt“, sagt er. „Noch immer ist auf 350 Hektar Feuer.“ Zwischendurch waren es mehr als 400 Hektar, das ist etwa die Fläche von 500 Fußballfeldern.
Woidke sagt: „Das Feuer wird uns wahrscheinlich noch einige Tage beschäftigen. Der Wind ist auch noch wechselhaft und böig, sodass immer wieder Glutnester auf Flächen entfacht werden, die bereits gelöscht waren.“
„Wir hatten 30 Minuten Zeit, unsere Sachen zu packen"
Die Geschwister Emely (20) und Robert Kranz (19) erinnern sich an den Moment, als die Nachricht kam: „Gegen 20.30 kam ein Lautsprecherwagen. Wir hatten 30 Minuten Zeit, um unsere Sachen zu packen und das Haus zu verlassen.“ Sie schliefen beim Onkel in Treuenbrietzen. Ihre ganze Familie wohnt in der Gegend. „Wir haben unsere Ausweise und einige Erinnerungsstücke mitgenommen. Wir wussten ja nicht, ob wir das Haus, in dem wir aufgewachsen sind, wieder vorfinden werden.“
Anwohnerin Angelika Bobermin (62): „ Ich hätte vor der Evakuierung am liebsten alles aus meinem Haus mitgenommen.“
© Bernd Friedel
Die Brandursache ist derzeit noch unklar, die Kripo ermittelt bereits. Endgültige Klarheit wird es erst geben, wenn alles gelöscht ist. Am Freitag wurden auch noch Feuer aus dem nicht weit entfernten Jüterbog gemeldet. Dort fahndet die Polizei seit Tagen nach einem möglichen Brandstifter, denn dort mussten gleich mehrere schwer erklärliche Feuer gelöscht werden, auch auf einem ehemaligen Kasernengelände.
Brandstiftung nicht ausgeschlossen
Ingo Decker, der Sprecher des Potsdamer Innenministeriums, sagt zum KURIER, dass die Fachleute den riesigen Waldbrand sehr ungewöhnlich finden. Das Feuer sei offenbar nicht klassisch an nur einem Punkt ausgebrochen und habe sich von dort aus weiterverbreitet. „Es gibt mehrere große Brandgebiete mit mehreren Brandherden“, sagt er.
Anita und Horst Leben (beide 78 Jahre) wohnen seit 1962 in Frohnsdorf. Sie nahmen Papiere, Medikamente und einige Fotos mit.
© Eric Richard
Zu den Spekulationen, dass das Feuer gelegt worden sein könnte und dass der Täter später noch einmal an anderer Stelle gezündelt haben könnte, sagt Ingo Decker: „Die Ermittlungen laufen noch. Nur so viel: Brandstiftung kann derzeit nicht ausgeschlossen werden.“
Der Gestank des Feuers war in der Nacht zu Freitag bis weit nach Berlin hinein zu riechen. In der Leitstelle der Feuerwehr in Charlottenburg gingen mehr als 1000 Notrufe verängstigter Bürger ein. „Wir hatten silvesterähnliche Verhältnisse“, sagt ein Sprecher. Die Anrufe kamen aus allen Stadtgebieten.
Uwe Näthe schüttelt noch immer ungläubig den Kopf, wenn er dran denkt, wie er das Feuer zum ersten Mal sah. Näthe steht vor der Stadthalle in Treuenbrietzen und erzählt, dass der Brand ausgerechnet an seinem 38. Hochzeitstag ausbrach. „Ich bin Busfahrer, war unterwegs, zwanzig Kilometer entfernt sah ich dann diese gigantische Rauchwolke, die bis den Himmel reichte.“
„So ein großes Feuer habe ich noch nie gesehen"
Der 63-Jährige erzählt, dass er früher selbst bei der Freiwilligen Feuerwehr war, dass er viele Waldbrände gelöscht hat. „Aber so ein großes Feuer habe ich noch nie gesehen. Der Rauch war schwarz und die roten Flammen reichten bis hinauf in die Baumkronen. Unglaublich. Dramatischer als im Katastrophenfilm.“
Seine Frau schickte ihm dann immer wieder eine SMS. „Ich stand dann an der roten Ampel und habe sie gelesen. Wir hatten richtig Angst, denn der Wald endet vier Meter hinter unserem Grundstück.“
Die Frohnsdorfer aber durften bereits am Mittag wieder nach Hause zurück. Die 200 Leute aus Tiefenbrunn und Klausdorf mussten noch warten, bis der Krisenstab für ihre Dörfer Entwarnung gibt. Derweil sind weiterhin 650 Feuerwehrleute aus Brandenburg, Berlin und Sachsen-Anhalt sowie zwei Löschhubschrauber im Dauereinsatz.
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