Forst - Unglaublich, aber wahr: Der Platzmangel im Museum rettete ein altes Handwerk. Es geht um Posamenten von Preußens einstigem Königlichen Hoflieferanten. Die werden nun nach seinem Muster in Forst (Spree-Neiße) hergestellt und geben nicht nur Schlösser neuen Glanz.Posamenten sind Quasten, Kordeln, Fransen, Borten aus feinem Garn. Luxuriöse Textilien also, mit denen Wohlhabende einst ihre Möbel verzierten und Gemächer schmückten.Um 1900 gab es noch 44 Posamenten-Hersteller in Berlin. Der letzte, Günter Wagler, Enkel des Königlichen Hoflieferanten, ging 2006 in Rente. Weil er keinen Erben für die einzige Posamenten-Firma in ganz Norddeutschland fand, wollte er die historische Gerätschaft dem Museum der einstigen Textil-Stadt Forst vermachen. Doch da war kein Platz, wohl aber in einer leeren Fabrikhalle. "Warum also nicht weiter produzieren?", fragten sich die Stadtoberen.Mit dem wertvollen Nachlass zog auch Karola Isensee (52) von Berlin nach Forst. Die Textilfacharbeiterin hatte bei Wagler gearbeitet, konnte ihre beiden neuen Kolleginnen in die Geheimnisse der alten Technik einweihen. Geschäftsführer Jens Lipsdorf (42) bringt als Historiker das Wissen mit, um weltweit um Aufträge zu verhandeln."250 Meter Borte und 40 Meter Raffhalter lieferten wir nach Österreich an die Hofburg Innsbruck", sagt er. "Als Muster bekamen wir ein Höckerchen von Kaiserin Maria-Theresia." Kordeln aus der Forster Posamenten Manufaktur schmücken auch im Schloss Branitz die "Saalstube" von Fürstin Pückler-Muskau, die kürzlich wieder eingerichtet wurde.Neben großen Arbeiten werden auch kleine erledigt. Beispielsweise ein Seil für die Jacht eines arabischen Kunden oder ein textilummanteltes Kabel für Uromas Tischlampe. Lipsdorf: "Die Auftragslage ist so gut, dass wir den alten Webstuhl nachbauen lassen wollen."------------------------------BU: Quasten werden in Handarbeit hergestellt und sind auf der ganzen Welt gesuchte Kunsthandwerksstücke.BU: Sieht aus wie vor 150 Jahren: Die Saalstube von Fürstin Pückler-Muskau im Schloss Branitz.
Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com