Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: S-Bahnhof Westfalen! Warum nicht gleich S-Bahnhof Wuppertal, Witten oder Wermelskirchen? Ein Leser entdeckte und fotografierte das – definitiv echte – Schild am Nordufer 20 vor dem Robert-Koch-Institut. Dazu schreibt er: „Die witzige Welt der Autokorrektur: S-Bahn-Ringbahnhof Westfalen im Wedding.“
Was verursacht die Fehler?
Aber hat er recht damit, dass die automatische Rechtschreibprüfung von Textprogrammen die ganzen Pannen verursacht? Das wollte der KURIER von Schilder-Profis wissen, die sich auskennen – und solche Fehler nie machen würden. Beim in Berlin und Hamburg ansässigen Unternehmen P.O.S. Werbeproduktion heißt es auf Anfrage: „Das Problem dürfte eher sein, dass Firmen ohne Berliner Ortskenntnisse beauftragt wurden. Für die Mitarbeiter sieht eine versehentliche Verwechslung wie beim S-Bahnhof Westfalen nicht nach Fehler aus.“
Ist das Missgeschick dann einmal passiert, kann es sinnvoll sein, lieber provisorisch ein fehlerhaftes Schild aufzustellen als gar kein Schild. Korrekturbedürftige Stellen werden dann, wie der KURIER aus dem Brandenburger Verkehrsministerium erfuhr, oft preisgünstig überklebt. Man müsse nicht immer ein neues Schild herstellen. So wurde auch die „Westfalen“-Hinweistafel inzwischen überarbeitet (oder ausgetauscht).
Nicht nur Berlin hat ein Schreibfehlerproblem
Bei der Berliner Verkehrsverwaltung heißt es, dass ohnehin nur selten Fehler bei der Beschriftung passieren. Das aber ist kaum zu glauben angesichts all der Beispiele von „Mahrzahn“ bis „Eberlingstraße“. Die heißt selbstverständlich Ebelingstraße und ist natürlich nicht nach einem Eber benannt.
Zur Ehrenrettung der Berliner Behörden muss man sagen, dass „Schildastreiche“ auch anderswo vorkommen. In Essen stand jahrelang ein Schild mit gleich zwei Fehlern: „Alle-Center“ statt „Allee-Center“ und „Busines-Parc“ statt der Eigenschreibweise „Business-Parc“. Es wäre wohl unkomplizierter, einfach deutsche Begriffe zu verwenden. In Bielefeld führte ein Verkehrsschild nicht etwa zum Hafthaus Ummeln des lokalen Knasts – sondern zum „Hafthaus Hummeln“. Und in Hessen hieß Huhnfeld zeitweise Hunfeld ohne „h“. Vielleicht fehlte ja genau das „h“, das wir in „Mahrzahn“ zu viel haben.
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