... in Bad Doberan. Seit 20 Jahren huldigen in dem Ostsee-Städtchen Fans aus aller Welt der Rocklegende Frank Zappa

Alles Zappa!

Norbert Koch-Klaucke
Lesezeit 5 Min

Das verträumte Bad Doberan: Seit zwanzig Jahren wird das Ostsee-Städtchen immer im August so richtig aus dem Schlaf gerissen. Da strömen Tausende von Menschen aus allen Erdteilen in den 11000-Einwohner-Ort. Nicht etwa, weil sie das Meer sehen wollen. Es sind Fans der amerikanischen Rocklegende Frank Zappa (1940-1993), die in Bad Doberan ihr Idol mit einem weltweit einzigartigen Festival feiern und ehren - der "Zappanale". In diesen Tagen ist es wieder soweit.Dass vom 13. bis 15. August jeanstragende Rockfans statt gut betuchter Touristen in Bad Doberan einfallen werden, stört Bürgermeister Hartmut Polzin (SPD) gar nicht. "Alles Zappa", so sieht es das Stadtoberhaupt, das überhaupt kein Zappa-Fan ist, dennoch Bad Doberan liebevoll "Zappatown" nennt. Sogar füreine Zappa-Büste, die im Ort seit 2002 als Denkmal für den Musiker steht, gab er seinen Zuspruch. Denn Polzin ist mächtig stolz auf die "Zappanale", die sein Städtchen weltweit bekannt gemacht hat. Noch stolzer ist er aber auf Wolfhard Kutz (55), dem Bad Doberaner, der das Festival vor zwanzig Jahren aus der Taufe hob.Kutz trägt Schnauzer wie sein Idol. Einst trug er auch lange Haare wie Frank Zappa. Das war 1990, als Kutz in den letzten Wochen der Existenz der DDR in einer Bad Doberaner Kloster-Ruine eine Zappa-Party unter freiem Himmel organisierte, die die Behörden erstaunlicherweise ohne zu zögern genehmigten. Im Kloster-Innenhof spielte die Band "Ace 9" bis in die Nacht Zappa-Songs auf einem Trecker-Anhänger, der als Bühne diente. Davor feierten fünfzig Fans, erfreuten sich an der Musik des Meisters und an dem frisch gezapften Bier. Dass daraus mal ein Riesen-Festival werden würde, daran dachte Kutz an diesem Abend nicht. Nur daran, dass die Party im Folgejahr unbedingt wiederholt werden muss.Mit 17 hatte Kutz der Zappa-Virus erwischt. Bei einem Freund hörte er die Musik des Meisters. Und weil es diese offiziell in der DDR nicht gab, besorgte sich Kutz die Platten über abenteuerliche Wege aus dem Westen."Zappa war ein Rock-Rebell, der sich selbst und mit seinem Werk nicht irgendwo unterordnen wollte. Das passte in unsere DDR-Welt. Zappa zu hören war damit auch eine Art Protest gegen den Staat", sagt Kutz, auf dessen heimlichen Zappa-Musik-Abenden mit Freunden sogar die Stasi aufmerksam wurde. Und das nicht nur, weil seine Eltern für die "Firma" arbeiteten.Die DDR ging unter, aber die ostdeutsche Zappa-Gemeinde blieb. Und sie wuchs bei Kutz' jährlichen August-Partys für Zappa immer mehr an. Erst 100, dann 400, plötzlich kamen über 1000 Fans - nicht mehr zur Kloster-Ruine, sondern auf die Galopprennbahn in Bad Doberan.Für Kutz ist das alles allein nicht mehr zu schaffen. Ein Verein veranstaltet nun das Festival und im vergangenem Jahr zählte die "Zappanale" schon 8000 Fans. Und es ist seit Jahren nicht nur die Zappa-Gemeinde aus dem Osten und Westen Deutschlands, die den Auftritten von einstigen Zappa-Musikern und Cover-Bands vor der Bühne lauscht. Als die "New York Times" und andere Zeitungen weltweit über das Festival an der Ostsee berichteten, kamen Zappa-Verrückte aus den USA, ganz Europa, Asien und sogar aus dem fernen Australien.Einer dieser Verrückten, die Jahr für Jahr nach Bad Doberan pilgern, ist der Neuköllner Gerd Nöth (53). Sein Plattenladen "Comeback-Records" ist eine wahre Fundgrube für Zappa-Fans. "Auch wenn der Meister schon seit 17 Jahren tot ist, zieht sein Werk noch immer die Menschen in seinen Bann. Er war ein großartiger Komponist", sagt Nöth. "Dieses Festival ist der Ort, wo Menschen aus aller Welt gemeinsam noch einmal Zappas unvergleichliche Songs hören können. Das ist wie bei einem Klassentreffen. Musik hören, darüber fachsimpeln, Party feiern - diese einmalige Atmosphäre findest du nur auf der ,Zappanale'."Dieses Jahr gibt es mehrere Gründe, die "Zappanale" zu feiern: Der 70. Geburtstag des Meisters und den endgültigen Sieg über die Zappa-Witwe Gail, die per Gericht die "Zappanale" verbieten wollte, weil ihr das Festival nicht gefiel. Die Richter sahen das zum Glück anders, wiesen Gails Klage ab.Mit diesem Urteil und im Zeichen von Zappas Bart, dem "Zappanale"-Logo, kann am 13. August in Bad Doberan wieder losgerockt werden. Stars wie Napoleon Murphy Brock, Denny Walley, Ike Willis, Robert "Bobby" Martin, Ray White und Jean-Luc Ponty, die als Musiker jahrelang in den verschiedensten Zappa-Bands waren, werden dieses Mal für glanzvolle Auftritte auf dem Festival sorgen. Was sie spielen werden? Na klar - alles Zappa!------------------------------INFODie "Zappanale": So kommen Sie zum FestivalDas "Zappanale"-Gelände in Bad Doberan befindet sich auf der Galopprennbahn (Am Bahnhof). Anfahrt mit dem Auto aus Richtung Berlin: A 19 Richtung Rostock, vom Rostocker Kreuz (Ausfahrt 9) auf die A 20 in Richtung Lübeck/Wismar bis Ausfahrt Bad Doberan/Schwaan, dann in Richtung Kühlungsborn/Heiligendamm bis Bad Doberan.Der Eintritt ist gestaffelt: Wer jünger als 22 Jahre ist, zahlt für einen Tag 27 Euro, für drei Tage 70 Euro. Unter 27 Jahre: 40 Euro (ein Tag), 89 Euro (drei Tage). Wer älter ist, zahlt 55 Euro (ein Tag), 140 Euro (drei Tage). Camping und Parken sind im Preis inbegriffen. Mehr Infos unter: www.zappanale.de------------------------------BU: Wolfhard Kutz mit langen Haaren, als er die "Zappanale" gründete. 2002 enthüllte er mit Zappa-Bruder Bob (re.) die Büste für sein Idol.BU: So ging es 1990 los: In einer Kloster-Ruine spielte auf einem Trecker-Anhänger die Band "Ace 9" vor 50 Fans den ganzen Abend Songs ihres Idols Frank Zappa. Aus dieser Party entstand dann das Festival.BU: "Zappatown": So werden die Zappa-Fans in Bad Doberan begrüßt.

Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com

Lesen Sie mehr zum Thema