In allen Notlagen

Polizei-Wache soll Alex-Star werden

Die Polizei-Wache soll wie die Davidwache auf St. Pauli werden.

Mike Wilms
Lesezeit 3 Min
Von der sündigen Reeperbahn an den Alex: Die Hamburger Davidwache soll eine Berliner „Schwester“ bekommen. Wir zeigen das mal als Fotomontage.

Von der sündigen Reeperbahn an den Alex: Die Hamburger Davidwache soll eine Berliner „Schwester“ bekommen. Wir zeigen das mal als Fotomontage.

© dpa, Montage KURIER

Sie ist gut sichtbar, rund um die Uhr geöffnet – und seit 1840  ein fester Anlaufpunkt in allen Notlagen. Die Davidwache, seit 1914 in ihrem heutigen Gebäude, gibt den  Menschen im Rotlicht-Kiez  ein besseres Sicherheitsgefühl.  Und im Ernstfall, den das sündige  St. Pauli  natürlich öfter mal erlebt, stehen sofort Polizisten parat. Für die „Alexwache“ denkt Jan Stöß sogar noch weiter: „Hier sollten Landespolizei, Bundespolizei und Ordnungsamt eine gemeinsame Anlaufstelle bieten.“ 

Jan Stöß (r.) führt seine Gäste, die Bundespolitiker  Thomas Oppermann (l.) und Eva Högl, durch den Kiez rund um  Neptunbrunnen, Rathaus und Alex.

Jan Stöß (r.) führt seine Gäste, die Bundespolitiker  Thomas Oppermann (l.) und Eva Högl, durch den Kiez rund um  Neptunbrunnen, Rathaus und Alex.

© Volkmar Otto

Hintergrund: Längst meiden viele  Berliner den Alex in der Dunkelheit. Voriges Jahr gab es dort 44.779 Straftaten – ein Anstieg um 2,4 Prozent. Auf dem Bahnhof registrierte die Polizei im ersten Halbjahr  über 720 Straftaten, darunter 84 gewalttätige Übergriffe. Erst vor wenigen Tagen prügelten sich zwei Jugend-Gangs am Bahnsteig der U8. Der Alex ist Berlins gefährlichster Bahnhof.

Aber weil für Bahnhöfe eigentlich die Bundespolizei zuständig ist, wollte Jan Stöß das Alex-Problem zwei Kollegen aus der Bundespolitik  persönlich zeigen. Thomas Oppermann, SPD-Fraktionschef im Bundestag, und Vize Eva Högl  kamen gestern zur Kiez-Tour. Dabei lernten sie auch einen Wirt kennen, der schon mehrfach  Verbrechensopfer wurde.

Stöß: „Als Ort für die Alexwache stelle ich  mir die Rathauspassagen vor. Sie könnte auch Startpunkt für Doppelstreifen von Polizei und Ordnungsamt sein.“ Denn  Letzteres  ist in der Verantwortung  für Ordnungsprobleme  – etwa  Müll, Lärm und Kneipenwirte, die ihre Tische  einfach überall hinstellen.

Stöß glaubt nicht, dass Innensenator  Frank Henkel (CDU) in seinen fünf Amtsjahren gute Lösungsideen für den Alex gefunden hat.   Mehr Videokameras könnten bestenfalls der Aufklärung dienen, aber für die Abschreckung sei Polizei-Präsenz nötig. Dass es davon zu wenig gibt, hat mehrere Gründe: Der Polizeiabschnitt in der Keibelstraße liegt versteckt, die Idee einer Wache am Alex habe Henkel „blockiert oder verschlafen“. Hinzu kommt, dass es im wachsenden Berlin mit 40 000 Neu-Bürgern  pro Jahr ohnehin zu wenig Polizei gibt.

Für Stöß steht fest: Eine Lösung sollte nicht nur im Stadtbild klar sichtbar, sondern   auch wegen eines prägnanten Namens   leicht bekanntzumachen sein – die „Alexwache“.  Bundespolitiker Oppermann  signalisierte Unterstützung dafür.

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