Sie ist gut sichtbar, rund um die Uhr geöffnet – und seit 1840 ein fester Anlaufpunkt in allen Notlagen. Die Davidwache, seit 1914 in ihrem heutigen Gebäude, gibt den Menschen im Rotlicht-Kiez ein besseres Sicherheitsgefühl. Und im Ernstfall, den das sündige St. Pauli natürlich öfter mal erlebt, stehen sofort Polizisten parat. Für die „Alexwache“ denkt Jan Stöß sogar noch weiter: „Hier sollten Landespolizei, Bundespolizei und Ordnungsamt eine gemeinsame Anlaufstelle bieten.“
Jan Stöß (r.) führt seine Gäste, die Bundespolitiker Thomas Oppermann (l.) und Eva Högl, durch den Kiez rund um Neptunbrunnen, Rathaus und Alex.
© Volkmar Otto
Hintergrund: Längst meiden viele Berliner den Alex in der Dunkelheit. Voriges Jahr gab es dort 44.779 Straftaten – ein Anstieg um 2,4 Prozent. Auf dem Bahnhof registrierte die Polizei im ersten Halbjahr über 720 Straftaten, darunter 84 gewalttätige Übergriffe. Erst vor wenigen Tagen prügelten sich zwei Jugend-Gangs am Bahnsteig der U8. Der Alex ist Berlins gefährlichster Bahnhof.
Aber weil für Bahnhöfe eigentlich die Bundespolizei zuständig ist, wollte Jan Stöß das Alex-Problem zwei Kollegen aus der Bundespolitik persönlich zeigen. Thomas Oppermann, SPD-Fraktionschef im Bundestag, und Vize Eva Högl kamen gestern zur Kiez-Tour. Dabei lernten sie auch einen Wirt kennen, der schon mehrfach Verbrechensopfer wurde.
Stöß: „Als Ort für die Alexwache stelle ich mir die Rathauspassagen vor. Sie könnte auch Startpunkt für Doppelstreifen von Polizei und Ordnungsamt sein.“ Denn Letzteres ist in der Verantwortung für Ordnungsprobleme – etwa Müll, Lärm und Kneipenwirte, die ihre Tische einfach überall hinstellen.
Stöß glaubt nicht, dass Innensenator Frank Henkel (CDU) in seinen fünf Amtsjahren gute Lösungsideen für den Alex gefunden hat. Mehr Videokameras könnten bestenfalls der Aufklärung dienen, aber für die Abschreckung sei Polizei-Präsenz nötig. Dass es davon zu wenig gibt, hat mehrere Gründe: Der Polizeiabschnitt in der Keibelstraße liegt versteckt, die Idee einer Wache am Alex habe Henkel „blockiert oder verschlafen“. Hinzu kommt, dass es im wachsenden Berlin mit 40 000 Neu-Bürgern pro Jahr ohnehin zu wenig Polizei gibt.
Für Stöß steht fest: Eine Lösung sollte nicht nur im Stadtbild klar sichtbar, sondern auch wegen eines prägnanten Namens leicht bekanntzumachen sein – die „Alexwache“. Bundespolitiker Oppermann signalisierte Unterstützung dafür.
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