Theda Borde, Gesundheitswissenschaftlerin von der Alice Salomon Hochschule Berlin, wertete Studien zur Gesundheit von Menschen mit ausländischen Wurzeln aus. Zudem befragten sie und ihre Kollegen 7100 Frauen von 17 bis 45 Jahren, die zur Entbindung in drei große Berliner Krankenhäuser kamen. Etwas mehr als die Hälfte dieser Frauen zählte demnach zu den sogenannten Menschen mit Migrationshintergrund. Das Ergebnis: „Jede dritte dieser Frauen hatte nur geringe Deutschkenntnisse“, sagte Borde.
Sprachliche Probleme bei Arztterminen seien damit ein großes Hindernis. Oft sei die Unsicherheit nach einem Gespräch ohne Dolmetscher noch größer als vorher. Durch diese sprachlichen Probleme könne es zudem zu einer teuren Fehl-, Unter- oder Überversorgung kommen.
Laut Borde müsse es mehr qualifizierte Dolmetscher im Gesundheitswesen geben. In Krankenhäusern funktioniere die Kommunikation oft nur mit Händen und Füßen. „Das darf es nicht mehr geben“, sagte sie, sprach sich für eine „Politik der Mehrsprachigkeit aus“.
Borde plädierte außerdem dafür, sich die Herkunft der Patienten genauer anzuschauen. „Wir haben eine sehr unterschiedliche Verteilung der Krankheiten in verschiedenen Immigrantengruppen“, betonte sie. So neigten türkischstämmige Einwanderer deutlich häufiger zu Diabetes als die deutsche Bevölkerung. Auch Schwangerschaftsdiabetes sei bei türkischen Frauen häufiger. Das Risiko, an Magen- oder Lungenkrebs zu erkranken, sei wiederum unter Spätaussiedlern aus der ehemaligen Sowjetunion besonders hoch.
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