In diesem Jahr wählte der künstlerische Leiter Heribert Breuer die Teile IV bis VI aus. Zudem tritt er im Kammermusiksaal der Philharmonie als Dirigent und Organist auf. „Nach dem Oratorium gibt es die Uraufführungen der Orchesterversionen der Bachchor-Orgelwerke“, sagt der 74-Jährige. Die Orgel ist schließlich das Hauptinstrument des Kirchenmusikers und emerierten Professors für Chorleitung der Universität der Künste.
Dreimanualige Orgel für die eigenen vier Wände
So hat sich Breuer zu Übungszwecken eigens eine dreimanualige Orgel für sein Haus in Wannsee anfertigen lassen. Dergestalt sei er von Kirchen unabhängig, und er habe die Orgel so konzipiert, „dass die Nachbarn und ich keinen Gehörschaden davontragen wie so viele andere Kirchenorganisten“.
Die Berliner Bach-Akademie selbst wurde 1990 von Breuer für das Bach-Festival in der St. Matthäuskirche gegründet. „Dafür brauchte ich ein Ensemble“, sagt er, „und es lag nahe, dabei auch eine Verbindung zwischen Musikern aus Ost- und Westdeutschland herzustellen“.
Der quasi west-östliche Bach-Divan war ein Experimentierfeld in vielerlei Hinsicht. „Das war sehr spannend, vor allem die ostdeutschen Musiker waren wunderbar, sie erfüllten den West-Berliner Sumpf mit neuem Leben.
Laienchor auf hohem Niveau
Die Berliner Bach-Akademie ist dabei ein besonderes Konstrukt. Im Grunde ist es ein Laienchor auf hohem Niveau. Zugleich besteht das Orchester aus hochkarätigen Profis der Stadt, es sei ein „Orchester der Superlative“, sagt Breuer. Gabor Tarkövi, Solo-Trompeter der Philharmoniker, Gabriel Adorian, Konzertmeister der Komischen Oper, Hans-Jakob Eschenberg, Solo-Cellist des des Radio-Symphonie-Orchesters und die Bläser-Solisten Cornelia Brandkamp und Thomas Hecker vom Deutschen Symphonie-Orchesters treten hier gemeinsam auf.
„Das haben andere Orchester nicht zu bieten“, freut er sich. „Sie kommen zu uns, weil ihre heimischen Orchester kaum Bach spielen und sie hier ihre Liebe zu Bach ausleben können“. So spielen Chor und Orchester über die Landesgrenzen hinaus, traten in Spanien in Gegenwart der Königin Sofia auf. Breuer, der Kirchenmusik in Berlin studierte und Bachchöre in Lübeck, Würzburg und Aachen leitete, tritt selbst des Öfteren als Organist in der Kathedrale von Sevilla auf.
Bachs neutestamentarische Weihnachtsgeschichte
In der Aufführung am Sonnabend wird Weihnachtstimmung aufkommen. Das Werk stellt Bachs Vertonung der neutestamentarischen Weihnachtsgeschichte dar und ist zugleich das populärste seiner geistlichen Stücke. Eingestreute Weihnachtschoräle und Arien prägen das Oratorium und werden durch die Freude über die Geburt Christi verbunden.
Das Oratorium sowie die Orgelwerke werden von den Solisten Catalina Bertucci aus Chile, Britta Schwarz von der Hochschule für Musik Hanns Eisler, dem Tenor André Khamasmie aus Leipzig und Philipp Jekal von der Deutschen Oper interpretiert. Aber bis dahin läuft die Orgel des Meisters in Wannsee heiß. Die Nachbarn mögen verzeihen – oder einfach Johann Sebastian Bach genießen.
Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium, Teile IV-VI, Berliner Bach-Akademie, 21. Dezember im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie, 19 bis 35 Euro.
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