Im Knast schrieb Armin Meiwes seine Menschenfresser-Fantasien auf

Das Gruselbuch des Kannibalen

Mit Kochbücher und Jagdlektüre wirbt der österreichische Leopold Stocker Verlag. Doch neben harmlosen Kulinarik-Neuerscheinungen findet sich weitaus deftigere Lektüre ...

BK
Lesezeit 3 Min
Armin Meiwes suchte in Internetforen nach einem Opfer.

Armin Meiwes suchte in Internetforen nach einem Opfer.

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Armin Meiwes, der „Kannibale von Rotenburg“, 2006 zu lebenslanger Haft verurteilt, hat im Gefängnis nicht nur an der Essensausgabe, sondern auch an seiner literarischen Karriere gearbeitet.

Im Band „Serienmord und Kannibalismus in Deutschland“ (19,90 Euro), herausgegeben von der Kriminologin Petra Klages, sind jetzt Geschichten und Gedanken des Menschenfressers erschienen. Meiwes’ Erzählung „Die Erfindung“ etwa, ist eine Zukunftsvision. Die Menschheit lebt darin im Untergrund. Die Erde ist verwüstet, Tiere gibt es schon lange nicht mehr. Weil sie sich nach Fleisch sehnen, beginnen die Menschen, junge Männer zum Verzehr zu klonen.

„Aus der Landesbibliothek ließen sie sich Fachliteratur zum Metzgerhandwerk kommen, und auch in den Globalen Computernetz schauten sie in alten Archiven nach, um etwas über Schlachtungen, Fleisch- und Wurstverarbeitung zu erfahren“, schreibt Meiwes.

„Am Nachmittag wurde dann das erste Fleisch der beiden Kopien zubereitet. Man hatte zwei große Bratenstücke aus dem Rücken ausgewählt. Der Professor bereitete das Fleisch nach einem Rezept zu, das seine Großmutter in einem ihrer antiquarischen Kochbücher notiert hatte. Ein selten gewordener, aber angenehmer Duft breitete sich in der Küche aus. Ein Duft von gebratenem Fleisch. “

Anderswo würden Passagen wie diese als gruselige Science-Fiction durchgehen. Armin Meiwes aber spricht aus Erfahrung.

Am 9. März 2001 hatte der Kannibale von Rotenburg sich mit Bernd Brandes, oder „Cator“, wie der 43-jährige Siemens-Ingenieur sich in Internetforen nannte, getroffen. Bei „lebendigem Leibe“ wollte er am liebsten verspeist werden, hatte der Berliner im Chat mit Meiwes versichert.

Der ließ sich nicht lange bitten.

In seinem Haus in Rotenburg entmannte Armin Meiwes sein Opfer zuerst, schlachtete es, um anschließend Teile der Leiche zu verspeisen. Vor der Tat hatten Opfer und Täter sich die Einzelheiten der Schlachtung genau ausgemalt.

In der fiktiven Geschichte liest sich das so: „Mit ’Herzlich Willkommen im Schlachtbereich’ werde ich begrüßt. Nachdem ich mich gestärkt habe, wird die Beschau fortgeführt, indem man nun nach seinen Verarbeitungswünschen gefragt wird. Ob ich am Stück bleiben oder zerlegt werden möchte, ob ich bei der Schlachtung betäubt sein möchte, ob ich an einen Hausmetzger oder eine kleine Metzgerei lebend verkauft werden darf, ob ich vor Publikum geschlachtet werden darf, und viele weitere Fragen werden geklärt.“

Seit zwei Jahren arbeitet die Herausgeberin Petra Klages mit dem Kannibalen. Im Buch lässt sie seine kranken Vorstellungen nicht unkommentiert. Meiwes versuche, sich mit seinen Geschichten von seinen kannibalistischen Fantasien zu distanzieren, so die Pädagogin.

Obwohl er wiederholt darum gebeten habe, erhalte er bis heute von institutioneller Seite keine therapeutische Hilfe. In Gesprächen wirke Meiwes sympathisch, offen, ehrlich und zugewandt, so Klages. Im Knast sei er Ansprechpartner und Seelsorger für andere Häftlinge.

Er hat Menschen eben nicht nur zum Fressen gern...

SHI

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