Spremberg - Eine falsche Baugenehmigung und ein ignoranter Ex-Landrat treiben Familie Manteufel an den Rand des Ruins. Fast 16 Jahre kämpften die Spremberger vor Gericht, um ihr Haus und ihren Konsum-Laden zu retten. Umsonst. Gestern verkündete das Landratsamt: In zwei Monaten wird ihr Haus abgerissen.Der Dauer-Rechtsstreit hat den ehemaligen Konsum-Betreibern Christina (54) und Mario (46) Manteufel sichtlich zugesetzt. Wenn sie ihre Geschichte erzählen, kochen die Emotionen hoch, manchmal stehen ihnen Tränen in den von dunklen Ringen gezeichneten Augen.Das Haus und der Konsum der Manteufels müssen abgerissen werden. Das hat 1999 erst das Verwaltungsgericht Cottbus, zuletzt im Februar 2010 das Oberverwaltungsgericht verfügt - wegen einer zu Unrecht erteilten Baugenehmigung der Kreisverwaltung Spree-Neiße."Laut Baugenehmigung durften wir auf das Flachdach des alten Konsums ein Spitzdach draufsetzen und es als Wohnraum ausbauen", sagt Frau Manteufel. Das war 1994. Dagegen klagte erfolgreich ihr Nachbar - wegen zu geringer Abstandsfläche zu seinem Grundstück."Bei der Baugenehmigung hat damals ein Sachbearbeiter ganz klar einen Fehler gemacht", sagt Sprembergs Bürgermeister Klaus-Peter Schulze (SPD), damals Baudezernent des Kreises. "Nach dem Urteil 1999 hätte der Kreis seinen Fehler einsehen und einen Schadensersatz an Familie Manteufel zahlen sollen", sagt Schulze. Doch der damalige Landrat von Spree-Neiße, Dieter Friese (SPD), zugleich Chef der Kreisverwaltung, wollte den Fehler nicht eingestehen.Vielmehr wollte er das Problem offenbar aussitzen. Doch der Nachbar erstritt vor Gericht gegen den Kreis eine Abrissverfügung für Manteufels Haus. "Und da forderte der Kreis uns noch auf, den Abriss unseres Hauses selber zu bezahlen", schimpft Christina Manteufel.Ein realistischer Schadenersatz von 700 000 Euro, der den Manteufels gerichtlich zu 100 Prozent zugesprochen wurde, wurde bisher nicht gezahlt. Schlimmer noch: Gegen die Schadensersatzansprüche von Familie Manteufel ging der Kreis unter Frieses Leitung in Berufung. Erfolglos.Inzwischen hat der Kommunale Schadensausgleich 105 000 Euro an die Familie gezahlt. "Die hat gleich die Sparkasse einkassiert, weil auf den Dachausbau noch ein Kredit lief", sagt Frau Manteufel. Außerdem reicht die Summe nicht, um Bau- und Gerichtskosten der Manteufels zu decken. Ein neues Haus können sie sich damit erst Recht nicht kaufen. Deshalb setzte sich Bürgermeister Schulze bei Frieses Nachfolger, dem CDU-Landrat Hartmut Altekrüger, für eine allseits akzeptable Lösung ein.Doch der Landrat verkündete nun: "Das Haus wird am 8. September abgerissen." Die Familie soll erst einmal eine Wohnung bekommen und muss für einen realen Schadenersatz vom Kreis weiter vor Gericht streiten.------------------------------BU: Christina (54) und Mario Manteufel (46) über den Aktenberg. Seit fast 16 Jahren kämpfen sie vor Gericht, um ihr Haus vor dem Abriss zu retten.BU: Die Bauarbeiten zur Dachwohnung auf den Flachbau: Die Behörde erteilte die fehlerhafte Genehmigung.
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