Das wohl dunkelste Kapitel im Leben von Boris Becker war seine Steueraffäre. Am 19.Dezember 1996 durchsuchte die Staatsanwaltschaft Beckers Villa in München. Der Vorwurf: Den Behörden waren wesentliche, für die Besteuerung notwendige Sachverhalte vorenthalten worden. Was folgte, war ein sechsjähriger Kampf Becker gegen den Fahnder Walter F. Am 24. Oktober 2002 kam es im Münchner Gericht zum Showdown.Die Anklage: "Boris Becker hat eine Wohnung in der Gaußstraße zur Verschleierung von seinen Eltern anmieten lassen. Dort hat er sich Ende 1991 an neunundfünfzig Tagen aufgehalten. Sein im Ausland erzieltes Einkommen hat er aber weiterhin als in Deutschland nicht zu versteuern angegeben und damit dem Fiskus rund 3,08 Millionen Mark an Einkommenssteuer und weitere vierhundertachtzigtausend Mark an Vermögenssteuer entzogen."Die Stellungnahme: "Das Steuerverfahren gegen mich dauert nun schon seit sechs Jahren. Und die Steuerfahndung ermittelt bereits seit zehn Jahren. Herausgekommen ist dabei nicht viel. Die Anklage wirft mir vor, ich hätte eine Wohnung in München verschwiegen. Demnach hätte ich 1992 und 1993 zu wenig Steuern bezahlt. Das istalles.Man wirft mir nicht vor, man kann mir auch nicht vorwerfen, dass ich Einnahmen verschwiegen hätte, dass ich Geld versteckt hätte, dass ich Schwarzgeldangenommen hätte oder dass ich andere kriminelle Machen-schaften dieser Art begangen hätte. (...)Mit einer Wohnung in München wäre ich in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig und hätte alles Geld, das ich irgendwo auf der Welt verdient habe, in Deutschland versteuern müssen. Darum geht es und um sonst nichts.War also der Raum, in dem ich von Herbst 1991 bis Herbst 1993 bei meinen Besuchen in München übernachtet und mich aufgehalten habe, eine Wohnung oder nicht? Das ist Ansichts-sache.Eine Wohnung, wie ich mir eine richtige Wohnung vorstelle, war das nicht. (...) Es gab ein Bett, es gab eine Sitzbank, aber noch nicht einmal einen Kühlschrank.Aber die deutschen Finanzämter sehen das anders, sehr vielenger.Ich gebe zu, dass man mich davor gewarnt hatte. Ich habe das in den Wind geschlagen und es darauf ankommen lassen. Das war falsch, und deswegen stehe ich heute hier. (...)Sie dürfen mir glauben, dass mich das Verfahren sehrbelastet hat. Seit seinem Beginn vor sechs Jahren habe ich kein großes Turnier mehr gewonnen. Und letztendlich meine Karriere als Tennisspieler beendet.Ich stehe zu meiner Verantwortung für einen Fehler, den ich vor zehn Jahren begangen habe. Und ich weiß, dass ich dafür büßen muss."Das Urteil: Boris Becker wurde zu 300000 Euro Strafe und zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Die fällige Steuernachzahlung belief sich auf 3,3 Millionen Mark.Quelle: Boris Becker, Robert Lübenoff, Helmut Sorge: Augenblick, verweile doch..., München 2003------------------------------
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