In den 1990er-Jahren war Winona Ryder der größte Star ihrer Generation. Sie war ganz oben, doch dann ging es rasant bergab. Und nachdem sie bei einem Ladendiebstahl erwischt worden war, verschwand sie füreinige Jahre in der Versenkung, zog nach San Francisco und machte eine kreative Pause. Jetzt ist sie mit zwei Filmen zurück. In "Black Swan" hat sie einen Part nebenNatalie Portman, und in "Dickste Freunde" spielt sie eine Frau,die ihren Mannbetrügt und damit dessen Freund in die "Petzen-oder-nicht"-Zwickmühle bringt. KURIER-AutorAlexander Soyeztraf sie zum großen Interview.KURIER am Sonntag: Soll man seinem besten Freund sagen, wenn ihn sein Partner betrügt? Darum geht es in "Dickste Freunde". Würden Sie wollen, dass Ihnen Ihre beste Freundin erzählt, wenn Ihr Freund sie hintergeht?Winona Ryder: Ich denke schon. So etwas kann ich nicht brauchen. Und ich würde das dann lieber mit einem Schrecken hinter mir lassen. Ich glaube, dass wir bestimmte Erfahrungen in unserem Körper speichern. Wenn man in Beziehungen öfter verletzt wurde, wird das gespeichert, und ich habe solche Dinge erlebt: Ich wurde betrogen, ich habe es geahnt und ihn zur Rede gestellt, und ich wurde weiter angelogen, bis ich es dann tatsächlich mit eigenen Augen gesehen habe. So etwas hinterlässt seine Spuren und ich lerne gerade, das alles hinter mir zu lassen.Ist Untreue wirklich so schlimm?Ich denke, da hat jeder seine eigene Sicht. Viele Menschen können mit so etwas gut leben, aber es bleibt wahrscheinlich immer eine Wunde zurück. Ich habe ein paar Freunde, die eine offene Beziehung leben. Aber wenn es Kinder gibt, wird auch so ein Modell schwieriger. Und für mich wäre das sowieso nichts. Ich bin sehr treu, ich habe nie einen meiner Freunde betrogen, und ich würde nicht bleiben, wenn ich betrogen wurde. Kurz gesagt: Treue ist mir wichtig.Sie haben neben Natalie Portman in "Black Swan" vor der Kamera gestanden. Was sagen Sie zum Golden Globe für Ihre Kollegin?Ich bin absolut begeistert. Was für ein Jahr: Sie findet ihre große Liebe, bekommt ein Kind, und dann wird sie für ihre unglaubliche Leistung mit Preisen belohnt - sie hat all das mehr als verdient! Sie ist so ein toller Mensch, absolut bodenständig, extrem klug und einfach wundervoll.Wäre Sie auch Ihr Favorit für die Oscars?Sie schon. Aber ich habe auch keine Ahnung, wen ich sonst vorschlagen sollte. Ich weiß nicht, welche Filme und welche Leute in diesem Jahr in Frage kommen würden. Ich bin nicht wirklich auf dem neuesten Stand. Ich habe keinen Computer und gehe nicht ins Internet.Sie haben keinen Computer?Ich habe irgendwo noch einen Laptop, aber den habe ich nie benutzt. Meine Mails bekomme ich auf meinem Handy, aber das Internet vermeide ich.Warum das?Ich bin altmodisch und romantisch: Ich schreibe Briefe lieber mit der Hand, ich möchte Bücher anfassen können. Mein Vater ist ein Autor, Verleger und ein Archivar - ich denke, das hat abgefärbt. Ich habe Schuhkartons mit Zetteln, Notizen oder Nachrichten. Wenn mir jemand seine Nummer gegeben hat, dann ist sie da in einer dieser Boxen. Oder die kleinen Anmerkungen, die mir Martin Scorsese geschrieben hat, als ich für ihn bei "Age of Innocence" vor der Kamera stand. Da stehen Sachen drauf wie "Vergiss nicht, ihn aufs Kinn zu küssen". Dieses Computer-Zeugs macht mich einfach nervös. Aber ich weiß natürlich auch, dass es das Internet gibt und dass es eine Menge zu bieten hat. Für mich ist das nur nichts. Es ist eine verrückte Welt da draußen. Man filmt mich beim Einkaufen und dann landet das im Internet. Als würde es irgendwen interessieren, wenn ich mir eine Mango kaufe. Ich kann es ja noch verstehen, wenn ich irgendwas Skandalöses anstellen würde, aber doch nicht bei diesen ganz normalen Alltagsgeschichten. Jedenfalls will ich mir das dann nicht auch noch ansehen müssen.Sie waren eine der gefragtesten Schauspielerinnen Hollywoods. Wie frustrierend war es für Sie, als das alles vorbei ging?Ganz ehrlich: Als ich auf dem Höhepunkt meines Erfolgs war, habe ich mich wahrscheinlich in meinem ganzen Leben am einsamsten gefühlt. Ich hatte natürlich Freunde, aber ich hatte das Gefühl, ich werde ständig von der Presse verfolgt. Ich habe mich nicht mehr normal bewegen können - und das waralles andere als gesund für mich. Ich habe keinen Ausweg mehr gesehen und wollte nur raus. Meine Arbeit hat darunter gelitten. Ich war nicht mehr in der Lage, an bestimmte Gefühle heranzukommen. Ich wurde einfach nicht behandelt wie eine normale Person. Man hat mir im Supermarkt mehr beim Einpacken geholfen als der kleinen älteren Dame vor mir in der Schlange. Das war alles nicht richtig. Irgendwie wollte ich dieser ganzen Sache unbewusst entfliehen. Aber es stimmt natürlich, dass ich eine unglaublich erfolgreiche Zeit hatte. Ich habe mit Martin Scorsese gearbeitet, mit Jim Jarmusch. Das waren unglaubliche Erfahrungen und darauf bin ich sehr stolz.Was haben Sie gemacht in dieser Auszeit?Es gab eine ganze Menge spannende Sachen, für die ich vorher nie Zeit hatte. Ich habe mich mit sprachwissenschaftlichen Themen beschäftigt. Und ich habe an vielen verschiedenen anderen Workshops teilgenommen: Malen, kreatives Schreiben. Und ich habe mich dabei nicht gefühlt wie ein Außerirdischer.Haben Sie sich in dieser Zeit verändert?Ich habe mich weiterentwickelt, ich habe unglaublich viel gelernt: über mich, meine Schwächen, meine Stärken, wie ich Sachen in Angriff nehmen muss.Wie war es, wieder zur Schauspielerei zurückzukehren?Es ist ein bisschen wie Fahrrad fahren. Man verlernt es nicht. Es ist wie mit Muskeln, die man lange nicht mehr benutzt hat. Sie sind noch da, aber man bekommt an den ersten paar Tagen einen Muskelkater.Und wie fühlt es sich an, jetzt wieder im Rampenlicht zu stehen?Von außen scheint es tatsächlich wie ein Comeback auszusehen. Aber ich kann mich ja nicht von außen sehen. Klar, ich habe ein paar Interviews gegeben und ich bin wieder da, aber ich gehe diesmal einen anderen Weg als früher. Ich halte mich sehr zurück und will es auch nicht übertreiben mit dem Rampenlicht.------------------------------KURIER-WIKIHoch gelobt, tief gefallenVor zwanzig Jahren stand Winona Ryder - eigentlich Winona Laura Horowitz, geboren am 29. Oktober 1971 in Winona, Minnesota - vor einer glänzenden Hollywood-Karriere. Da begeisterte sie Kritiker an der Seite von Johnny Depp in "Edward mit den Scherenhänden" oder neben Cher und Christina Ricci in "Meerjungfrauen küssen besser", wofür sie eine Golden Globe-Nominierung bekam. Einen Globe erhielt sie schließlich 1994 für ihre Rolle in "Zeit der Unschuld". Doch eines Tages im Jahr 2001, dem einige Filmflops vorangegangen waren, war es mit der Unschuld vorbei. Da stahl sie Kleider im Wert von 5000 US-Dollar, was sie mit drei Jahren auf Bewährung und 480 Stunden gemeinnütziger Arbeit büßen musste. Seitdem wirkte sie in keinem Film mit, der an der Kinokasse und bei Kritikern gleichermaßen überzeugte. Bis jetzt.------------------------------Zitat: "Ich halte mich zurück, will es nicht übertreiben mit dem Rampenlicht." Winona Ryder, SchauspielerinZitat: "Auf dem Höhepunkt meines Erfolgs habe ich mich am einsamsten gefühlt." Winona Ryder, SchauspielerinZitat: "Ich wurde betrogen ... So etwas hinterlässt Spuren." Winona Ryder, SchauspielerinBU: Alte Sünde: Winona Ryder beim mutmaßlichen Diebstahl in einer Boutique in Beverly Hills und mit ihrem Anwalt bei einem Gerichtstermin 2002
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