Erst Frost in den Mainächten, dann Hitze über Wochen: Der Hopfen hat ein hartes Jahr hinter sich. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen stellen sich die Pflanzer deshalb auf eine Ernte unter dem Durchschnitt ein. Doch ganz Deutschland droht ein Hopfen-Fiasko, und das kann Auswirkungen auf das geliebte Bier haben.
Was Hitze und Frost mit den Dolden gemacht haben
„Wir werden mit Sicherheit eine unterdurchschnittliche Ernte haben“, sagte Andreas Kunze, Geschäftsführer des Elbe-Saale-Hopfenpflanzerverbands. Nach seiner Einschätzung betrifft das nicht allein die Betriebe zwischen Elbe und Saale, sondern den deutschen Hopfenbau insgesamt.
Der Schaden lässt sich nach Kunzes Angaben an den Dolden ablesen – jenen grünen Zapfen, aus denen später Aroma und Bittere im Bier kommen. Sie blieben in Hitze und Trockenheit zu klein. Dazu kamen ein Frühjahr, in dem der Austrieb der Pflanzen ungewöhnlich lange dauerte, und Nachtfröste bis in den Mai hinein, die dem Hopfen laut Verband zusetzen.
Für die späten Sorten ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Bei der Sorte Herkules etwa hofft Kunze auf ausgiebigen Regen in den kommenden Wochen; der könnte den Ertrag nach seinen Worten noch stützen.
Frisch geerntete Dolden in einem Sortierkasten: An ihrer Größe zeigt sich, was Hitze und Trockenheit mit dem Hopfen gemacht haben.
© Daniel Karmann/dpa
Der Hopfenanbau ist in Ostdeutschland kein Nischengeschäft. Der Elbe-Saale-Verband bewirtschaftet nach Kunzes Angaben fast 1700 Hektar in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen – das zweitgrößte Anbaugebiet der Bundesrepublik. Größer ist nur die bayerische Hallertau, die 2024 auf rund 17.000 Hektar kam und damit auch weltweit an der Spitze steht.
Gepflückt wird ab dem 7. September
Die Fläche im Osten schrumpft allerdings. 2026 wurde dem Verband zufolge auf 180 Hektar weniger Hopfen angebaut als im Vorjahr. Ein Rückgang, der die schwächere Ernte zusätzlich ins Gewicht fallen lässt.
Losgehen soll es nach Kunzes Angaben nicht vor dem 7. September. Weil weniger einzufahren ist, dürfte die Ernte etwa drei Wochen dauern und damit kürzer ausfallen als in guten Jahren.
Ein Landwirt fährt mit einem Traktor an Hopfenfeldern entlang.
© Sven Hoppe/dpa
Entscheidend ist für die Brauereien am Ende aber nicht nur die Menge. Die schlechten Bedingungen könnten sich laut Kunze auch in den Inhaltsstoffen zeigen – besonders bei den Alpha-Säurewerten. Diese Werte beschreiben, wie viel Bitterkraft im Hopfen steckt. Fällt der Wert niedriger aus, brauchen Brauer mehr Rohstoff für dasselbe Ergebnis.
Was Hopfen im Bier leistet
Wie zentral der Rohstoff ist, macht die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung deutlich: Hopfen zählt neben Wasser, Malz und Hefe zu den vier Grundbestandteilen von Bier. Er sorgt für Geruch und Geschmack, stützt die Schaumbildung und macht das Getränk haltbar.
Klimawandel könnte den Geschmack verändern
Hinter der Ernte 2026 steht eine größere Frage: Was passiert mit dem Bier, wenn heiße, trockene Sommer zur Regel werden? Die Branche arbeitet an robusteren Hopfensorten – und zögert zugleich, sie einzusetzen.
Peter Hintermeier, Geschäftsführer des Nürnberger Hopfenhändlers BarthHaas, beschrieb das Dilemma in der US-Zeitung New York Times so: „Brauereien haben Angst, den Geschmack ihrer Biere zu verändern.“ Trockenheitsfeste Sorten könnten Anpassungen der Rezepturen nötig machen – und Stammkunden erwarten von ihrem Bier nun einmal genau das Aroma, das sie kennen.
Frank Braun, Chef des fränkischen Hopfenanbauers Spalt, sagte derselben Zeitung, die neuen Varianten könnten beim Aroma mit den traditionellen Sorten nicht mithalten. Wer ursprüngliches Bier wolle, sei weiter auf die alten, hitzeempfindlichen Kultursorten angewiesen. Angebaut würden sie deshalb auch künftig – nur eben zu deutlich höheren Kosten.
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