Als die 10-jährige Eva Mozes 1944 in einem Viehwagen ins KZ Auschwitz gekarrt wurde, war Rudolf Höss der Lager-Kommandant. Er überwachte die Ermordung von mehr als einer Million Menschen. Eva Mozes und ihre Zwillingsschwester wurden von den Eltern und ihren beiden älteren Geschwistern getrennt. Sie werden sie nie wiedersehen. Die Schwestern wurden für makabre Experimente missbraucht – unter der Leitung vom „Engel des Todes“ Dr. Josef Mengele.
„Sie behandelten mich, als wäre ich nichts. Als wäre ich ein Stück Fleisch“, sagte Mozes dem US-Magazin „Vice“ über die Tests, die Ärzte immer wieder an ihr und ihrer Schwester vornahmen. Am schlimmsten seien die Experimente im „Blutlabor“ gewesen. Nazi-Mediziner spritzten ihr unbekannte Substanzen.
Diese Versuche überlebte sie nur knapp. Als die Zeit im KZ schließlich vorbei war, sind Eva und ihre Schwester eines von 200 Zwillingspaaren, die das Lager überstanden haben. 1300 starben. Über 50 Jahre nachdem Mozes im KZ gequält wurde, bekam sie eine E-Mail von Rainer Höss, dem Enkel des damaligen Kommandanten. Er bat um ein Treffen mit ihr, er wolle sie umarmen, schrieb er. Anfangs hielt Eva Mozes den Absender für einen Schwindler.
Nachdem sie eine zweite Mail von ihm erhielt, trafen sich die beiden in Auschwitz. Und der Enkel des Nazis hatte einen ganz besonderen Wunsch: Eva Mozes sollte seine Oma werden. Und sie erfüllte ihm diesen Wunsch. „Ich liebe ihn wirklich.“
Es habe sie beeindruckt, dass Rainer, obwohl er umgeben von bösen Menschen aufgewachsen sei, zu einer anständigen Person herangereift sei. „Ich bin stolz darauf, seine Großmutter zu sein“, so die 80-Jährige, die im US-Bundesstaat Indiana lebt.
Höss kann seinem Großvater nicht vergeben. Er hat mit seiner Familie gebrochen. Eva Mozes erklärt, weshalb sie vergeben konnte: „Ich weigerte mich, ein Opfer zu sein. Und jetzt bin ich frei.“ JK
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