MfS-Hochschule

Die geheimen Forschungen der Stasi-Doktoren

Absolventen sollen nur noch den Schmäh-Titel „Dr. der Stasi“ tragen dürfen.

BK
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Streng geheim: Von der Existenz der Stasi-Hochschule wussten nur Eingeweihte.

Streng geheim: Von der Existenz der Stasi-Hochschule wussten nur Eingeweihte.

© Universität Potsdam

Aufklärer Roland Jahn beschäftigt sich mit der Vergangenheit der Stasi-Hochschule.

Aufklärer Roland Jahn beschäftigt sich mit der Vergangenheit der Stasi-Hochschule.

© dpa

Dieser Vorschlag kommt von Roland Jahn (66), dem Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen. Er will erreichen, dass ehemalige Stasi-Offiziere mit Doktor-Abschluss ihren Titel mit dem Zusatz „Stasi“ führen müssen. Hintergedanke: Eine grundsätzliche Aberkennung des Titels ist wegen getroffener Regelungen im Einigungsvertrag nicht mehr möglich. Dann aber sollten, so Jahn, die Absolventen wenigstens zu dem „Stasi“-Zusatz verpflichtet werden. „Doktor der Stasi – das wäre dann echte Transparenz.“

Doktorarbeiten als Anleitungen zur Verletzung der Menschenrechte

Die Doktorarbeiten seien, so Jahn, Dokumente des Selbstverständnisses der DDR-Geheimpolizei. Erörtert wurden darin etwa die Zersetzung des persönlichen Lebens von Andersdenkenden oder die Bekämpfung der politischen Opposition. „Das waren Anleitungen zur Verletzung der Menschenrechte“, sagt Jahn. Das sei nicht akzeptabel und müsse jetzt politisch geklärt werden.

Die Stasi: MfS-Chef Erich Mielke wird beklatscht.

Die Stasi: MfS-Chef Erich Mielke wird beklatscht.

© hfr

Die meisten betroffenen Doktortitel wurden an der geheimen Stasi-Hochschule in Eiche-Golm (Potsdam) erworben. Nach außen fungierte sie als Juristische Hochschule Potsdam. Laut Stasiunterlagen-Behörde wurden dort 174 Promotionsarbeiten von insgesamt 485 Autoren verfasst. Der erste Doktortitel wurde 1966 für das Thema „Die verbrecherischen Grenzüberschreitungen Jugendlicher und Heranwachsender in ihren Erscheinungsformen sowie in ihrer sozialen und psychischen Determiniertheit“ vergeben.

Die zentrale Bildungs- und Forschungsstätte des MfS war weltanschaulich ausgerichtet: Neben Marxismus-Leninismus wurden „politisch-operative Spezialdisziplinen“ vermittelt. Hinzu kamen militärische Ausbildung und Sport. Eine Prüfung im Fach „Bearbeitung operativer Vorgänge“ wurde zur Tarnung etwa mit „System der Rechtspflege der DDR“ umetikettiert. Es gehe nicht darum, Menschen bis in alle Ewigkeit zu verdammen, sagt Jahn. Wichtig sei: Wie ist der Betroffene mit seiner Vergangenheit umgegangen? „Dieser Diskurs ist noch lange nicht vorbei.“ Das Stasi-Unterlagen-Archiv stellt nun überlieferte Stasi-Forschungsarbeiten der Hochschul-Absolventen ins Internet.

Jutta Schütz

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