Fenster mittags auf? Was zunächst wie ein Sommer-Irrtum klingt, kann an heißen Tagen tatsächlich sinnvoll sein. Während viele Menschen ihre Wohnung bei Hitze möglichst den ganzen Tag verschlossen halten, raten Experten in bestimmten Situationen sogar zu einer kurzen Stoßlüftung zur Mittagszeit. Der Grund hat weniger mit der Temperatur als mit der Luftfeuchtigkeit zu tun.
Darum kann Stoßlüften zur Mittagszeit trotzdem helfen
Grundsätzlich gilt zwar: Ist es draußen wärmer als drinnen, sollten Fenster tagsüber geschlossen bleiben. Andernfalls gelangt zusätzliche Hitze ins Haus oder in die Wohnung. Auch Rollläden, Jalousien oder Markisen sollten möglichst geschlossen sein, damit die Sonne die Räume nicht weiter aufheizt. Intensiv gelüftet wird stattdessen in den kühlen Nacht- oder frühen Morgenstunden.
Die Vorstellung, bei Hitze die Fenster zu öffnen, ist Horror. Wer hätte gedacht, dass es sogar sinnvoll sein kann?
© Erwin Wodicka/Imago
Es gibt jedoch eine Ausnahme. Der Restaurierungs- und Bauexperte Niall Mulhall erklärt im Interview mit Coway Europe (Hersteller von Luftreinigungs- und Wassertechnologie), dass selbst bei extremer Hitze eine etwa fünfminütige Stoßlüftung zur Mittagszeit sinnvoll sein kann.
„Dadurch wird verbrauchte, feuchte Innenluft gegen trockenere Außenluft ausgetauscht“, sagt Mulhall. Die trockenere Luft fühle sich deutlich angenehmer an und unterstütze den Körper dabei, sich durch Schwitzen besser abzukühlen. Laut dem Experten empfiehlt auch das Umweltbundesamt dieses Vorgehen.
Viele machen beim Lüften denselben Fehler
Nach Beobachtung des Bauexperten öffnen viele Menschen während einer Hitzewelle dauerhaft ihre Fenster, obwohl die Außenluft deutlich wärmer ist als die Raumluft. Genau dadurch heizen sich Wohnungen häufig noch stärker auf.
Restaurierungs- und Bauexperte Niall Mulhall hat eine eigene Firma in Berlin.
© Niall Mulhall
Stattdessen rät Mulhall dazu, tagsüber Fenster und Sonnenschutz geschlossen zu halten und erst nachts oder frühmorgens kräftig durchzulüften. So könne die über den Tag gespeicherte Wärme besser aus dem Gebäude entweichen.
Viele Menschen glauben, Altbauten seien im Sommer grundsätzlich angenehmer als Neubauten. Tatsächlich trifft das laut dem Experten häufig zu. Dicke Mauern speichern Wärme und geben sie erst viele Stunden später wieder ab. Moderne Gebäude seien zwar gut gedämmt, große Fensterflächen ohne außenliegenden Sonnenschutz könnten sich jedoch schnell wie ein Gewächshaus aufheizen.
Entscheidend seien deshalb nicht nur Baujahr oder Dämmung, sondern vor allem außenliegende Rollläden oder Jalousien, eine gute Dachdämmung und die richtige Lüftungsstrategie. Wird falsch gelüftet, kann selbst ein gut gedämmtes Haus unangenehm warm werden.
Ein weiterer Tipp des Experten: Wer auf eine Klimaanlage verzichten möchte, sollte tagsüber möglichst weder Backofen noch Herd nutzen. Auch diese Geräte geben zusätzliche Wärme an die Wohnung ab.
Lüften Sie im Sommer auch mittags oder bleiben Ihre Fenster geschlossen? Und welche Tricks helfen Ihnen am besten gegen die Hitze in der Wohnung? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com
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