Hilfe, wir sitzen in der Sanierungsfalle Warum bei Wohnungsbau-Gesellschaften jetzt die Mieten explodieren

Immer mehr Berliner Mieter verzweifelt

Anka Seyfert MOW
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Berlin - Es ist kein Einzelfall mehr: Die Gesobau-Mieter in Rosenthal sollen bald bis zu doppelt so viel Miete berappen! Dabei wollen sie die Sanierung gar nicht, mit der ihre Wohnungsbau-Gesellschaft die Verteuerung begründet. Auch Howoge-Mieter in Buch sitzen in der Sanierungsfalle, sollen bis zu 67 Prozent mehr bezahlen. Der Mieterverein spricht von einer bedrohlichen Entwicklung für ganz Berlin ...Die Zornesröte steht Gabriele Oelkrug-Sanio (49) im Gesicht. Sie soll ab Herbst mindestens 470 statt 283 Euro für ihre 51 Quadratmeter große Bleibe bezahlen. Die Büro-Assistentin aus dem Döbrabergweg klagt: "Wenn zumindest der Schimmel in Bad und Küche weggemacht würde! Aber die Gesobau plant nur Luxus-Kram."Der Vermieter kündigte sein Vorhaben als "energetische Sanierung" für mehr Klimaschutz an. Und gegen eine Wärmedämmung hätten viele Mieter auch nichts. Aber etlichen geht es wie Hans-Georg Bredemeyer (70): "Ich habe 27 000 Euro in meine Küche gesteckt. Die will ich weder durch die Sanierung noch durch Auszug verlieren." Eine womöglich doppelte Miete kann sich der Rentner nicht leisten.Von den 80 Miet-Parteien an Döbrabergweg, Kirchstraße und Erbeskopfweg haben 25 Widerspruch eingelegt. Das Ziel fasst Michael Hermann (54) so zusammen: "Wir wollen nur Arbeiten, die wir sinnvoll finden, statt am Ende noch mehr als die ortsübliche Vergleichsmiete zu zahlen."Die Bilder gleichen sich: Die Howoge plant Mietsteigerungen um 67 Prozent in Buch. Eine Sanierung der Gesobau in Pankow liegt auf Eis. 2009 sorgte sie für Sanierungs-Zoff im Märkischen Viertel. Was ist los mit den landeseignen Unternehmen? "Sie sehen an den Gewinnen privater Investoren, wie viel Geld zu machen ist", sagt Reiner Wild, Chef des Berliner Mietervereins. Dabei stünden sie selbst wirtschaftlich gar nicht mehr so mies da.Der Verband der Wohnungs-Unternehmen BBU fordert eine Landesförderung von zehn Millionen Euro jährlich, damit nötige Modernisierungen die Mieter nicht so belasten. Über Förderung würde sich die Degewo freuen: Sie will bis 2015 knapp 6000 Wohnungen in Neukölln, Tempelhof und Wedding "energetisch" aufmotzen.------------------------------BU: Michael Hermann (54), Aufzugsmonteur: "Wir haben unser Bad erst vor drei Jahren verschönert. Aber bei der Sanierung müsste alles rausgerissen werden, nur um es dann wieder herzurichten. Und für diesen Unfug müssten wir auch noch mehr Miete zahlen!"BU: RosenthalDie alten Häuser am Döbrabergweg und in der Kirchstraße sollen ab März für rund 3,16 Millionen Euro saniert werden.------------------------------BU: BuchSelbst ein Skandal konnte die Howoge Anfang 2010 nicht von der Sanierung abbringen. Politiker Ralf Hillenberg (SPD) hatte den Bau-Auftrag ohne Ausschreibung erhalten. Die Howoge wollte die Mieten erst verdoppeln, plant noch immer heftige Erhöhungen.Für großes Sanierungs-Chaos sorgte die Gesobau 2009 im Märkischen Viertel. Während die "energetische Modernisierung" lief, mussten sich 100 Mieter fünf Ersatz-Toiletten teilen. Stefanie Hoffmann (o.) war völlig entnervt.

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