„Es hat keine wirkliche Strukturreform gegeben, man hat die Schulen nur anders benannt“, sagt Prof. Marcel Helbig vom Wissenschaftszentrum Berlin. Sein Team hat dafür exklusiv Sozialdaten von Schülern aus staatlichen und privaten Schulen ausgewertet. Eine zentrale Rolle spielt dabei der bisher geheim gehaltene Anteil der „lernmittelbefreiten Schüler“ pro Schule. Anhand dieses Wertes ist zu erkennen, wie viele Schüler aus armen Familien eine Schule besuchen.
Soziale Spaltung schon vor Jahren kritisiert
Ergebnis: Der Anteil der Schüler aus sozial schwachen Familien an Gymnasien liegt im Schuljahr 2016/17 bei nur 17 Prozent – und das seit Jahren nahezu unverändert. „Schüler aus höheren sozialen Schichten besuchen eher ein Gymnasium“, so Helbig. An den Sekundarschulen, die im Zuge der Reform aus Haupt-, Real- und Gesamtschulen entstanden, liegt der Wert hingegen bei 42 Prozent. Diese soziale Spaltung haben Bildungsforscher schon vor Jahren kritisiert, und sie sollte längst überwunden sein.
Doch was Eltern, Schüler und Lehrer in den letzten Jahren „gefühlt“ wahrgenommen haben, wird jetzt zur Gewissheit. Die alte, ungerechte Schul- und Sozialstruktur wird verdeckt im neuen Schulsystem fortgeführt.
Die Hälfte aller Schüler lernmittelbefreit
Die Unterschiede zwischen den Sekundarschulen werden nun besonders deutlich: An Sekundarschulen mit gymnasialer Oberstufe, meist ehemalige Gesamtschulen, kommen nur 33 Prozent aller Schüler aus ärmeren Familien. Doch zwei Drittel aller Sekundarschulen haben keine eigene Oberstufe – und hier sind gut die Hälfte aller Schüler lernmittelbefreit.
An den Schulen, die früher Hauptschulen waren, liegt der Wert sogar bei 57 Prozent.
Die Bildungsforscher stellen in ihrer Studie zudem fest, dass Eltern aus höheren sozialen Schichten bei allen schulischen Veränderungen imstande sind, ihre Interessen durchzusetzen. Ein Kind reicher Eltern geht stets auf die besseren Schulen.
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