Sie war Schauspielerin, Sängerin, Autorin, Werbe-Ikone – und gehört noch heute zu den bekanntesten Berlinerinnen. Heute wäre Hildegard Knef († 76), die Grande Dame des Chanson, 90 Jahre alt geworden. Zum Geburtstag gibt’s posthum ein ganz besonderes Präsent: Am 18. Dezember erschien das Album „Für Hilde“ – Stars wie Mark Forster, Clueso, Dendemann und Bela B. singen die großen Knef-Hits. Der KURIER erzählt zum Jubiläum Fakten über die Diva – passend zu ihren Hits…
In dieser Stadt: Viele Jahre lebte Knef in Berlin – u.a. in der Schöneberger Sedanstraße (heute Leberstraße, hier hängt eine Gedenktafel), am Teltower Damm in Zehlendorf, in der Königsmarckstraße in Grunewald.
Eins und eins, das macht Zwei: Knef war dreimal verheiratet – mit Schauspielagent Kurt Hirsch (1947 bis 1953), Schauspieler David Cameron (1962 bis 1976) und dem Adligen Paul Rudolf Freiherr von Schell zu Bauschlott (1977 bis zu ihrem Tod).
Meine Lieder sind anders: 1951 erschien „Ein Herz ist zu verschenken / Jeden Abend stehe ich am Hafen“ – die erste Platte der Knef.
Doch drehst du dich um: Im gleichen Jahr wurde auch der Film „Die Sünderin“ veröffentlicht, in dem Knef als Prostituierte „Marina“ nackt zu sehen ist. Der Streifen wurde zum Skandal – auch wegen der Thematisierung von wilder Ehe, Vergewaltigung und Selbstmord.
Wohin ich blicke: Die Diva veröffentlichte 23 Original-Alben und 320 einzelne Titel, spielte in knapp 50 Kinofilmen mit. Ihre 1970 veröffentlichte Biografie „Der geschenkte Gaul“ wurde in 17 Sprachen übersetzt. Zudem erhielt sie viele Preise, sogar eine Tulpe wurde nach ihr benannt.
Von nun an ging’s bergab: Krebs, Medikamentensucht, Schönheits-OP, Scheidung, Schulden, Alkoholabhängigkeit. In den 70ern geriet Knefs Leben aus den Fugen. Auch ihre 1980 begonnene Welttournee floppte – Abbruch nach wenigen Shows.
Ich gebe alles auf: Weil sich nur noch wenige für ihre Kunst interessierten, lästerte Knef 1982 in einem Interview mit der „Neuen Revue“ über die Deutschen, zog danach nach Hollywood. In Berlin feierte sie 1987 in „Cabaret“ im Theater des Westens ein kleines Comeback, konnte an ihre großen Erfolge aber nicht anknüpfen.
Wieviel Menschen waren glücklich, dass du gelebt? Sie starb am 1. Februar 2002 im Alter von 76 Jahren an einer Lungenentzündung. Zuvor war sie mehrfach in Kliniken, litt unter Bronchitis, lag im Koma. Ihr Leichnam wurde auf dem Waldfriedhof in Zehlendorf beigesetzt.
Ich hab noch einen Koffer in Berlin: Ein Teil des Nachlasses von Hildegard Knef schlummert seit 2002 in der Deutschen Kinemathek in Berlin. Darunter auch ein goldenes Cape mit schwarzem Fellkragen. Knef trug es auf einer Autogrammkarte von 1980.
Berlin, Dein Gesicht hat Sommersprossen: Befreundet war Knef auch mit dem Berliner Star-Visagisten René Koch (70). Er schminkte sie 25 Jahre lang. „Sie ließ sich gern beraten, aber manchmal griff sie auch selbst zu Pinsel und Stift“, sagt er. „Ungeschminkt habe ich allerdings des Öfteren scherzhaft ,Ida Putenschlund‘ zu ihr gesagt.“
Für mich soll's rote Rosen regnen: Zum 90. Geburtstag zeigt „Einsfestival“ heute ab 16.10 Uhr das Porträt „Hildegard Knef – Glück mit Pause“, danach „Knef – Ihre schönsten Chansons“ und ab 22.45 Uhr die Romanverfilmung „Jeder stirbt für sich allein“. Um 14 Uhr findet auf dem Zehlendorfer Waldfriedhof eine Gedenkveranstaltung statt.
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