Flohmarkt

Hier vergoldet der Tierpark seine Schätze

Am Wochenende gingen Erinnerungen aus Prof. Dathes Keller über den Ladentisch.

Florian Thalmann
Lesezeit 3 Min
Hunderte Berliner kamen zum Flohmarkt, um sich ihr eigenes Stück Park-Geschichte zu sichern.

Hunderte Berliner kamen zum Flohmarkt, um sich ihr eigenes Stück Park-Geschichte zu sichern.

© TP / Thomas Uhlemann

„Ich bin wirklich so was von glücklich“, sagt Benjamin Pahl – und schaut stolz auf den Restaurant-Tisch, der  vor ihm steht. Dort stehen drei Dioramen,  Schaukästen mit Mini-Landschaften, die einst die Vitrinen im Park schmückten. Jahrelang standen sie im Keller der Park-Verwaltung, nun kamen sie beim  nostalgischen Flohmarkt ans Tageslicht.

„Solche Modelle wurden früher in den  Tier-Häusern präsentiert“, sagt der 49-Jährige. Er lacht. „Als ich sie hier stehen sah, musste ich gleich eine zweite Herztablette einwerfen.“ Denn der Berliner ist ein echter Tierpark-Fan, hat nebenbei eine Leidenschaft für Trödel. „Ich werde mich mit den ganzen Sachen, die ich hier gekauft habe, auch historisch auseinandersetzen.“

Benjamin (49) hat 450 Euro ausgegeben.

Benjamin (49) hat 450 Euro ausgegeben.

© TP / Thomas Uhlemann

Die Dioramen sind nicht der einzige Schatz, den Pahl kaufte. 450 Euro ließ er beim Flohmarkt – für Plakate, alte Souvenirs und ein Foto von Wilhelm Pieck bei der Park-Eröffnung im Jahr 1955.  „Meine Frau organisiert gerade einen Bollerwagen.“
Ob sie sich für die Krempel-Liebe ihres Mannes begeistert?

Etwas Gutes hat Pahl mit seinem Einkauf jedenfalls getan: Das Geld, das beim Markt eingenommen wurde, kommt den Artenschutz-Projekten des Parks zugute. „Wir sind total glücklich über den massiven Zulauf“, sagte Nadja Niemann, Zoologische Leiterin des Parks. Sie stand gestern an der Kasse. „Schon um kurz nach neun Uhr wurden wir von Gästen überrannt.“ Schon gegen Mittag lagen über 10000 Euro in der Kasse.

Die Topseller laut Niemann: alte Platzdeckchen mit Tierbildern, die in den 60er-Jahren als Souvenirs verkauft wurden. „Bei manchen Sachen hat es uns total überrascht, wie viele Leute sie kaufen wollten.“ Gut so – im Keller der alten Verwaltung musste dringend Platz geschaffen werden. „Und wir könnten locker einen zweiten Markt veranstalten, es sind noch viele Sachen da.“

Christina (51), Detlef (55) und Lea (10) und ihre Park-Erinnerungen.

Christina (51), Detlef (55) und Lea (10) und ihre Park-Erinnerungen.

© TP / Thomas Uhlemann

Alte Platzdeckchen hat Melanie nicht gekauft – aber die Lichtenbergerin nutzte den Flohmarkt, um heute schon an morgen zu denken. „Ich ziehe demnächst in eine neue Wohnung in Mahlsdorf-Nord“, sagte sie dem KURIER. Noch sind die Wände leer – aber nicht mehr lange. Unzählige alte Werbe-Plakate aus der Park-Historie hat sich die 30-Jährige gesichert, insgesamt 30 Euro ausgegeben.

„Ein paar werde ich verschenken, andere kommen an die Wände der neuen Wohnung.“Detlef Stiller griff hingegen zu den technischen Stücken aus dem sozialistischen Schatzkästchen. Der 53-Jährige kaufte einen Verstärker-Koffer, den in den 60er-Jahren die Guides im Tierpark nutzten, damit sie in einer großen Gruppe besser zu verstehen waren.

„Ich habe schon eine große Sammlung, begeistere mich vor allem für technisches Spielzeug aus der Vergangenheit“, sagte der Schöneberger. „Für mich ist das hier eine echte Fundgrube. In der DDR hat man auf die Sachen noch aufgepasst und sie besser gepflegt, deshalb ist vieles heute noch super erhalten.“

Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com