München - Die Jugendkammer des Landgericht München I. Der ältere Mann mit dem schütteren, grauen Haar sitzt mit starrer Miene auf seinem Stuhl. Foto-Apparate klicken, Kameras surren. Die dunkle Brille lässt keinen Blick in die Seele von Oskar Brunner zu. Er ist gerade zum ersten Mal den Mördern seines einzigen Sohnes begegnet.Der 80-Jährige ist der Vater des U-Bahn-Helden Dominik Brunner. Der 50-Jährige musste sterben, weil er einer Gruppe von Kindern beistehen wollte. Sebastian L. (18) und Markus Sch. (19) prügelten den Manager auf dem S-Bahnhof in Solln bestialisch tot(KURIER berichtete). Dafür müssen sich die beiden Männer seit gestern vor Gericht verantworten. Oskar Brunner ist Nebenkläger.Flankiert von zwei bewaffneten Polizisten sitzen Sebastian L. (weißes Hemd, Jeans) und Markus Sch. (dunkelgestreiftes Hemd, Jeans) auf der Anklagebank. Mit ihren ordentlich geschnittenen Haaren sehen sie fast unschuldig aus.Gleich zu Beginn der Verhandlung legt Markus Sch. ein Geständnis ab, bestreitet aber den Mordvorwurf. "Ich weiß, dass das, was ich getan habe, nicht zu entschuldigen ist und dass ich absolut falsch reagiert habe. Mir tut der Tod des Herrn Brunner so unendlich leid. Ich bitte um Verzeihung, auch wenn ich weiß, dass mir nicht verziehen werden kann. Auch ich selbst werde mir nicht verzeihen", sagt er mit zittriger Stimme. Er habe zu keinem Zeitpunkt mit dem Tod Dominik Brunners gerechnet, geschweige denn diesen gewollt.In einer von seinem Verteidiger verlesenen Erklärung gibt Sch. Brunner allerdings eine Mitschuld an der Eskalation. Demnach seien er und Sebastian L. an dem Bahnhof zwar zusammen mit Brunner und den 13- bis 15-Jährigen ausgestiegen. Allerdings nicht mit dem Ziel, Brunner anzugreifen. "Ich sah dann eine Jacke am Boden liegen und der ältere Mann tänzelte plötzlich mit erhobenen Fäusten vor mir und Basti rum", hieß es in der Erklärung. Dann habe Brunner auf einmal als Erster zugeschlagen. "Ich muss dann wohl völlig die Kontrolle über mich verloren haben." Er könne sich aber nicht mehr daran erinnern, was dann genau geschehen ist. Außerdem sei er betrunken gewesen, er habe fünf große Bier und eine halbe Flasche Wodka getrunken.Im Anschluss legt auch Sebastian L. ein Geständnis ab: "Ich weiß, dass es dafür keine Entschuldung gibt, dass ein Mensch ums Leben gekommen ist. Es tut mir von Herzen leid, und ich wollte niemals, dass so etwas passiert."Helfen Oskar Brunner die Entschuldigungen, um endlich Frieden zu finden und den Verlust seines Sohnes zu verkraften. In einer Erklärung teilte er mit, dass er darauf vertraue, dass "das Gericht für beide Angeklagten eine tat-, schuld- und erzieherisch angemessene Rechtsfolge finden" werde. Er will am gesamten Prozess teilnehmen, soweit es sein Gesundheitszustand erlaube. "Den Eheleuten Brunner geht es psychisch und physisch seit dem Tod ihres Sohnes sehr schlecht", heißt es weiter. Felicitas Brunner sei inzwischen ein Pflegefall. JK------------------------------BU: Der Tod Brunners entsetzte.Zwischenzeile: SEBASTIAN L. UND MARKUS SCH. GESTEHEN DIE TATZwischenzeile: ABER OPFER SOLL ZUERST ZUGESCHLAGEN HABEN
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