Blamage durch ÜberheblichkeitDas war keine Niederlage, das waren keine drei verlorenen Punkte im Aufstiegskampf. Das war eine Peinlichkeit in Blau-Weiß. Favorit Hertha BSC verliert im Heim-Derby gegen den kleinen Nachbarn 1. FC Union 1:2 (1:1) - völlig überflüssig, völlig sinnlos, völlig planlos! Aber was das Schlimmste ist - fast völlig kampflos.Markus Babbel saß eine Stunde nach dem Abpfiff völlig bedient vor einem Wald aus Mikrofonen. Dann gingen dem Trainer zwei Sätze über die Lippen: "Ich möchte mich bei den Fans entschuldigen, die so auf diese drei Punkte gehofft haben. Diese Schmach müssen wir jetzt eine Woche lang ertragen."Nur eine Woche? Nein, über diese Demütigung wird die ganze Stadt noch Jahre lachen. Weil sie so selten dämlich war. Nach 13 Minuten führte Hertha 1:0 durch ein Kopfballtor von Verteidiger Roman Hubnik und spielte dann geschätzte sieben Minuten souverän weiter wie ein Aufstiegsfavorit. Und hätte die desolaten Unioner eigentlich abschießen müssen.Doch dann zog wieder der Schlendrian ein, den Babbels Truppe schon oft in dieser Saison nach einer Führung zeigte. So baut man Gegner auf. Die Strafe folgte. Unions Mosquera nahm einen Ball mit dem linken Oberarm an (Herthas Schiri-Fluch geht weiter) und traf aus 16 Metern zum Ausgleich (37.).Die Fans in der Ostkurve waren geschockt. Herthas Profis noch mehr. Auch in Halbzeit zwei gab es kein klares Offensivspiel. Dann der Super-GAU: Mattuschka traf durch die Mauer ins linke Toreck zum 2:1 (71.). Nicht unhaltbar für Keeper Maikel Aerts.Nach diesem K.o.-Schlag bleibt nur die Frage: Erholt sich Hertha von der Derby-Peinlichkeit? Kapitän Andre Mijatovic hofft es: "Wir müssen daraus gestärkt hervorgehen."Fakt ist: Es war eine Beleidigung für die 55 000 Hertha-Fans im ausverkauften Olympiastadion und für Peter Niemeyer, der trotz eines Brummschädels (Zusammenprall mit Parensen in der zweiten Minute) als einziger Herthaner kämpfte, wie es sich in einem Derby gehört.------------------------------Triumph durch TrotzWelch ein Triumph! Was für ein Glücksgefühl! "Geil", brach es aus Paul Thomik heraus. "Gibt es was Schöneres für einen Fußballer, als vor so einer Kulissen zu gewinnen?", fragte Mannschaftskapitän Torsten Mattuschka nach Unions 2:1 (1:1) bei Hertha BSC!Ein Sieg durch zwei Traumtore. Ein Sieg des Willens. Einer der Moral! 12 unglaubliche Zähler ertrotzten die Köpenicker in dieser Saison nach einem Rückstand. Das ist zusammen mit Cottbus der Liga-Bestwert!Auch im Olympiastadion musste sich Union nach reichlich schwachen 20 Minuten, die Trainer Uwe Neuhaus "fast zur Weißglut" trieben, erst in die Partie hineinbeißen.Und dabei den Ausfall von Michael Parensen verkraften, der nach zwei Minuten mit Peter Niemeyer so hart zusammenrasselte, dass er mit einer Gehirnerschütterung rausmusste.Als obendrein noch Roman Hubnik nach schöner Vorarbeit von Unions Dominik Peitz (!) die Hausherren (13.) in Führung brachte, befürchteten die eisernen Anhänger Schlimmes. Zu sehr dominierte Hertha die Partie!Doch mit jeder Sekunde, in der die Blau-Weißen ihren Vorsprung verwalteten, erwachte bei Union das Gefühl, dass man einen historischen Coup landen könnte.Ausgerechnet der oft gescholtene John Jairo Mosquera leitete ihn ein. Ball mit der Brust angenommen (na gut, es war auch der Oberarm mit im Spiel), schön gedreht und ab in den langen Winkel zum 1:1 (37.).Ein Tor aus dem Nichts! Aber danach fragt nach diesem Derby keiner mehr. Wie es auch Torsten Mattuschka völlig egal war, dass Hertha-Keeper Maikel Aerts Tusches Freistoß aus 25 m Entfernung hätte halten können."Der hat gezappelt, das zählt", freute sich Unions Kapitän über seinen ersten Freistoßtreffer seit (gefühlt) der Gründung Roms! "Niemand hat uns vor der Saison die Stadtmeisterschaft zugetraut", freute sich der 30-Jährige wie Bolle.Hertha mag ja vielleicht aufsteigen. Aber das juckte keinen einzigen der rund 20 000 Rot-Weißen im Olympiastadion.------------------------------HERTHA BSC - 1. FC UNIONHertha BSCEinwechslungen: Domowtschiski (ab 80. für Ronny), Lustenberger (ab 87. für Niemeyer)Gelbe Karten: Lell (3), Raffael (3)(Gelb-)Rote Karten: keine1. FC UnionEinwechslungen: Thomik 3 (ab 4. für Parensen), Benyamina (ab 57. Ede), Brunnemann (ab 86. für Kolk)Gelbe Karten: Peitz (5/3), Benyamina (2), Kohlmann (4)(Gelb-)Rote Karten: keine - Zuschauer: 74 244 (ausverkauft)Tore: 1:0 Hubnik (13.), Mosquera (37.), 1:2 Mattuschka (71.)------------------------------BU: So sehen Sieger aus! Kapitän Mattuschka und Peitz (r.) lassen sich verdient von ihren Anhängern feiern.BU: Kleines Rätsel: Woran erkennen Sie den Herthaner auf diesem Bild?
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