Heute Spiel um Platz 3

„Bronze sind wir den Fans einfach schuldig“

Nach dem verpassten Finale wollen DHB-Jungs die WM mit einer Medaille beenden.

Peter Wiezorek
Lesezeit 2 Min
Einmal noch alles raushauen: Rückraum-Ass Fabian Böhm (l.) ist ganz heiß auf Bronze.

Einmal noch alles raushauen: Rückraum-Ass Fabian Böhm (l.) ist ganz heiß auf Bronze.

© imago/Bernd König

Bundestrainer Christian Prokop gab seinen so kurz vorm Showdown gescheiterten Helden gestern frei. Durchpusten, die verletzte Seele streicheln. Was er ihnen mit auf den Weg gab, hatten Uwe Gensheimer & Co. aber schon längst in ihren Köpfen. Prokop: „Wir sind Profis und wollen natürlich einen versöhnlichen Abschluss. Wir haben die Chance, eine Medaille zu erzielen bei dieser Heim-WM. Wir werden alles reinlegen in das letzte Spiel. Wir haben das ganze Turnier nicht negativ gedacht, und das werden wir jetzt nicht ändern.“

Bronze als Trostpflaster – das ist nun das neue große Ziel! Rückraum-Kanonier Fabian Böhm verriet: „Keiner will hier nach dem Spiel nach Hause gehen und sagen: ,Mensch, wir sind Vierter geworden‘. Wir sind es den Fans auch schuldig. Wir haben so eine tolle Atmosphäre in den Hallen gehabt. Wir wollen unbedingt diese Bronze-Medaille.“

Nicht bloß in den pickepackevollen Arenen herrschte eine lange nicht mehr erlebte Handball-Euphorie. Auch das TV ist happy. Das Halbfinale gegen Norweger, zugleich die erste Turnier-Pleite der DHB-Jungs, sahen in der ARD 11,91 Millionen Zuschauer – Rekord-Einschaltquote. Ein Marktanteil von 35,0 Prozent. Zuvor lag der Höchstwert für ein deutsches Spiel bei der WM 2019 bei 10,02 Millionen (gegen Kroatien/ZDF).

Zwei Herzen in der Brust

So langsam macht sich schon vor dem letzten WM-Auftritt auch ein wenig Stolz breit. Kapitän Gensheimer: „Wenn man wieder zu Hause ist und vielleicht mal auf der Straße angesprochen wird, wird man realisieren, was wir in den vergangenen zwei Wochen erreicht haben.“

Christian Prokop fasst seine Gefühlslage so zusammen: „Das sind zwei Herzen, die da in der Brust schlagen. Zum einen das verpasste Finale. Aber es ging nicht nur um die Platzierung, sondern auch darum, diese Sportart so zu präsentieren, dass wir viele Vorbilder entwickeln, dass wir für unseren Nachwuchs da sind. Und dass Deutschland merkt, dass es auch noch eine Sportart gibt, bei der das ganze Land dahinter steht. Das haben wir hervorragend, überragend hinbekommen.“

So gesehen, wäre Bronze heute wirklich noch die perfekte Zugabe.

Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com

Lesen Sie mehr zum Thema

DHB