Als Kind malte sie mit links.
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Offiziell sind bis zu 15 Prozent der Bevölkerung Linkshänder. Doch: „Viele Menschen erinnern sich nicht daran, dass sie Linkshänder waren und als Kleinkinder umerzogen wurden“, sagt Marina Neumann (64). Daher gehen Experten davon aus, dass tatsächlich fast jeder Zweite Linkshänder ist.
Das erklärt auch, warum so viele Berliner – und Nicht-Berliner – zur Linkshänder-Therapie der Diplom-Psychologen kommen. „Die Unterdrückung der Linkshändigkeit kann zu schlimmen Identitäts- und Persönlichkeitsstörungen führen: Minderwertigkeitsgefühle, Depressionen, Burn-out“, so Marina Neumann. Sie weiß, wovon sie spricht.
Die Linkshänderin wurde ab der Einschulung auf rechts gedrillt – und litt jahrelang darunter. „Versuchen Sie als Rechtshänder doch mal, ständig alles mit links zu machen. Das ist Stress pur“, sagt sie.
„Eine Umschulung vom Links- zum Rechtshänder bedeutet eine dauerhafte Überforderung.“ Auch bei scheinbar banalen Dingen: Linkshänder nehmen die Gabel in die rechte Hand und das Messer in die linke. Normalerweise.
Mit 47 Jahren beschloss Marina Neumann, sich selbst auf links zurück zu schulen. Erst malte sie Kringelchen, dann Buchstaben, schließlich schrieb sie Wörter und irgendwann Sätze. Jeden Tag übte sie, tastete sich an ihre angeborene Linkshändigkeit heran. „Das war ein absolut befreiendes Erlebnis, ein Unterschied wie Tag und Nacht!“ Auf einmal ging ihr, im wahrsten Sinne des Wortes, alles im Leben leicht von der Hand.
Mittlerweile hat sich Marina Neumann auch beruflich auf die Linkshändigkeit spezialisiert, bietet in ihrer Praxis seit 2002 Rückschulungen an – sogar per Skype. Zudem testet die Steglitzerin Kinder, Jugendliche und Erwachsene, ob sie Links- oder Rechtshänder sind, berät Eltern, Kitas, Lehrer. Sie hat ein Buch geschrieben und arbeitet nun an einem Schreiblernheft für Linkshänder. NIC
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