Herthas Kabinen-Schwur

So heizte Dardai seinen Jungs ein

Der KURIER erklärt, wie die Blau-Weißen die Sensation gegen Bayern schafften

Berger Patrick RICHTIG Sebastian Schmitt
Lesezeit 3 Min
Hertha-Trainer Pal schwor seine Jungs die ganze Woche auf den Kracher gegen die Bayern ein. 

Hertha-Trainer Pal schwor seine Jungs die ganze Woche auf den Kracher gegen die Bayern ein. 

© dpa

Hertha überrascht die Bundesliga! Erstmals seit 2009 gewinnen die Blau-Weißen wieder gegen den FC Bayern. Ein furioses 2:0 – dank besonderer Psycho-Tricks! Der KURIER verrät, wie Dardai sein Team auf die Bayern einschwor.

Es gab dann doch etwas zu bemängeln an diesem eigentlich perfekten Tag. Pal Dardai (42) hob auf der Pressekonferenz mahnend den Zeigefinger und blickte nach links. Dort stand Präsident Werner Gegenbauer (68) und Manager Michael Preetz (51). „Der Manager wird mit mir schimpfen, weil er an die Tabellenspitze wollte…“

Ein Tor fehlte Hertha am Freitagabend, um den Bayern tatsächlich die Tabellenspitze abzunehmen. Doch das war an diesem denkwürdigen Abend völlig egal. „Ist auch so schon in Ordnung“, sagte Preetz mit einem Schmunzeln.

An die Chance geglaubt 

74 669 Fans im erstmals seit anderthalb Jahren ausverkauften Olympiastadion rieben sich verwundert die Augen: Hertha entzaubert die Über-Bayern. Weil die Blau-Weißen sich im Vorfeld nicht kleinmachten und an ihre Stärken glaubten.

Jubelte nach Abpfiff ausgelassen wie selten: Hertha-Manager Michael Preetz.

Jubelte nach Abpfiff ausgelassen wie selten: Hertha-Manager Michael Preetz.

© Bongarts/Getty Images

Unter der Woche hatte Preetz noch ganz Selbstbewusst ausgesprochen, dass man ja die Chance habe, Tabellenführer zu werden. „Ich war nicht so vermessen zu glauben, dass wir hier sicher etwas holen“, so der Ex-Stürmer, „aber Chancen habe ich mir schon ausgemalt.“
Es passt zum neuen Selbstverständnis der Hertha, auch Spiele gegen große Teams gewinnen zu wollen. Frech, forsch, unbekümmert. „Das liegt natürlich auch an unserem Selbstvertrauen zurzeit“, sagt Dardai.

Der KURIER erfuhr: der Trainer hat seine Jungs in der Bayern-Woche nahezu täglich starkgeredet. In der Kabine schwor er seine Spieler mehrfach auf das Bayern-Match ein. Valentino Lazaro (22), Vorbereiter zum 2:0-Siegtreffer durch Ondrej Duda, verrät: „Der Trainer hat uns allen klargemacht, dass wir das 1:3 in Bremen, wo wir einen gebrauchten Tage hatten, einfach abhaken sollen. Und er drohte uns: wer glaubt, dass wir gegen die Bayern nicht gewinnen könnten, der soll einfach Zuhause bleiben!“

Kovac lobt Hertha-Stil 

Dardai heizt Hertha ein. Gestern sagte der Coach schmunzelnd: „Ich habe nur gesagt: ,Männer, lasst uns heute einfach gewinnen.’ Dann waren die Jungs automatisch heiß.“

Ganz so einfach war es dann natürlich nicht. Dardai führt aus: „Wir haben Bayerns Schwachstellen mit Hilfe unserer Scoutingabteilung knallhart analysiert. Es hat Vieles sehr gut funktioniert. Bei Standards standen wir gut, auch haben wir den letzten Pass der Bayern kaum zugelassen.“

Karim Rekik und Niklas Stark (r.) schmissen sich in die Zweikämpfe, als wenn es kein morgen geben würde.

Karim Rekik und Niklas Stark (r.) schmissen sich in die Zweikämpfe, als wenn es kein morgen geben würde.

© AFP

Hinzu kommt, dass die Blau-Weißen leidenschaftlich verteidigten, die Räume eng zustellten. Der Beweis: nur vier von 26 Bayern-Torschüssen gingen auf das Hertha-Tor.
13 Punkte aus sechs Spielen hat Hertha nun auf dem Konto. „Eine Top-Quote“, befindet auch Preetz. Was dieser Sensationssieg jetzt für Hertha bedeutet? Was er seiner alten Liebe in den nächsten Wochen zutraut, wurde Bayern-Coach Niko Kovac (46) auf der Pressekonferenz gefragt.

„Niko, pass jetzt bloß auf, was du sagst!“, so Dardai. Kovac schob schmunzelnd nach: „Soll ich den Druck erhöhen, oder den Ball flachhalten?“ Klar sei für Kovac jedenfalls, dass Hertha mit diesem Spielstil weiterhin erfolgreich sein kann. 

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