Hertha-Manager Preetz

„Wir müssen gierig sein, jede Sekunde!“

Das große KURIER-Interview mit Hertha-Manager Michael Preetz, Teil zwei.

ANDRÉ BELLERT und ANDREAS LORENZ
Lesezeit 4 Min
Männerfreundschaft: Michael Preetz und Pal Dardai kickten jahrelang zusammen im blau-weißen Trikot. Jetzt leiten sie Herthas Geschicke als Manager und Cheftrainer.

Männerfreundschaft: Michael Preetz und Pal Dardai kickten jahrelang zusammen im blau-weißen Trikot. Jetzt leiten sie Herthas Geschicke als Manager und Cheftrainer.

© imago/ActionPictures Lizenz

KURIER: Herr Preetz, wir waren bei den Ansprüchen der Fans an Sie als Manager und an die Profimannschaft von Hertha BSC. Und haben uns – wieder einmal – auf die Strategie der kleinen Schritte geeinigt. Auf das Machbare. Aber mal ehrlich: Möchten Sie nicht auch mal? So richtig mit vollen Händen und raus mit den Millionen?

Michael Preetz: (lacht) Wenn ich das noch erlebe, rufe ich Sie an und lasse Sie zuschauen. Ich fühle mich viel wohler, wenn ich Realist bleibe und trotzdem den Optimismus nicht verliere.

Hand aufs Herz, Sie wollen doch einen Spieler wie Anthony Modeste seit Jahren. Und jetzt ist er in Köln gelandet. Tut das nicht weh?

Ja, wir haben uns in der Vergangenheit auch mit Modeste mehrfach beschäftigt. Aber vor einem Jahr haben wir uns für Julian Schieber entschieden. Und wir finden bei aller Wertschätzung für Modeste, dass wir mit Julian den richtigen Spieler geholt haben. Wenn die Verletzung nicht passiert wäre, hätte er auf 15 Saisontore kommen können. Diesmal gab es einfach vom Transfervolumen her keine Chance.

Also kam Vedad Ibisevic. Und nach Transferschluss dann die Verletzung von Sami Allagui...

Das ist großer Mist, auf jeden Fall. Aber wir werden die Situation meistern. Wir spielen mit einer Spitze und wir haben zwei Stürmer. Das ist genauso viel wie Borussia Dortmund. Die spielen mit einer Spitze und ihre Stürmer heißen Aubameyang und Ramos. Bei uns heißen sie Kalou und Ibisevic. Zwei unterschiedliche Stürmer-Typen, die ihre hohe Qualität unter Beweis gestellt haben. Ich kann mir auch vorstellen, dass sie auch zusammen gut funktionieren. Weil Vedad wirklich der reine Center-Spieler ist und Salomon auch gerne raus aus dem Zentrum geht, über die Seite kommt und sich mit seiner Geschmeidigkeit anschleicht.

Noch einmal zurück zu Allagui. Zählen Sie eigentlich die Verletzungs-Hämmer Ihrer Amtszeit noch? Immer wieder werden gute Pläne durch so etwas zur Makulatur. Das muss einen doch wahnsinnig machen. Baumjohann, Cigerci, Schieber, Ben-Hatira, Allagui, jetzt auch noch Pekarik?

Im ersten Moment sehe ich das natürlich genauso. Große Scheiße, das alles. Aber das Spiel hat sich verändert. Es ist schneller, es ist athletischer, das Risiko für die Spieler, mit einer größeren Verletzung auszufallen, steigt damit. Wir versuchen, diesem Thema zu begegnen, indem wir auch in Prävention investieren. Indem wir auch im medizinischen Bereich immer wieder darüber nachdenken, wo wir uns noch verbessern können. Wir wollen es nicht unter der Kategorie Pech laufen lassen, sondern alles dafür tun, solche Verletzungen zu minimieren.

Kein: Was wäre möglich gewesen, wenn?

Reine Zeitverschwendung. Ich schaue immer nach vorne. Wir freuen uns lieber, dass Baumjohann und Cigerci zurück sind. Wir haben sie lange schmerzlich vermisst und wissen ganz genau: Wenn alles gutgeht, können die beiden das Team auf ein anderes Level heben. Und auch Julian ist durch den Tunnel durch.

Das hört sich toll an. Was ist sonst für eine erfolgreiche Saison wichtig?

Die Bundesliga ist sehr eng. Jeden Punkt musst du dir krallen, nicht mehr loslassen, mitnehmen. Wir hätten was in Dortmund holen können, wenn wir da in Führung gehen. Schade, dass es nicht funktioniert hat. Ich habe dennoch ein gutes Gefühl für die Spielzeit, für den Kader. Aber wir müssen immer, in jeder Sekunde, gierig sein.

Alles andere wegdrücken, auch wenn es mal wehtut?

Ja, das ist so. Es braucht einen hohen Aufwand in der Bundesliga zum Erfolg zu kommen, aber es lohnt sich auch. Es lohnt sich für unsere Zuschauer, unsere Fans, auch nächstes Jahr hier Spiele gegen Bayern und Dortmund im Olympiastadion zu sehen. Und wir wollen Stück für Stück vorankommen. So werden wir das auch gegen Stuttgart machen. Eine Mannschaft, die zurzeit deutlich unter Wert daherkommt. Allein deswegen ist das Spiel brisant.

Dabei hilft dann sicher auch die Mentalität von Pal Dardai und Rainer Widmayer als Trainerteam. Pal ist Häuptling klare Kante. Nimmt in der Ansprache an die Mannschaft kaum ein Blatt vor den Mund.

Pal ist wie er ist. Und er soll auch so sein wie er ist. Ein Trainer muss berechenbar für seine Jungs sein. Die Spieler spüren, wenn er unzufrieden ist. Er sagt ihnen, was er erwartet. Er lobt aber auch. Das war auch bei der Veränderung des Kaders wichtig. Dass er den Spielern bei den Feedback-Gesprächen reinen Wein eingeschenkt hat. Es war viel Arbeit, der Mannschaft ein anderes Gesicht zu geben. Aber ich finde, wir können mit dem Ergebnis zufrieden sein. Wir haben eine gute Mischung zusammen. Jetzt geht es richtig los. Wir sind vorbereitet.

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