Aus dem Trainingslager in Belek berichtet WOLFGANG HEISE
Wir kennen alle Thomas Kraft (26) als Torwart von Hertha BSC. Der lautstarke Antreiber im Kasten, der mit seinen Reflexen die Bälle pariert und für die Blau-Weißen schon so viele Punkte und Siege festhielt. Ihn selbst hat neben dem Fußball noch eine Leidenschaft gepackt: Autos! Im KURIER lüftet er ein Geheimnis: Er ist jetzt stolzer Besitzer einer Legende auf vier Rädern. Es ist ein Ford Mustang, Baujahr 1965!
Kraft sitzt locker im Sessel in der Lobby des Mannschaftshotels Cornelia Diamond. Die Anspannung beim Training vor zwei Stunden ist bei ihm verflogen. Er freut sich schon auf die heutige Rückkehr nach Berlin, zurück zu Frau Denise und Söhnchen Mateo. Aber auch zurück in die Garage. Das Tor öffnen und dann steht da dieser Traum aus Blech: ein Ford Mustang Fastback, 50 Jahre alt, einer der ersten Fließheck-Renner, die von diesem Modell gebaut wurden.
1968 fuhr Steve McQueen in dem Kult-Roadmovie „Bullitt“ so einen Mustang Fastback mit 500 PS und 12 Zylindern. Das Fahrzeug ist Automobilgeschichte. Für Oldtimer-Liebhaber ist dieses Fahrzeug wertvoller als Gold.
„Er ist schwarz und hat rote Ledersitze, ein Fastback“, lacht Kraft los. Ein Ford Mustang ist schon was, ein Mustang-Cabrio noch ein bisschen mehr. Doch diesen Renner als Fließheck zu bekommen, ist wie Goldsuche, so selten ist er. Kraft: „Ich habe ihn aus den USA. Ein Bekannter von mir kennt sich sehr gut aus. Er hat den Mustang komplett durchgecheckt, bevor es zum Geschäft kam. Das war im Oktober. Das Überschiffen hat drei Monate gedauert. Jetzt ist er da. Es ist mein erster Oldtimer.“
Kraft hat seit langem das Benzin-Fieber gepackt. Seine Garagen sind voll, Mercedes und Audi. Über die Anzahl will er gar nicht so richtig sprechen, genauso wenig wie über den Preis seines historischen Mustangs. Im Topzustand bekommt man aber keinen unter 100 000 Euro.
Kraft ist es sonst eher unangenehm, über seine PS-Leidenschaft zu reden. Sie wissen schon, Fußballprofis und schnelle, teure Karren. „Ich bin kein Autoproll. Jeder hat doch sein Hobby. Mich fasziniert einfach diese ganze Technik. Ich beschäftige mich intensiv damit. Ich schaue auch gerne Autorennen“, sagt er.
Seine PS-Kontakte sind groß. In Kempten fuhr er schon auf einer Rennstrecke mit einem DTM-Boliden. Doch er betont: „Auf den richtigen Straßen fahre ich ganz normal. Ich ballere doch mit den Autos nicht herum. Das ist zu gefährlich.“
Was haben Fußball und Motorsport gemeinsam? Kraft denkt nach und sagt: „Ist doch klar, der Ehrgeiz, Erster zu sein. Und natürlich hohe Konzentration. Mit einem Rennwagen muss man umgehen können. Vielleicht werde ich nach meiner Fußballkarriere noch Autorennen fahren“, sagt er. Nein, ein Autoproll ist Kraft bestimmt nicht. Wer sich einen Ford Mustang Fastback kauft, beweist einfach nur Geschmack.
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