Hertha-Kolumne

So schön sind Siege gegen den FC Bayern

Herthas Urgesteine Horst Szymanek und Zecke Neuendorf erinnern sich.

Michael Jahn
Lesezeit 4 Min
2.Dezember 2001: Zecke trifft gegen die Bayern.

2.Dezember 2001: Zecke trifft gegen die Bayern.

© City-Press GmbH

Bei Hertha denkt man groß – spätestens seitdem Trainer Jürgen Klinsmann im Trainingslager in Florida seine Ziele formuliert hatte. Die Realität: Zuerst muss das Team der Abstiegszone entkommen und in der Tabelle so weit wie möglich nach oben klettern. Die Vision: In der nächsten Saison soll es Richtung Europa-League-Plätze und noch ein Jahr später möglichst in den Dunstkreis der Champions League-Klubs gehen. Große Worte, ganz klar. Viele zweifeln, ob das der richtige Weg ist und befürchten, dass das Projekt „Big-City-Club“ wie eine Seifenblase platzen könnte. Ich kann das durchaus verstehen.

Dennoch: Wer wie ich einst voller Neugier mit Hertha die Champions League erlebte, der freut sich über große Ziele und auch darüber, dass etwa Andreas „Zecke“ Neuendorf das große Denken unterstützt. Der U23-Coach der Hertha, ein Berliner Original,  ist unverdächtig, jemanden wie Klinsmann zum Munde zu reden. Zecke sagte nun: „Wir müssen uns ehrgeizige Ziele setzen. Sollen wir unseren Fans sagen, dass wir in fünf Jahren um Platz neun spielen wollen? Das ist doch Quatsch!“ Richtig, lieber Zecke!

Um Großes umzusetzen, kommt der FC Bayern München am Sonntag als erster Gegner in der Rückrunde im Olympiastadion gerade recht. Auch ich frage nun selbstbewusst und mit einem Hintergedanken: Kann ein Hertha-Profi dem Bayern-Keeper Manuel Neuer vielleicht ein paar Tore ins Netz setzen  – am besten gleich drei und sogar binnen sieben Minuten?

Dreierpack von Szymanek

Ich traue mich das zu fragen (und dabei groß zu denken), weil ich einen Zeitzeugen in petto habe, dem ein ähnliches Kunststück gelungen war: Detlev Szymanek. Der 65-Jährige ehemalige Bundesliga-Profi von Hertha hatte es einst vorgemacht, wie Großes gegen Bayern funktioniert. Am 11. Juni 1976, bei einer deftigen 4:7-Niederlage der Berliner beim FC Bayern, schenkte der flinke Stürmer dem Nationaltorhüter und Weltmeister Sepp Maier drei Tore ein und das innerhalb von sieben Minuten (82./87./89.). Szymanek sagt: „Das war eine andere Zeit und die Bayern führten zur Pause mit 6:0, ließen dann nach, aber dennoch war es nicht einfach, den Sepp Maier dreimal zu bezwingen. Der war danach auch richtig sauer. Man muss als Stürmer zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Das gilt auch am Sonntag, wenn Bayern ins Olympiastadion kommt.“

Zecke durfte auch mal treffen

Beim Legenden-Masters in der Max-Schmeling-Halle habe ich ehemalige Hertha-Profis gesprochen, die schon Siege gegen Bayern feiern und auskosten konnten. Natürlich lief mir Zecke Neuendorf über den Weg. Dem war am  2. Dezember 2001 beim 2:1 gegen Bayern ein Tor gelungen und  Pal Dardai traf sogar zum Siegtreffer. Zecke gibt folgenden Rat: „Man darf keine Angst vor den großen Namen der Münchner haben, eine Chance besitzt man nur als verschworenes Team. Die Jungs müssen fest an sich glauben.“

Der Mann mit der grauen Schlabberhose, Keeper Gabor Kiraly, gewann zweimal mit Hertha gegen Bayern und sagte: „Ich habe sehr gerne gegen die Bayern gespielt. Da bekam man immer ein persönliches Feedback, wie gut man ist. Man konnte sein Niveau als Torhüter testen.“

Auch Detlev Szymanek, einst der Albtraum vom Maier Sepp, gewann mit Hertha gegen Bayern. Im Dezember 1975 bei einem 2:1 war der Stürmer eingewechselt  worden, stand fünf Minuten auf dem Platz, entwischte Franz Beckenbauer und traf. „Das war ein Knaller-Tor“, erinnert sich Szymanek als sei es gestern gewesen, „ich habe den Ball volley genommen!“

Mein Vorschlag an Manager Michael Preetz: Holt Szymanek, der in Düsseldorf lebt, am Sonntag als Maskottchen nach Berlin. Dafür muss man nicht extra groß denken. Man muss sich nur an verdienstvolle ehemalige Herthaner erinnern.

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