Das war tatsächlich ein starkes Stück, das Hertha auf Schalke aufführte! Niklas Stark und Karim Rekik, die beiden trefflichen Innenverteidiger, konnten ein tolles Erfolgserlebnis feiern. Beide schossen ihre ersten Tore in der noch so jungen Saison. Bravo! Nach 90 Minuten – auch ein Schalker traf übrigens noch – hatte Hertha BSC mehr Tore geschossen und dennoch verloren. Schalke 3, Hertha 0 – leuchtete es vom Anzeigenwürfel in der Arena.
Für Niklas Stark, der zuerst Keeper Rune Jarstein überwand, war es bereits das vierte Eigentor in der Bundesliga – drei gelangen ihm für Hertha, eines Jahre zuvor für Nürnberg. Die Franken könnten vielleicht sogar neidisch werden.
Ich fragte mich: Kann man solch spektakuläre Aktionen, sprich Selbsttore, eigentlich trainieren? Meine Antwort: Ja! Das sollte so funktionieren: a) Man postiert sich zentral im eigenen Strafraum und ignoriert seinen Torwart, der vergeblich „Leo“ ruft; b) Man wartet auf Flanken des Gegners, verliert die Orientierung und lässt den Ball locker Richtung eigenes Tor laufen, c) Man setzt zur entscheidenden Aktion an, irritiert seine Mitspieler, grätscht, köpft oder bugsiert den Ball mit letztem Einsatz ins eigene Tor!
Stark und Rekik hatten all das wohl auf dem Schenckendorffplatz intensiv geübt und auf Schalke nahezu perfekt umgesetzt.
An Vorbildern im eigenen Verein mangelt es den beiden Protagonisten nicht. Es blieb leider geheim, ob Ante Covic einige Szenen von ehemaligen Hertha-Profis wie Hans-Günter Schimmöller (erstes Selbsttor in Liga eins 1963) oder Dick van Burik, Roman Hubnik, Michael Hartmann und Uwe Witt (je zweimal ins eigene Netz) im klubeigenen Heim-Kino vorgeführt hatte. Die Treffer von Stark und Rekik jedenfalls waren bereits die Selbsttore Nummer 41 und 42 in der Bundesliga-Geschichte von Hertha BSC.
Der Funkturm bebt
Den Vogel schoss dabei Abwehrrecke Uwe Kliemann ab. Der wurde einst kraft seiner Statur liebevoll der „Funkturm“ gerufen. In den 70er-Jahren versenkte der Hertha-Mann mit der prächtigen Lockenmähne insgesamt stattliche vier Tore im eigenen Kasten. 1978, bei einem Sieg für den 1. FC Kaiserslautern fragte ihn die spätere Reporter-Legende Rolf Töpperwien nach dem Spiel: „Herr Kliemann, wie fühlt es sich an, das einzige Tor des Spiels geschossen zu haben?“ Der „Funkturm“ blaffte ins Mikrofon zurück: „Blöde Frage! Beschissen, wie denn sonst!“
Aber man muss nicht bis in die 70er-Jahre zurückgehen, um den Profis von heute Anschauungsunterricht zu geben. Michael Preetz machte 1998 das Duell gegen Bayern München im Olympiastadion äußerst spannend. Beim 2:1-Sieg für Hertha traf er zuerst gegen Oliver Kahn, schob dem Titan den Ball locker durch die „Hosenträger“, sprich Beine. Später verlor er die Orientierung und köpfte ein schönes Eigentor. Na ja, ist ja noch mal gut gegangen …
Kultstatus dank Eigentoren
Zurück in die Gegenwart. Am 14. September muss Trainer Ante Covic mit seiner Mannschaft zum Tabellenletzten Mainz 05. Bei Mainz besitzt ein gewisser Nikolce Noveski Kultstatus. Dem Mazedonier gelang 2005 gegen Eintracht Frankfurt ein Kunststück. Bis zur 6. Spielminute versenkte er binnen 132 Sekunden gleich zweimal den Ball im eigenen Tor. Dann traf er sogar zum 1:2 ins richtige – das Duell endete 2:2. Noveski nahm es mit Humor: „Mein erster Hattrick!“
Nur schade für Hertha, dass der Abwehrmann schon vor vier Jahren seine Karriere beendet hat. Von ihm sind keine neuen Kunststücke zu erwarten. Doch für Niklas Stark sollte Noveski durchaus als Vorbild taugen. Der kam insgesamt auf sechs Selbsttore in der Bundesliga (Spitzenplatz mit Manni „Bananenflanke“ Kaltz vom HSV) und ist sogar zum Ehrenspielführer bei Mainz 05 ernannt worden. Wann ist es bei Stark und der Hertha soweit?
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