Doch wie es während eines Transferfensters oft ist: Aus Gerüchten werden keine Tatsachen und ab und an gibt es total überraschende Lösungen. Ich glaube jedenfalls fest daran, dass nach dem 22-jährigen Argentinier Santiago Ascacibar, der im Trainingslager in Florida seinem Ruf als „giftiger, aggressiver Sechser“ gerecht wird, noch ein Königstransfer folgen wird. Dank der Millionen von Investor Lars Windhorst.
Dabei heißt es immer, in der Transferperiode zwei, also im Januar, seien kaum optimale Einkäufe möglich. Die wichtigen Profis stehen alle unter Vertrag, man bekäme nur die zweite Garde oder müsse sich mit Leihgeschäften begnügen. Dass diese These nicht immer stimmen muss, hat gerade Hertha BSC in der Vergangenheit oft bewiesen. Ein paar Beispiele gefällig?
Mein Winter-Königstransfer der zurückliegenden 25 Jahre steht eindeutig fest: Pal Dardai! Manch Hertha-Anhänger wird es vielleicht nicht mehr wissen: Pal kam als schmächtiger 20-Jähriger im Januar 1997 von BVSC Budapest nach Berlin und kostete 500000 Mark an Ablöse. Im März 1997 gab er sein Debüt im Zweitligaspiel gegen den VfL Wolfsburg (1:0) vor 14847 Zuschauern. 286 Bundesligaspiele wurden es danach – viel mehr Hertha geht nicht.
Im Januar 2000 folgte der nächste Coup. Hertha erlöste den Kroaten Josip Simunic vom Reservisten-Dasein beim Hamburger SV, zahlte schlappe 350000 Mark Ablöse. Stattliche 222 Erstligaspiele absolvierte der sensible und oft hochklassige Abwehrmann danach, ehe ihn Manager Michael Preetz im Sommer 2009 für die feste Ablöse von sieben Millionen Euro sehr gewinnbringend nach Hoffenheim verkaufte.
Alex Alves kam im Winter
Auch im Winter 2000 standen wir Journalisten uns auf dem Flughafen Tegel die Beine in den Bauch. Nach stundenlangem Warten war er endlich gelandet: „Wunderknabe“ Alex Alves, Herthas erster Brasilien-Import.
Mittelgroß, Goldkette um den Hals und recht schüchtern wirkte war der Mann, für den Hertha die damals riesige Summe von umgerechnet 7,6 Millionen Euro an Cruzeiro Belo Horizonte überwies. Erstaunlich: Bis zur Verpflichtung von Davie Selke im Jahr 2017 – dieses Mal aber ein ganz normaler Sommer-Zugang für acht Millionen Euro Ablöse – blieb Alves, ein extrovertierter Profi zwischen Genie und Wahnsinn, der Rekordtransfer von Hertha.
Als Glücksgriff entpuppte sich im Januar 2008 die Verpflichtung des filigranen Brasilianers Raffael vom FC Zürich. Für den Wunschspieler von Trainer Lucien Favre setzte der damalige Manager Dieter Hoeneß „Himmel und Hölle“ in Bewegung und zahlte schließlich 4,3 Millionen Euro an Ablöse.
Neuer Publikumsliebling gesucht
Andere Winter-Verpflichtungen verpufften allerdings. Im Januar 2010 holten Manager Preetz und Trainer Friedhelm Funkel in größter Abstiegsangst Nothelfer gleich im Dreierpack: Theofanis Gekas, Roman Hubnik und Lewan Kobiaschwili. Hertha stand nach der Hinrunde mit unfassbar mickrigen sechs Punkten abgeschlagen auf dem letzten Tabellenplatz. Doch auch dieses Trio konnte den Abstieg nach 13 Jahren Erste Liga nicht verhindern.
Was passiert nun, zehn Jahre später? Ich warte gespannt auf den Königstransfer. Am liebsten wäre mir ein Profi, der das Zeug zum Publikumsliebling besitzt. Viele davon gab es zuletzt bei Hertha nicht.
Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com