Taktik-Erfolg

Hertha killt drei Bayern-Rekorde

Herthas Punktgewinn in München beweist: Die Blau-Weißen haben Moral.

Sebastian Schmitt
Lesezeit 3 Min
Stolz: Cheftrainer Pal Dardai (l.) und sein Assistent Rainer Widmayer freuen sich über den Punktgewinn.

Stolz: Cheftrainer Pal Dardai (l.) und sein Assistent Rainer Widmayer freuen sich über den Punktgewinn.

© imago/Ulmer

Erst die geballte Faust, dann das Abklatschen mit Cheftrainer Pal Dardai. „Ich bin lange dabei. Wenn man in München zu null spielt, ist das für mich als Trainer etwas Außergewöhnliches. Da kommen Emotionen in einem hoch, die kann und will ich nicht verbergen. Das muss raus“, beschreibt Widmayer die Freude über den Taktik-Erfolg.

Punkt auch mit dem Glück des Tüchtigen verdient

Der Schwabe, seit Februar 2015 an der Seite von Dardai, lobt: „Die Jungs haben unsere Taktik super umgesetzt. Sie haben bis zum Schluss mutig verteidigt, sich den Punkt auch mit dem Glück des Tüchtigen verdient. So ist es schwer gegen uns.“

Und verdammt nervig. Das sah man den Bayern an. Der Primus fand selten ein Mittel gegen lästige Herthaner. Immer stand ein Verteidigerbein im Weg. Widmayer: „Wir sind immer wieder auf die Querpässe gegangen und wollten den nächsten Pass unterbinden.“ Falls die Bayern doch mal durchkamen, scheiterten sie am starken Rückhalt Rune Jarstein im Tor. Die Münchner bissen sich die Zähne aus und mussten sich von gleich drei Rekorden verabschieden.

Rekord vermasselt, Laune verdorben. Bayerns Robert Lewandowski hatte gegen Hertha keinen Spaß.

Rekord vermasselt, Laune verdorben. Bayerns Robert Lewandowski hatte gegen Hertha keinen Spaß.

© Bongarts/Getty Images

Super-Stürmer Robert Lewandowski erzielte in seinem 250. Liga-Spiel zum ersten Mal nach elf Heimspielen in Folge kein Tor, verpasste den Uralt-Rekord von Bayern-Legende Gerd Müller.

Das 0:0 vermasselte den Bayern ihren 15. Pflichtspielsieg in Serie. Ihre Bestmarke aus dem Jahr 1980 von Ex-Bayern-Trainer Pal Csernai (1978 bis 1983) hat weiter Bestand.

Zum ersten Mal seit Mai 2015 (0:1 gegen Augsburg) erlebten die Bayern wieder ein Null-Tore-Erlebnis in einem Heimspiel.

Blau-weiße Charakterstärke

„Das ist außergewöhnlich“, sagt Widmayer. Und lobt die blau-weiße Charakterstärke. „Nach dem 0:2 gegen Mainz unkten viele, dass wir in München abgeschossen werden.“ Stattdessen hatte Hertha „immer, wenn es schwierig wurde, eine Antwort parat“.

Das eine oder andere Grinsen war in den Gesichtern der Hertha-Profis zu sehen. Mehr aber auch nicht. Niklas Stark verkörpert die neue Anspruchshaltung. „Es ist nur ein Punkt. Wir müssen weiterarbeiten, um die 40 Punkte vollzumachen. Auf Schalke geht’s von Neuem los.“

Hertha-Fans wird es freuen, die Spieler bleiben gierig. Wichtig, weil weder die Abstiegsgefahr ganz gebannt noch der Anschluss nach oben hergestellt ist.

Hertha müsse sich nicht verstecken. Widmayer: „Wir haben auswärts bei Top-Teams positive Erfahrungen gesammelt. Wir können selbstbewusst in das Spiel gehen, müssen mutig sein.“ Das hören die blau-weißen Anhänger vor dem Spiel beim Erzrivalen besonders gerne.

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