90 Minuten – aber kein Sieger! Die erste Sitzung des Sportausschusses im Berliner Abgeordnetenhaus offenbart, dass keine schnelle Einigung in der Stadion-Frage in Sicht ist. Innensenator Andreas Geisel (SPD) vergleicht den Stadion-Zwist mit einer Ehe – und probiert diese zu retten.
„Wenn in der Ehe der eine sagt, es geht nicht mehr, und der andere trotzdem alles lassen will, wie es ist, dann wird es selten gut“, sagte Geisel. Das Problem: Bei dieser Ehe mischen drei Akteure mit – und alle wollen etwas anderes.
Ehe-Rettungsmaßnahme: Umbau des Stadions
Der Sportausschuss will den Status quo erhalten, Hertha nach Ablauf des Mietvertrages 2025 in einem Neubau spielen – und weil es im Olympiapark stehen soll, brauchen die Blau-Weißen die Zustimmung des Abgeordnetenhauses für einen Erbbau-Vertrag. Der Senat fürchtet sich vor den Einbußen von bis zu sieben Millionen Euro pro Jahr und favorisiert den Umbau des Olympiastadions.
Geisels Ehe-Rettungsmaßnahme: ein Umbau des Stadions. Die Kosten für den Steuerzahler beziffert er auf 190 Millionen Euro. Bei Bedarf könnte die Laufbahn für 4,8 Millionen Euro temporär eingefügt werden. „Die Variante ,Es passiert gar nichts’ gibt es nicht“, sagte Geisel. Denn am Olympiastadion gebe es erheblichen Investitionsbedarf von 30 bis 40 Millionen Euro in den kommenden 10 bis 15 Jahren. „Geld wird das Land Berlin in jedem Fall in die Hand nehmen müssen.“
Gegenwind von Parlamentariern
Herthas Finanz-Boss Ingo Schiller probierte es mit einer Charme-Offensive. „Was wir hier anbieten, ist eine partnerschaftliche Lösung mit dem Land Berlin.“ Neben der Anerkennung einer Konkurrenz-Ausschluss-Klausel und der Abgabe einer Fertigstellungs-Garantie, verspricht Schiller auch eine aktive Rolle Herthas bei der Umsetzung eines Nachnutzungskonzepts für das Olympiastadion. Wie der Klub die Neubaukosten stemmen will, ließ Schiller allerdings offen.
Reichlich Gegenwind bekommt Hertha von einigen Parlamentariern. Herthas Haltung – Neubau oder nix – sorgt für Unmut: „Das ist kein Zeichen von Fairplay“, sagte die Grünen-Abgeordnete Nicole Ludwig. „Wir lassen uns nicht unter Druck setzen“, betonte wiederum der FDP-Politiker Stefan Förster. Immerhin: Es besteht die Bereitschaft für weitere Gespräche – die Grundlage für einen Fortbestand einer Ehe.
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